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- Zur Themenausgabe von „Das Parlament“: Zentralamerika -

Die Ausgabe Nr. 34 der Zeitung „Das Parlament“ befaßt sich thematisch mit Zentralamerika. Auf der Titelseite gibt Harald Schmautz eine allgemeine Einführung in die Begrifflichkeit. Zentralamerika wird hier ohne Mexico betrachtet. Die Staaten Zentralamerikas seien weitgehend unterschiedlich und es bestünden nur wenige Gemeinsamkeiten. Eine kuriose Übereinstimmung hebt der Autor hervor: Alle sieben Staaten unterhalten diplomatische Beziehungen zur Republik China auf Taiwan. Weiter betrachtet Theodor Rathgeber das indianische Erbe der Ureinwohner, von denen noch ca. 5 Millionen Zentralamerika leben. Sabine ntenbach geht in ihrem Artikel auf den dominanten Einfluß des Militärs ein, der durch den „fuero militar“ (Sonderrechte für Angehörige des Militärs) in der Kolonialzeit und durch den Einfluß der USA im 20. Jahrhundert sowie durch die gesellschaftlichen Konflikte der 70er und 80er Jahre entstanden sei. Offiziere und Befehlshaber der zentralamerikanischen Streitkräfte bildeten traditionell einen Teil der Oligarchie, die kaum Trennung von politischer, wirtschaftlicher und militärischer Macht kannte. Oftmals besaßen Militärs selbst große Län-dereien oder waren mit Großgrundbesitzern verschwistert und verschwägert. Zwischen 1950 und 1985 bildeten die USA insgesamt 25 000 zentralamerikanische Militärs aus. Die Regierung Reagan interpretierte die Zentralamerikansiche Krise als sowjetischen Expansionismus und erhöhte die Militärhilfe für die US-Verbündeten in der Region von 10 Millionen U$ 1980 auf 300 Millionen U$ 1984. Der Hauptteil dieser Gelder ging nach El Salvador, wo diese Zahlungen die Haupteinnahmequelle des Staates wurden. Auf diesen guten Artikel folgt ein schwacher Aufsatz von Rita Neubauer über die Rolle der USA in Zentralamerika. Sie geht viel zu wenig auf die vielfältigen Interventionsmethoden der USA in Zentralamerika ein. Die heutige US-Taktik sieht sie in der Förderung von sogenannten „low in-tensity democracies“. Formalen Demokratien, die zwar freie Wahlen garantieren, aber die herrschenden Verhältnisse und nordamerikanische Interessen nicht angreifen. Diese Demokratien tragen zwar zur Stabilisierung der Region bei, verhindern aber keine Menschenrechtsverletzungen, wie sie in vielen Staaten noch an der Tagesordnung sind (z.B. in Salvador und Guatemala). Bernd Pickart schreibt zum Thema „Guerilla — einst und jetzt“, daß bis auf Nicaragua in keinem Land die sozialen Ursachen der Guerilla beseitigt sind. Weiter reißt er leider nur sehr knapp die unterschiedlichen Situationen in den einzelnen Ländern an. Arnold Spitta geht in „Ein Mythos verblaßt“ auf die Rolle Cubas in Zentralamerika ein. Der Artikel ist sehr gut geraten, da er die Lage sehr differenziert und nicht polemisch betrachtet, wie es leider häufig beim Reizthema Cuba der Fall ist. Die Kernthese seines Beitrages ist, daß die politischen Reaktionen auf Castros Cuba in erster Linie Beiträge zur innenpolitischen Auseinandersetzung im eigenen Land und erst in zweiter Linie Antworten auf ein wie auch im-mer geartete cubanische Bedrohung sind. Der Umgang mitCuba in Zentralamerika sage eher etwas über die eig enen
Stereotype und Projektionen aus als über die Realität der Karibikinsel. Seit 35 Jahren strahle nun Castros Revolution auf Lateinamerika aus. Für die einen bedeute sie Befreiung von der Ausbeutung, für die anderen der Alp-traum einer stalinistischen Diktatur. Seine zweite These daß die Eskalierung der Konflikte in Zentralamerika hausgemachte spezifische Probleme zurückzuführen sei. Eine cubanische Einmischung blieb auch auf dem Höhepunkt der Bürgerkriege immer ein sekundäres Phänomen. Nach dem Scheitern des sozialistischen Systems sei Fidel Castro als Vorbild passé, dennoch sei sein Mythos noch nicht
gänzlich verblaßt, da z.B. die einfache Bevölkerung in Honduras und Nicaragua nicht die cubanische medizinische Hilfe vergessen habe. Castro hat das Image, als einziger Staatsmann der Region dem nordamerikanischen Imperialismus die Stirn geboten zu haben. Als Revolutionsexportmodell habe Cuba jedoch ausgedient. Ohne grundlegende Reformen sei das System Cubas zum Scheitern verurteilt. In „Auf dem Weg zum gemeinsamen Markt“ untersucht Heinrich Lieder die Bedeutung des zentralamerikansichen Marktes für die BRD. Das Import-/Exportvolumen der fünf MCCA-Staaten (Mercado Común Centro Americano: Hon-duras, El Salvador, Guatemala, Costa Rica, Nicaragua) etwa so groß wie das Argentiniens oder Venezuelas. In Lateinamerika wird es nur von Mexiko und Brasilien übertroffen. In den MCCA-Staaten herrscht ein Wirtschaftsboom. Die Staaten haben erkannt, daß die wirtschaftlichen und sozialen Probleme nur mit dem gemeinsamen Ziel einer wirtschaftlichen und politischen Union zu lösen sind. Es folgen zwei Artikel über die Rolle der katholischen Kirche und von evangelisch-fundamentalistischen Gruppierungen in der Region. Gabriela M. Sierck stellt zur katholischen Kirche folgende These auf: Sie hätte im Vergleich dem, was sie hätte tun können immer noch wenig getan, aber im Vergleich zu dem, was andere Gruppen und Institu-tionen
in der Gesellschaft (z.B. Berufsverbände und Standesvetretungen) zur Wahrung der Menschenrechte getan
haben, hätte sie viel geleistet und tue dies auch weiterhin. Pfarrvikar Karl Braungart betrachtet den Erfolg der funda-mentalistischen Misionare aus den USA zu unkritisch. Die negativen Folgen der Übernahme des US-Weltbildes und Gesellschaftsmodells (Coca-Cola-Kultur), wie z.B. die Spaltung der Dorfgemeinschaften und die Zerstörung der einheimischen Identität und Kultur, werden von ihm zu wenig hinterfragt.
Von Ruedi Leuthold können wir eine sehr gute Abhandlung zu den kathastrophalen Auswirkungen des chemischen Großeinsatzes auf den Bananenplantagen lesen. Darauf folgt ein Artikel über die Chancen und Grenzen des fairen Handels mit Kaffee. Nach dem allgemeinen Teil folgen je zwei Seiten zu Gua-temala,
Costa Rica und Nicaragua, unterbrochen von einzelnen Artikeln zu allgemeinen Themen. So schreibt Ulri-ke
Wolf über die deutsche Entwicklungspolitik in Zentralamerika, die einen Schwerpunkt der bilateralen Zusammenarbeit mit Lateinamerika sei: Innerhalb Zentralamerikas bilde Nicaragua, nicht zuletzt wegen der Fortführung alter DDR-Projekte einen eindeutigen Schwerpunkt. Peter Strack analysiert in „Freibeuter im Elend“ die Situation der Straßenkinder in der Region. Er geht aber leider nicht auf den Handel mit Organen von Straßenkindern ein. Dann wird je eine Seite zu Panama und El Salvador präsentiert. Nur eine halbe Seite gibt es zu Honduras, dem zweitgrößten und ärmsten Staat Zentralamerikas, und zu Belize, der einzigen konstitutionellen Monarchie Mittelamerikas. Zumindest im Falle Honduras ist diese halbe Seite
eindeutig zu wenig. Am Schluß der Zeitung folgt noch ein Artikel über den Austausch zwischen Zentralamerikanischen und deutschen Universitäten, in dem bedauerlicherweise fast nur über die Austauschmöglichkeiten für Zentralamerikaner berichtet wird. Welche Möglichkeiten es für deutsche Studenten gibt, nach Zentralamerika zu gehen, erwähnt Arnold Spitta nicht. Diese Ausgabe der Zeitung ist bei der Bundeszentrale für Politische Bildung unter der Bestellnummer 6.344 erhältlich
(Adresse: Postfach 2325, 53013 Bonn).

         Johannes Beck

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Diese Seite wurde erstellt von Berenike Oesterle am 08.06.2002