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|Portuñol
6- Übersicht|
- Capital Europeia da Cultura
Lisboa 94-
Europäische Kulturhauptstadt
Nachdem die iberische Partnerhauptstadt Madrid 1992 und
das flämische Antwerpen 1993 den Titel Capital Europeia
da Cultura/Europäische Kulturhauptstadt tragendurften, war
mit Lissabon 1994 zum ersten Mal eine portugiesische Stadt an der Reihe.
Man sollte denken, daß sich die Stadt in einem solchen Jahr von
ihrer besten Seite präsentieren würde. Weit gefehlt, selbst
ein Jahr als Kulturhauptstadt ließ keine Unterbrechung der Bauarbeiten
zur Modernisierung Lissabons zu. Alle großen Plätze waren mit
Baugerüsten versehen und boten so den Touristen kein schönes
Fotomotiv: Metrobauarbeiten an der Rotunda (Praça Marquês
de Pombal), dem Cais do Sodré (Praça Duque da Terceira)
und auf dem Hauptplatz
der Stadt dem Rossio (Praça Dom Pedro IV.), Umbau des Ki-nos Eden
zu einem Hotel an der Praça dos Restauradores und Re-novation verschiedener
Flügel an dem Terreiro do Paço (Praça do Comércio).
Dazu kamen die immer noch nicht beendeten Arbeiten im Chiado zur Rekonstrukti-on
der beim großen Brand 1989 abgebrannten Gebäude. Mit der
Restauration des wichtigsten Gebäudes den ehemaligen Armazéns
do Chiado konnte wegen eines laufenden Gerichtsstreites noch überhaupt
nicht begonnen werden! Der Rossio-Bahnhof und die gesamte Linha de Sintra,
die
am stärksten frequentierte Vorortbahn der Welt, werden ebenfalls
komplett umgebaut und modernisiert. Auch in den äußeren Stadtvierteln
traf man häufig auf Bauarbeiten (Neue Straßenbahnen und Abflußkanäle
an der Aveni-da
24 de Julho, neue Ringautobahn,...).Vielleicht hätte mansich lieber
Capital Europeia das Obras Públicas/Europas
Bauhauptstadt nennen sollen. Immerhin hat man es aber geschafft,
rechtzeitig das Westportal des Klosters von Belém,
eine der Hauptattraktionen der Stadt, zu renovieren.Doch es war einiges
an kulturellen Aktivitäten geboten.
Verschiedene Expositionen lockten das Interesse zahlreicher einheimischer
und ausländischer Besucher an. Einige Beispiele aus der Vielzahl
an Ausstellungen: Unter dem Titel Anos de Ruptura Uma perspectiva
da arte portuguesa nos anos 60/Jahre des Bruches Eine Perspektive
der portugiesischen Kunst der 60erJahre wurde auf drei Ausstellungsorte
(im Palácio Galveiasam Campo Pequeno, in der Sala do Risco und
in der Galeria M-nicipal)
verteilt ein Einblick in die portugiesische Kunst der Sechziger geboten.
Die Fundação Calouste Gulbenkian präsentierte u.a.
Judeus portugueses: as descobertas e a diáspora/Portugiesische
Ju-den: die Entdeckungen und die Diaspora und eine Ausstellung über
den Maler Manuel Botelho 1990-1994. Im Museu do Chiado lief Um Pioneiro
da Fotografia
Portuguesa: Wiliam Flower und das Museu de Arte Antiga stellte As
Tentações de Bosch ou o Eterno Retorno Die Versuchungen
von Bosch oder die ewige Rück-kehr vor. Lisboa Subterrânea
-Unterirdisches Lissabon lautete
der Titel einer interessanten Ausstellung im Museu Nacional de Arqueologia,
das in einem Flügeldes Klosters von Belém untergebracht ist.
Hier versuchte man zum ersten Mal in systematischer Form, die im Untergrund
Lissabons verborgenen Schätze von der Zeitder Phönizier über
die römische,westgotische und maurische Epochen bis hin zur Moderne
zu
zeigen. Nicht weit davon entfernt präsentierte das Museu Na-cionalde
Etnologia Ausstellungen zu den Themen Fado undEscultura
Angolana Angolanische Bildhauerkunst. Das Museu Nacional
do Azulejo beschäftigte sich in A Influên-ciaOriental
na Cerâmica Portuguesa do Século XVII mit dem östlichen
Einfluß auf die portugiesische Azulejo-Kunst.
Im Museu da Cidade zeigte man die AusstellungLisboa em Movimento
Lissabonin Bewegung, die die verschiedenen Aspekte des Wachstums,
der Modernisierung undder Entwicklung, die Lissabon von 1850 bis 1920
durchmachte, zu erfassen versuchte, was auch gut gelungen ist.Musikalische
Ereignisse waren auch sehr viele geboten. Mehrere Fado-Nächte zu
The-men wie Lugares e Personagens do Fado Orte und Figuren
des Fado, Lisboa, o Tejo
e os Bairros Lissabon, der Tejo und dieStadtviertel oder
Os Grandes Fados Die großen Fados fanden statt.
Doch nicht nurFado, sondern auch Jazz konnte man genie-ßen. Erste
Adresse hier wie immer der berühmt berüchtigte
Hot Clube de Portugalan der Praça da Alegria. Der brasilianischen
Musik war u.a. das Konzert Encontro com
Vinícius Treffen mit Vinícius zur Poesievon
Vinícius de Moraes in den Stücken bra-silianischer Komponisten
wie António Car-losJobim, Chico Buarque de Holanda, Ba-den Powel
und Carlos Lira gewidmet. Höhepunkte
des Musikprogramms sollten Konzerte von Carlos Carmo und Placido Domingo
im neu renovierten Coliseu dos
Recreios sein, wobei das zweite Konzert jedoch wegen einer Erkrankung
des Künstlers auf 1995 verschoben werden muß-te.Die größte
Einzelveranstaltung im Rahmen des Programms der Kultur-hauptstadt 1994
war die VII. Biennale
junger Künstler aus den europäischen und afrikanischen Mittelmeerländern
vom 15. bis 24. November. 650 Künst-lerInnenpräsentierten ihre
Werke in 40 Ausstellungen und 70 anderen Veran-staltungen aller Art. Vertreten
waren die
Bereiche Architektur, Bildende Kunst,Zeichnung, Theater, Film, Tanz, graphisches
Design, Mode, Städtebau, Literatur
und Musik.Der deutsche Regisseur Wim Wenders, der sich schon in seinem
Film Until the End of the World Bis ans Ende der Welt
mit der Stadt Lissabon beschäftigt hat, sollte ihr einen eigenen
Film widmen, der allerdings wohl
noch nicht in die deutschen Kinos gekommen ist. Ein Schwerpunkt des Programmes
Lisboa 94 lag auf dem
siebten Hügel (A Sétima Colina). Hier wurde ein
besonderes Gewicht auf die Achse Cais do Sodré Largo do
Rato
gelegt, die ein wahres Monument der städtischen Landschaft Lissabons
ist. Diese Achse verbindet die Zone des Tejo mit
der Stadt des 17. Jahrhunderts und ist sicher eine der sehenswertesten
Teile Lissabons. Sie besteht aus 5 Straßen (Alecrim, Misericórdia,
São Pedro de Alcântara, Dom Pedro V. und Escola Politécnica)
und 7 Plätzen und umfaßt außerdem drei Parks(u.a. der
botanische Garten). Unter den architektonisch wert-vollsten Gebäuden
sind 6 Kirchen, 9 Paläste aus dem 17. Jahrhundert, das Teatro da
Trin-dade, rschiedene Universitätseinrichtungen, 8 Denkmäler,
3 Brunnen und verschiedenes mehr. Praktisch alle Bauwerke sind erst nach
dem Erdbeben von 1755 entstanden. Es
gibt aber nur fünf Gebäude, die im 20. Jahr-hundert umgebaut
oder gebaut wurden. Entlang und neben der Achse findet man vieleder berühmtesten
Restaurants (Tavares Rico), Cafés (A Brasileira do Chiado) und
Bars Lissabons.
Es finden sich in dieser Zone auch viele Galerien, Antiquariate, Buchhandlun-gen
und Teile verschiedener Universitäten.
Der Stadtteil Bairro Alto ist eines der wichtigsten Vergnügungsviertel
der Stadt, die besonders hier nie zur Ruhe kommt. Vom den Aussichtspunkten
genießt man einen wunderbaren Blick über die Stadt und den
Tejo und in den Gärten und Parks kann man sich vom hektischen Treiben
zu jeder Tages- und Nachtzeit erholen. Ziel des Programmes A Sétima
Colina im Rahmen der Kulturhauptstadt Lissabon war es, die großen
Reichtümer dieses Hügels zu erhalten und zu verbreiten, was
prächtig gelungen ist. Zum ersten Mal seit langen wurde ein Teil
der Stadt systematisch renoviert und
aufgewertet. Es wurden gut 80 Gebäude im Rahmen verschiedener Programme
einer Renovation unterzogen. Und dies ohne daß der Charakter des
Stadtteiles verfälscht oder verkitscht worden wäre. Dies ist
mit Sicherheit der Teil des Pro-grammes Lisboa 94, von dem die Stadt langfristig
am meisten profitieren wird. Hier ist dem Stadtviertel Bairro Alto,
das zu verfallen und verkommen drohte nd das viele seiner nächtlichen
Besucher an die boomende Zone der Avenida
24 de Julho abgeben mußte, neues Leben und neuer Glanz eingehaucht
worden. Ein Beispiel für andere Stadtteile
und andere Städte.Man darf gespannt sein wie sich Lissabon 1998 zur
Expo (500 Jahre Entdeckung des Seeweges
nach Indien durch Vasco da Gama) präsentieren wird. Hoffentlich mit
einem ähnlich gutem Programm und dann been-deten Metro-Bauarbeiten.
Johannes Beck

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Diese Seite wurde erstellt von Berenike
Oesterle am 07.06.2002
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