|Portuñol 6- Übersicht|

- Moderne Schlachten -

Um jogo de futebol em Lisboa - Ein Einblick
in die portugiesische Seele?

Fußball, ein Spiegel der Mentalität eines Volkes? Der Kampf zweier Imperien, deren muskelbeladene Vertreter,
konzentriert auf ein rechteckig grün bewachsenes Schlachtfeld, schweißtropfend um den Sieg ringen, eingekesselt von
furchteinflößenden Massen, die ihre Sympathien nicht verbergen. Ein Szenario, abschreckend und faszinierend zugleich.
Nur als Außenstehender, als Nicht-Fußballfan läßtsich das Spektakel, das gesellschaftliche Ereignis, mit Abstand
betrachten. Aber ignorieren kann man es nicht, gehörtFußball in Portugal, Spanien und Lateinamerika (und
nicht nur da) doch zu den elementaren Wichtigkeiten des Lebens, der Sieg zum bestimmenden Prestige von Stadt und
Nation - und für den Einzelnen. Die Zugehörigkeit zu einem Fußballclub ist vielfach entscheidender als Rasse und
Religion, um so wichtiger daher Sieg oder Niederlage. So bedeckt man sich denn auch überzeugt mit den Zeichen und
Symbolen seines Clubs, dessen Wahl zu den Grundentscheidungen des Lebens zählt, selbstverständlich. Doch nun ist
Umsicht gefragt, Reibereien mit den Subjekten, die sich doch tatsächlich für die andere Seite bekennen, sind vor-programmiert...Warum also nicht in Portugal das erste Fußballspiel erleben?
Einmal muß man es mitmachen. Gerade hier. So wag tman sich in das Unbekannte. Schon die Linie der Metro de
Lisboa Richtung Benfica platzt aus allen Nähten. Eine Lawine aus Menschen quillt aus den U-Bahnschächten und
wälzt sich langsam durch die Straßen, nähert sich beständig dem größten Stadion Europas. Sport Lisboa e Benfica
(in Deutschland auch als Benfica Lissabon bekannt) gegen den FC Porto, Kampf der Giganten. Man sucht den Eingang,
Taschenkontrolle! Die Äpfel eines Freundes werden als Wurfgeschosse einkassiert, das Taschenmesser darun-ter
aber erst gar nicht gesehen. So funktioniert das also. Man quält sich durch Stahlbetonaufstiege und steht auf einmal
- endlich - ganz oben, einen gewaltigen Kessel um sich herum, bedrückend gefüllt mit über 100.000 Menschen, und
unter sich das Spielfeld, der Ort der Entscheidung. Eine Atmosphäre, die Eindruck macht, in der Tat. Die Nacht senkt
sich über Lissabon, die Sterne leuchten über dem Stadion. Ein kühler Wind fegt durch die Ränge, obwohl es noch August
ist. Flutlicht erhellt das Geschehen. Und endlich rollt der Ball, das Ereignis nimmt seinen Lauf! Aber ist es wirklich
ein Ereignis? Diese 22 Leute, die da unten ewig lange ständig einem Ball nachjagen, ihn von einer Ecke in die
andere treten, ist das Spannung? Keine Tore. Was passiert statt dessen? Der erste wird mit der Bare vom Spielfeld
getragen. Ist das Sport? Kein Tor in der ersten Halbzeit. Nur Verletzte. Zweite Halbzeit. Unten rollt der Ball. Darüber
die Fans. Es ist interessant, zu beobachten. Man wird den Eindruck nicht los, die Portugiesen mit ihrer im Vergleich zum spanischen Nachbarn sanfteren Mentalität verhalten sich auch hier weniger hitzig. Sprechchöre, Rauch,
Lärm, ja, aber keine Gewalt. Die wird dafür von den Spielern geliefert. Der nächste wird aus dem Feld getragen. Später
noch einer. Rote Karten massenweise. Ist das Sport? Dieses Spiel soll als besonders „fouliges“ noch in den folgenden
Tageszeitungen diskutiert werden. Zusammen mit dem unbefriedigendem Ergebnis 1:1. Auf dem Rückweg
der Verkehrskollaps schlechthin. Streß!! Chaos in der Me-tro. Unvorstellbare Überfüllung der Züge. Aber ein geradezu
vorbildliches Verhalten der Fußballgemeinde, nirgendwo sieht man Randale, Auseinandersetzungen. Fußball also
doch ein Spiegel der Mentalität? Vielleicht. In jedem Fall war dieses Massenspektakel ein interessanter Einblick, Fußballkult in Portugal! Aber es gibt noch viel mehr zu entdecken in Lissabon...

         Manuel Breuer

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Diese Seite wurde erstellt von Berenike Oesterle am 07.06.2002