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- Guatemala -

Land zwischen Bürgerkrieg und Touristenparadies

„Die Situation der Maya-Nachfahren in Guatemala“ war der Titel des Diavortrages, den das Guatemala-Komitee
Köln organisiert hatte. Scheinbar hatten die OrganisatorInnen gar nicht mit soviel Interesse gerechnet, denn im Vor-tragsraum waren gar nicht soviele Stühle vorhanden wie es ZuschauerInnen gab. Berichtet wurde über die Projektreise einer Nürnberger Solidaritätsgruppe, die sich zum Ziel gemacht hat, die unterdrückten Indigenas Guatemalas, repräsentiert durch die guatemaltekische Bauernorganisation KUK, zu unterstützen und sich konkret an bestimmten Projekten finanziell zu beteiligen. Dazu haben sie sich vorgenommen, das Land alle zwei Jahre zu bereisen, um sich einen persönlichen Ein-druck über die geförderten Projekte und die Situation im Land machen zu können. Über die letzte Reise referierte nun eine der Teilnehmerinnen, nebenbei erwähnt, eine der vielen StudentInnen, die es mal mit RWL versucht hatten und inzwischen das Fach gewechselt haben. Dazu lieferten die Dias viele Impressionen über das Leben der Indigenas in Guatemalas Hochland. Die Gruppe besuchte nun das ihr zugeteilte Projekt eines Gesundheitspostens im Quiche-Hochland um Departamento Sacualpa nahe der gleichnamigen Hauptstadt. Die Bauernorganisation betreibt damit eine Form der
Selbsthilfe, weil in Guatemala die Indigenas von der Regierung systematisch unterdrückt werden und für die Bewohner
des Hochlands nahezu keine gesundheitliche Versorgung existiert. Die Bilder zeigten das einfache, für uns beinahe primitiv
anmutende Laben der Menschen und die Schwierigkeiten, die die Leute mit Regierung und Militär haben, die hinter
solchen Projekten Guerilla-Tätigkeit vermuten und denen die Selbsthilfe und die dadurch langsam beginnende Unab-hängigkeit der indianischen Bevölkerung nicht ins Konzept paßt. Allgenein herrscht in Guatemala zwischen den Ladinos
(Mestizen) und der indianischen Bevölkerung ein rassisti-sches Klima, die Indigenas werden von vielen Ladinos nicht
als gleichwertige Menschen betrachtet und gelten als minderwertig. So werden die Indigenas, deren Lebensunterhalt durch
den selbstständig betriebenen Anbau von Mais nicht ge-deckt werden kann, in sklavenähnlicher Arbeit auf den großen
Bananen- und Kaffeeplantagen der Großgrundbesitzer mißbraucht und mißhandelt. Zitiert wurde in diesem Zu-sammenhang sehr eindrucksvoll aus Rigoberta Menchu’s Buch „Leben in Guatemala“.
Auf dem Gesundheitsposten Sacualpas arbeitet seit kur-zem ein von einer schweizer Organisation bezahlter Arzt,der bei schwierigen Bedingungen (z.B. besitzt er kein Waschbecken) für insgesamt 14000 Leute da ist und sie behandeln kann. Damit ist in diesem Bezirk eine stark verbesserte ärztliche Versorgung gewährleistet, denn im Normalfall
kommen im Hochland Guatemalas auf einen Arzt 80000 Einwohner (zum Vergleich: in Deutschland sind es 3000).
Der Diavortrag zeigte weiterhin die Bedeutung des Sprachproblems in Guatemala auf, wo es zusammen mit
Ecuador und Peru den größten Anteil indianischer Bevöl-kerung in Lateinamerika gibt. Viele Indigenas sprechen lediglich
die indianische Sprache Quiche und kein Spanisch, dies führt im Schulwesen und beim gegenseitigen Verstehen zu gewaltigen Problemen, wenn z.B. der Lehrer nur Spanisch und der Schüler nur Quiche spricht.
Im zweiten Teil des Vortrags wurde der Besuch der Gruppe in einem Flüchtlingslager, 60 km von Huehuetenango
nahe der mexikanischen Grenze, geschildert. In diesem versuchen wiedergekehrte Flüchtlinge aus Mexiko gemeinsam ein neues Leben zu beginnen, weil ih-nen der Weg in ihr ehemaliges Heimatdorf häufig versperrt ist, ihr Land, daß sie besaßen, bereits von anderen genutzt wird. Während der schlimmsten und brutalsten Zeit der Verfolgung Anfang der achtziger Jahre, wurden von 9 Mio In-digenas 1,5 Mio vertrieben. Sie können nun durch die Demokratisierung im Lande zurückkehren und werden sogar in lächerlich geringem Maße unterstützt, so wurde die Finca, auf deren Gebiet das neue Dorf entsteht, auf Kredit der Regierung abgekauft. Doch auch das wird nur aufgrund der besseren Kontrollierbarkeit der Indigenas geschehen sein. Zum Abschluß resümierte die Vortragende, daß das Organisationstalent und die Beharrlichkeit der Leute ihr letztendlich doch Hoffnung gäben, daß es ihnen in Zukunft doch besser gehen werde.
In der anschließenden Fragerunde fiel auf, daß das Interesse der Anwesenden für Guatemala geweckt worden war,
und häufig wurde auch gefragt, wie dort die Reisebedingungen seien, ob es zu Problemen komme und wie sich die
Einheimischen den Touristen gegenüber verhalten würden. Tatsache ist, daß Guatemala ein wundervolles Reiseland ist, mit faszinierenden Naturschönheiten und kulturellen Höhepunkten wie der alten Hauptstadt Antigua oder der Maya-Stätte Tikal, der größten und für mich eindrucksvollsten ihrer Art. Hier zeigt sich der eklatante Widerspruch zwischen Tourismus und Indigena-Problematik. Guatemala ist inzwischen mit einer hervorragenden touristischen Infrastruktur versehen
und der Großteil der Touristen nimmt Probleme desLandes überhaupt nicht zur Kenntnis, kann Spanisch nicht von Quiche unterscheiden und wird seinen Freunden zu Hause anschließend erzählen, wie toll der Atitlan-See sei, wie cool die Kneipen Antiguas seien und wie billig man Meeresfrüchte und Grass an der Küste in Livingston oder Monte Rico kaufen könne. Daß die Menschenrechte in Guatemala noch in unserer Zeit mißachtet und mit Füßen getreten werden, verstehen die Verantwortlichen mit dem Heile-Welt- Tourismus zu vertuschen. Wer sich für Guatemala und seine Probleme interessiert
und mehr darüber erfahren will, kann jederzeit an den wö-chentlichen Treffen des Kölner Guatemala-Komitees jeweils
montags ab 20:00 Uhr teilnehmen. Die Gruppe hat sich vor-genommen, sich weiter mit der Flüchtlingsproblematik zu
beschäftigen, Veranstaltungen zu organisieren und strebtletztendlich eine Partnerschaft mit der Universität in Guatemala
City an.

         Andreas Färber

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Diese Seite wurde erstellt von Berenike Oesterle am 07.06.2002