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- RWL-LOBBY ? -
Zu dem nachstehenden Brief
Auf dem Studierenden-DozentInnen-Treffen haben wir es ja
gesehen. 1 Professor und 5 weitereLehrende haben sich zu uns gewagt, von
denen wir schon vorher wußten, daß sie sich für uns undfür
unseren Studiengang interessierten. Unserer Frust über das Fehlen
lateinamerikanischer Studieninhalte hätte eher denen gelten sollen,
die sich nicht für uns interessieren. Wesentliche Voraussetzung für
die Lösung unserer Probleme wäre die Gründung eines eigenen
Instituts oder
zumindest die Einführung von Lateinamerikabezogenen Lehrstühlen
insbesonders im Bereich Politik und Volkswirtschaftslehre. Unser Problem
ist, daß wir bisher keine Lobby haben. Weder Politik noch Wirtschaft,
auch nicht die Wissenschaft interessieren sich für uns. Auf der Suche
nach Menschen, die sich für uns einsetzen könnten, sind wir
auf die Abgeordnetengruppe Deutschland-Lateinamerika gestoßen, der
wir dann den folgenden Brief geschickt haben:
Brief an die Arbeitsgruppe Deutschland-Lateinamerika
im
deutschen Bundestag
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich richte mich an Sie in meiner Eigenschaft als Fachschaftsvertreter
des Studiengangs Regionalwissenschaften/Lateinamerika der Universität
zu Köln. Dieser Studiengang, der an unserer Universität seit
9 Semestern existiert, umfaßt die Fachbereiche Volkswirtschaftslehre,
Politikwissenschaften, neuere/iberische-lateinamerikanische Geschichte
und romanische Philologie. Er ist seiner Idee nach interdisziplinär
ausgerichtet, um den weltweiten Veränderungen hin in Richtung einer
sich immer weiter internationalisierenden Staatengemeinschaft
Rechnung zu tragen. Die Interdisziplinarität ist heute nicht nur
in der Entwicklungshilfe ein Postulat, sondern wird bald auch aus anderen
Gebieten wie Wirtschaft und Politik allgemein oder auch aus der kulturellen
Zusammenarbeit der
Staaten nicht mehr wegzudenken sein. Wir sind der Auffassung, daß
die Außerachtlassung politischer sowie ökonomischer Kenntnisse
bei kultureller Arbeit nicht vertretbar ist, ebenso wenig wie auch im
umgekehrten Fall.
Diese Auffassung wird nicht nur durch die große Resonanz auf studentischer
Seite sondern auch durch die Reaktion der Wirtschaft auf das Bestehen
eines Studienganges dieser Orientierung deutschenbestätigt. So haben
sich auf eine Umfrage des Dekanats der philosophischen Fakultät und
des finanzwissenschaftlichen Seminars unserer Universität bei Wirtschaftsunternehmen
und IHK spontan über 100 Betriebe bereit erklärt, Praktikaplätze
für unseren Studiengang zur
Verfügung zu stellen. Die Einführung des Studienganges wurde
seinerzeit unter der Auflage genehmigt den Kurs
mit den bestehenden Strukturen und finanziellen Möglichkeiten zu
realisieren, was bei geringen Studentenzahlen auch keine schwerwiegenden
Probleme aufwarf. Er wurde nach dem Baukastenprinzip organisiert, d.h.
wir studieren
unsere Fächer jeweils an den jeweiligen Seminaren - Geschichte, Politik,
VWL und Romanistik - ohne eigene Professur oder ein übergeordnetes
Institut. Die oben erwähnte Resonanz des Kurses auf Seiten der Studentenschaft
führte jedoch dazu, daß nun schon ca. 1000 Studenten hierfür
eingeschrieben sind und somit die Nachfrage in den einzelnen Fachbereichen
in keiner Weise durch das Studienangebot reflektiert wird. Die personelle
und materielle Ausstattung unseres Studienganges läßt mehr
als zu wünschen übrig und macht ein effizientes Studium de facto
unmöglich. So stellt dieser Studiengang beispielsweise 30% der Politikstudenten
und 50%der Studienanfänger in diesem Fach, ein auf
Lateinamerika ausgerichtetes Lehrangebot existiert jedoch überhaupt
nicht. Literatur wird nicht angeschafft, der Studiengang wird praktisch
nicht zur Kenntnis genommen. Bei einer kürzlichen Berufung dreier
neuer Professoren
wurden die Regionalwissenschaftler ebenso wenig berücksichtigt. Hieraus
läßt sich ableiten, daß unser Studium
eine Frage des Prestiges der Universität Köln ist, und kein
wirkliches Interesse an einem interdisziplinären Studiengang über
Latein-amerika seitens der Uni besteht. Dagegen wurde z.B. für den
zeitlich parallel eingerichteten
Studiengang Regionalwissenschaften China sogar ein Institut Moderne
Chinastudien sowie drei neue Lehrstühle geschaffen. Die Interdisziplinarität
unseres Studiums ist schon allein wegen des o.g. Baukastenprinzips,
welches eine Verbindung zwischen den einzelnen Fachbereichen nicht zuläßt,
nicht erreichbar. Abhilfe könnte nur ein koordinierend wirkendes
eigenes Institut für diesen Studiengang schaffen, an dem aber die
Universität kein Interesse zu
haben scheint, und das das Wissenschaftsministerium nicht finanzieren
will. Wir bitten Sie daher um Unterstützung in
Sachen Öffentlichkeitsarbeit bezüglich unseres Studienganges
und um Einflußnahme an den entsprechenden Stellen. Die Verwirklichung
der Ziele unseres Studiums ist nur möglich durch die Schaffung eines
eigenen Instituts, welches unser
Baukastenprinzip ersetzt und durch zusätzliche Gelder für Professuren/
Dozenten und weitere fachspezifische Lehrmittel, die möglichst einem
solchen zu schaffenden Institut unterstellt sein sollten. Die offensichtliche
Wichtigkeit eines solchen
Studienganges, die durch die parallele Entstehung ähnlicher Kurse
z.B. in Tübingen, Berlin, Münster, Hamburg etc. bestätigt
wird, ist leider von den entscheidenden Stellen noch nicht erkannt worden.
In einer Welt der wegfallenden
Grenzen und des wachsenden Austausches auf allen Gebieten sind qualifizierte
Akademiker mit Kenntnissen verschiedener gesellschaftlicher Bereiche in
jeder Beziehung unverzichtbar, sei es im politischen, kulturellen oder
wirtschaftlichen
Bereich. Hierfür müssen aber Bedingungengeschaffen werden, die
über Prestigestudiengänge und Scheinbekenntnisse hinausgehen.
Wir bitten Sie daher, unsere Interessen gegenüber dem Ministerium
für Wissenschaft und Forschung des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen
zu unterstützen und sich für unsere Ziele einzusetzen. Die Existenz
Ihrer
Abgeordnetengruppe zeigt, daß die Relevanz der Region Lateinamerika
erkannt wurde; wir hoffen daher daß Sie sich mit uns solidarisieren
um diesen zukunftsweisenden Ansatz für eine Welt der sich ausweitenden
internationalen Beziehungen
verwirklichen zu können. Desweiteren noch zwei Anliegen, Ihre Arbeit
betreffend. Da hier wenige Informationen über
Ihre Gruppe zur Verfügung stehen, wären wir Ihnen dankbar über
einige Erläuterungen hinsichtlich der Zusammensetzung und Ziel-setzung,
der Arbeit und konkreten Projekte Ihrer Gruppe.
Weiterhin sind wir daran interessiert zu erfahren, ob evtl. eine Zusammenarbeit
Ihrerseits mit der Universität Köln oder der Studentenschaft
unseres Studienganges möglich wäre, z.B. in Form von Ringvorlesungen
und/oder Dis- kussionsveranstaltungen zu Thema Lateinamerika oder einzelner
lateinamerikanischer Staaten. Ihre Kompetenz und Ihr Sachwissen sind sicherlich
eine Bereicherung unseres Studiums hinsichtlich der Interdisziplinarität
und der Bandbreite der
Informationen. Ähnliche Veranstaltungen hat es bisher nur in Bezug
auf Brasilien gegeben, organisiert vom Privatinstitut Zentrum Portugiesischsprachige
Welt, welches an die Universität Köln angegliedert ist.
Eine ähnliche Veranstaltung
bezogen auf den ganzen lateinamerikanischen Raum unter Ihrer Teilnahme
könnte eine willkommene Ergänzung zu unserem Studienalltag darstellen.
Ich bedanke mich im Namen der Fachschaft und der Studentenschaft des Studienganges
Regionalwissenschaften/Lateinamerika recht herzlich für Ihre Bemühungen
und würde mich freuen, von Ihnen zu hören.
Hochachtungsvoll
dh

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Diese Seite wurde erstellt von Berenike
Oesterle am 07.06.2002
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