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|Portuñol
6- Übersicht|
Rezension:
- Gringo Viejo -
Der Roman des mexikanischen Schriftstellers Carlos Fuentes
bietet nicht nur eine einmalige Demonstration latein-amerikanischer Literatur
und lateinamerikanischen Denkens, er bietet auch noch den direkten Vergleich
zu unserer
westlichen Denk- und Schreibweise. Drei Personen treffen sich in den Wirren
der mexikanischen Revolution. Die amerikanische Lehrerin Harriet Winslow,
die nach Mexiko kam, um die Kinder einer Großgrundbesitzerfamilie
zu unterrichten und feststellen muß, daß die Familie vor der
Revolutionsarmee geflohen ist, Tomás Arroyo,
der auf eben dieser Farm als illegitimer Sohn des Besitzers und einer
Dienstmagd aufgewachsen ist, und nun
mit dem revolutionären Heer die Farm zerstört, und der alte
Gringo, der seinen Beruf als Journalist und Schriftsteller in
den USA an den Nagel gehängt hat und nach Mexiko gekommen ist um
zu sterben. Alle drei Hauptpersonen versuchen permanent ihre eigene Vergangenheit
zu bewältigen, und instrumentalisieren hierfür die jeweils beiden
anderen. Es entwickelt sich ein dichtes Netz von persönlichen Beziehungen
und Herausforderungen, die die Ähnlichkeit der drei Lebenssituationen
ebenso deutlich macht, wie es die Verschiedenheit ihrer Kulturen und die
inneren und äußeren Grenzen zwischen ihnen sichtbar werden
läßt. So geht es denn auch hauptsächlich immer wieder
um eine Sache: Grenzen. Grenzen zwischen den Ländern USA und Mexiko,
Grenzen zwischen den Kulturen, Grenzen zwischen den Personen und Persönlichkeiten.
Und doch erscheinen uns die drei Hauptpersonen als zusammengehörig,
fast wie eine Familie, aufs engste miteinander verbunden, trotz oder vielleicht
gerade wegen ihrer so verschiedenen Charaktere und Hintergründe.
Die Thematik der Genzen und deren Überschreitung bzw. des Scheiterns
an Ihnen wird in gewisser Weise auch in der
Form umgesetzt: Lange Sätze ohne rechtes Ende sind häufig, der
Doppelpunkt ersetzt des öfteren den Punkt, und sym-bolisiert damit
die Durchlässigkeit bestimmter Grenzen, bzw. deren Starre. Insgesamt
liegt diesem Buch ein höchst interessantes Konzept zugrunde und ist
sowohl thematisch als auch stilistisch als Leckerbissen der lateinamerikanischen
Literatur zu bezeichnen. Desweiteren eignet sich der Autor Carlos Fuentes
auch hervorragend als Thema für etwaige Seminare und vor allem Zwischenprüfungen,
denn erstens ist er einer der, wenn nicht der wichtigste mexikanische
Autor
überhaupt, zweitens existiert eine Unmenge an Sekundärliteratur
über sein Werk, das übrigens z.T. auch im romanischen
Seminar präsent ist. Interessant ist die eingehende Lektüre
der Werke Carlos Fuentes allemal, denn als Jurist
und Journalist, der schon mehrere diplomatische Ämter seines Heimatlandes
innehatte bevor er sich vollständig derLiteratur widmete und an vielen
der renommiertesten Universitäten der USA und Großbritanniens
lehrte, ist er ein
wichtiger Zeitzeuge der lateinamerikanischen Gegenwart und bringt sein
Insiderwissen sehr interessant an den Leser.
Dirk Heinen
Carlos Fuentes: Gringo Viejo; Fondo de Cultura Económica
S.A. de C.V., 1985, Deutsche Übersetzung von Marianne
Bamberg erschienen bei Rowohlt unter dem Titel Der
alte Gringo.
Preis der deutschen Ausgabe: 7,80 DM

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Diese Seite wurde erstellt von Berenike
Oesterle am 08.06.2002
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