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Timor Lorosae:

- Geht die goldene Sonne wieder auf? -

7. Dezember 1975, wenige Stunden nachdem US-Präsident Gerald Ford und Außenminister Henry Kissinger Jakarta verlassen hatten, begann die indonesische Invasion Osttimors. Am Vortag hatte Kissinger deutlich gesagt: „Die Vereinigten Staaten werden die von der Fretilin ausgerufene Republik nicht anerkennen. Sie verstehen die Position Indonesiens in dieser Frage.“ – Somit begann die indonesische Schreckensherrschaft auf der östlichen Hälfte der Insel Timor. Die westliche Welt hatte Angst vor einem zweiten Kuba.

Als „27. Provinz“ wurde die ehemalige portugiesische Kolonie Indonesien einverleibt. Nun, nach 24 Jahren, blickt Osttimor der Unabhängigkeit entgegen. Die indonesichen Truppen haben sich zurückgezogen, die pro-indonesischen Milizen sind weitgehend entwaffnet. Mit der Ankunft der UN-Truppen kehrte allmählich wieder Normalität in den Städten der Inselhälfte ein. Eine Normalität, die 24 Jahre auf sich warten ließ.

Menschenrechtsverletzungen

Die nach außen propagierte Integration Osttimors hat es nur in den Wünschen der indonesischen Staatsspitze gegeben. 24 Jahre lang versuchte Indonesien, die Unabhängigkeitsbestrebungen der Timorenser mit Gewalt zu unterdrücken. Bis 1992 das Santa-Cruz-Massaker zufällig von einem englischen Journalisten gefilmt wurde und die Aufnahmen die eklatanten Menschenrechtsverletzungen in Osttimor dokumentierten, waren auch die westlichen Medien eher geneigt, den offiziellen indonesischen Schilderungen glauben zu schenken. Doch als die Welt sah, wie das indonesische Militär aus einem Hinterhalt heraus das Feuer auf einen Leichenzug eröffnete, änderte sich dies. 273 Tote, 255 Verschwundene und 376 Verletzte waren das Ergebnis.

Doch indonesiens Krieg gegen die osttimorensische Bevölkerung nahm noch andere Züge an. So wurden 1987/88 in nahezu allen Schulen Osttimors 13jährige Mädchen „geimpft“. Ein Arzt fand heraus, daß den Mädchen ein empfängnisverhütendes Mittel gespritzt wurde. Frauen wurden nach Geburten sterilisiert.

Bis 1978 töteten die Indonesischen Besatzer etwa 100 000 Timorenser, darunter fast die ganze Führungsriege der Fretilin, der führenden Kraft des Widerstands. Zu dieser Zeit begann Kay Rala Xanana Gusmão die versprengten Verbände wieder zusammenzuführen und den bewaffneten Widerstand wieder aufzunehmen. Doch Xanana Gusmão suchte immer den Dialog mit Indonesien. Für ihn war der Krieg die schlechteste Möglichkeit des Widerstands. So verlagerten sich die Aktivitäten der jüngeren Timorenser, die schon während der indonesischen Herrschaft geboren wurden auch auf eine friedliche Form des Protests, der nach dem Machtwechsel in Jakarta Früchte trug.

Das Referendum

Am 30. August 1999 wurde unter Aufsicht der UN ein Referendum über die Unabhängigkeit Osttimors durchgeführt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten nur Australien und wenige asiatische Staaten die Annexion anerkannt. Offiziell standen die Vereinten Nationen auf dem Standpunkt, daß Osttimor noch unter portugiesischer Verwaltung stand.
Die Timorenser entschieden sich mit 78,5 Prozent für die Unabhängigkeit. Bis zu demokratischen Parlamentswahlen sorgen UN-Truppen für Recht und Ordnung auf der Inselhälfte.

Später Frieden – warum?

Angesichts der wirtschaftlichen Situation Osttimors stellt sich die Frage, warum Indonesien so lange auf der Annexion beharrte?

Zum einen hätte die Indonesische Führung ihr Gesicht verloren, wenn sie die Niederlage gegen die timorensische Unabhängigkeitsbewegung eingestanden hätte, was dem Ansehen Indonesiens in Asien sehr geschadet hätte. Ein Großteil des indonesischen Volkes lastet den Verlust der Provinz Osttimor Habibie an.

Zum anderen gibt es vor der Küste Osttimors große Erdgasvorkommen, die ebensogroße Gewinne zu versprechen scheinen.

Letztere sind wohl auch der Grund für Austarliens Anerkennung der Annexion. Ebenso erklärt dies den plötzlichen U-turn der Australier, nachdem das Ergebnis des Referendums publik wurde. Noch kurz vor der Abstimmung empfahl der Premier Howard den Timorensern, sich für die Autonomie (im Rahmen des Indonesischen Staates) zu entscheiden, doch plötzlich gab es nichts wichtigeres, als als Kopf der UN-Friedenstruppen die Unabhängigkeit Osttimors zu sichern.
Ein weiterer Punkt ist die Macht und die Verflechtung der indonesischen Militärs mit der osttimorensischen Wirtschaft. Fast alle lukrativen Unternehemen in Osttimor sind in Besitz hoher indonesischer Offiziere. Dies ist ein Grund für das oftmals harte Auftreten des an sich recht liberalen Generals Wiranto, ehemaliger Außenminister und amtierender Vize-Präsident Indonesiens.

Wiranto war schon in der Regierungszeit Jusuf Habibies der eigentlich starke Mann im Staat. Ohne sein Einverständnis konnte Habibie nicht regieren.

Timor Lorosae

Zum Jahreswechsel erblickte Timor Lorosae als jüngste Nation das Licht der Welt. Ob der Staat die goldene Sonne, die in seinem Namen beschworen wird, finden wird, steht noch in den Sternen. Doch aus dem Guerrilla-Führer Xanana Gusmão ist ein Staatsmann geworden, der alle Fronten zu einen können scheint.

Martin Heiden

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Diese Seite wurde erstellt von Martin Heiden am 21.02.2000