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|Portuñol
6- Übersicht|
Rezension:
- Revolution der Form -
In dem Jahr damals trugen sie noch kurze Hosen, wir
rauchten noch nicht, unter allen Sportarten zogen sie Fußball vor
und wir lernten gerade Wellenreiten, vom zweiten Sprungbrett des >Terrazas<
ins Wasser hechten, und sie
waren ungezogen, bartlos, wißbegierig, sehr behende, gefräßig.
In dem Jahr damals, als Cuéllar ins Colegio Champagnat
eintrat. Der vielversprechende Anfang dieses kleinen Heftchens übertreibt
nicht, hier wird nicht Literatur geschrieben, hier
wird Form zelebriert. Doch zuerst zum Plot: Junge wird in der Schule von
einer Dogge kastriert, kann sein Defizit zunächst
durch sportliche Leistungen kompensieren, scheitert jedoch kläglich
an seiner Pubertät und vor allem an der Gesellschaft um ihn herum,
die nicht fähig ist, ihn in sich einzugliedern. Schauplatz ist Miraflores,
ein gutbürgerli-cher Vorort von Lima, in dem die wohlbehütete
und recht verzogene Jugend so richtig ihrem pubertären Machismo frönen
kann, der gleichzeitig Crux und Kompensation der Hauptfigur ist. In dem
Buch Die jungen Hunde, Schwanz Cuéllar von Mario Vargas
Llosa wird exzellent ein Lebenslauf geschildert, der mehrere Personen
gleichzeitig umfaßt. Das Leben der Gruppe um Schwanz Cuéllar
wird von der frühen Jugend bis ins mittlere Alter verfolgt und exemplarisch
in seine Phasen von der Jugend über die Pubertät bis über
die einsetzende Midlife-Crisis hinaus eingeteilt. Dreh- und Angelpunkt
ist jedoch das Schicksal von Cuéllar, Spitzname Schwanz, der der
wichtigsten Eigenschaft seines Jungendaseins, seiner Männlichkeit,
beraubt ist. Nicht nur die al-lein auf den ersten Blick oberflächliche
Psychologie in Vargas Llosas nur knapp sechzig Seiten umfassendem
Werk fasziniert nach ein paar Leseseiten, nicht nur seine exzellente Beschreibung
der bürgerlichen Mittelschicht Limas
fesselt wegen der unterschwelligen Gesellschaftskritik, das wichtigste
in diesem Büchlein ist immer die Form.
Man könnte dieses Buch als eine Etüde betiteln, in der neue
Formen der Erzählung ausgetestet werden, die Umsetzung
von multiperspektivischem Erzählen versucht wird und gleichzeitig
bis zur Meisterschaft gelangt. Hier wird gleichzeitig der aktuell lebendigen
Sprache gehuldigt, die sich in ihrer Alltäglichkeit nicht auf eine
einzige Perspektive beschränkt, und Comic-Lautmalerei in den Stil
miteingebunden. Wenn man in Betracht zieht, daß dieses revolutionär
zu nennende Formal-Experiment in eine fesselnde psychologische Studie
eingebunden ist, ohne im entferntesten künstlich oder gestellt zu
wirken, dann erkennt man daran den wirklich großen Erzähler,
der überall zu Hause ist, und sich trotz Neuerungen und Experimenten
niemals wirklich verirrt. Wer eine stringente Perspektive in der Erzählung
gewöhnt ist, der wird zunächst Schwierigkeiten haben, das Gesche-hen
in diesem Roman zu verfolgen. Hat man sich aber erst einmal eingelesen,
muß man zugeben, daß der Begriff Authentizität mit dieser
Erzählung Vargas Llosas eine neue Bedeutung innerhalb der Literatur
gewonnen hat. Von wegen, dir gefallen nur die anständigen Mädchen
nicht, sagten sie, und er als Freundinnen durchaus, und sie bloß
die Cholas, die Halbseidenen, die Gaunerinnen und, unvermittelt, fing
Schwänzchen an, dddoch gefffielen ihm
schon, die anstttändigen Mäddddchen, zu stottern, nnnnur ebebeben
dir dürre Gagagagamio nicht, sie hast schon wieder
Federn und er außeraußeraußerdem war kkkkeine Zeit wegen
der Prüfffungen und wir laßt ihn in Ruhe, kamen
ihm zu Hilfe, ihr überzeugt ihn nicht, er hatte eben seine kleinen
Geheimnisse, beeil dich Bruderherz, schau wie die
Sonne scheint, die >Herradura< glüht bestimmt, gib Gas, damit
der mächtige Ford rast.
Dirk Heinen
Mario Vargas Llosa: Die jungen Hunde; Suhrkamp Taschenbuch
1841, € 5,50 , im spanischen Original: Los Cachorros
(Pichula Cuéllar).

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Diese Seite wurde erstellt von Berenike
Oesterle am 08.06.2002
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