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- Editorial -

Im Abseits

Lateinamerika steht immer mehr im Abseits des Interesses der internationalen Öffentlichkeit. Der Subkontinent
scheint befriedet zu sein. Die Guerillakonflikte (z.B. in El Salvador, Nicaragua, etc.), die noch im letzten Jahrzehnt
die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit erregten, sind weitgehend gelöst (siehe Interview zu El Salvador).
Mit dem Fall der Berliner Mauer hat sich das kommunistische Schreckgespenst, das von den USA für Lateinamerika
immer wieder an die Wand gemalt wurde, in Luft aufgelöst. Die Welt hat sich nach 1989 in Richtung Osteuropa
und Ostasien gewandt. Besonders in Ostasien werden traumhafte Wirtschaftswachstumsraten erreicht, aber auch
in Iberoamerika bahnt sich ein Aufschwung an. In Lateinamerika erzielen lediglich größere Unruhen und Konflikte, wie die Flüchtlingswelle aus Cuba oder die US-Invasion in Haiti, das Interesse der internationalen Medien. Dieses Interesse bleibt jedoch weitgehend oberflächlich und hinterfragt nicht die tieferen Ursachen dieser Konflikte, was zu deren wirklichen Verständnis aber unbedingt erforderlich ist. Ebenso im Abseits standen dieses Jahr 82,04% der Studierenden,
als es darum ging, ihre InteressenvertreterInnen für die Fakultätsvertretungen und das StudentInnenparlament
zu wählen (siehe auch Wahlergebnisse). Wie sollen denn die Studierendenanliegen wirksam von den Abgeordneten,
egal welcher politischer Couleur, vertreten werden, wenn sich nicht einmal 20% der Studierenden dazu aufraffen
können, sich 5 Minuten Zeit zu nehmen und zu wählen??? Und dies in Zeiten, in denen immer wieder über die Einführung
von Studiengebühren – teilweise werden mehrere tausend Mark pro Semester diskutiert – und anderer Scheußlichkeiten wie Zwangsexmatrikulationen gesprochen wird! Mit welcher Berechtigung können wir FachschafterInnen denn eine gleichberechtigte Mitwirkung an der Reform der Diplomprüfungs- und Studienordnungen fordern, wenn die
Wahlbeteiligung so gering ist? Abseits müssen wir Studenten auch weitgehend bei der Umsetzung der Vorgaben der Eckdatenverordnung stehen. Wir können zwar versuchen, unsere und Eure Vorstellungen (siehe Umfrage und Studienreformvorschlag) in den Reformprozess einzubringen, aber durchsetzen können wir bei den jetzigen Mehrheitsverhältnissen (absolute Mehrheiten der Professoren in allen Gremien) rein gar nichts. So können wir nur auf das Wohlwollen der Professoren hoffen.
Traurig aber wahr.

         Johannes Beck

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Diese Seite wurde erstellt von Berenike Oesterle am 07.06.2002