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Agrarreform im brasilianischen Nordosten

- Land für alle in Ceará? -

„Brasilien hat sich in den letzten Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg zu einem bedeutenden Industrieland entwickelt, es ist aber gleichzeitig ein bedeutendes Agrarland geblieben“, schreibt Prof. Dr. Manfred Feldsieper im Vorwort zu Philipp Hartmanns Diplomarbeit „Agrarreform im brasilianischen Bundesstaat Ceará – Ökonomische Analyse und Bewertung“, die im Tectum Verlag erschienen ist.

Brasilien sei, so Feldsieper, eines der Länder in denen die Einkommensverteilung am ungleichmäßigsten sei. Um dies zu ändern hat es in ganz Brasilien verschiedene Ansätze gegeben, eine Landreform durchzuführen. Hartmann untersucht in seiner Arbeit die Versuche, die im Bundesstaat Ceará gemacht wurden.

Das Buch ist stringent in drei Teile gegliedert: Theorie, Empirie und Analyse. Der Theoretische Teil legt die distributive und allokative Wirkung, dynamische Effekte und Auswirkungen auf die Beschäftigungssituation von Agrarreformen dar. Weiter untersucht Hartmann kurz die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen. Die wichtigsten ökonomischen Ziele seien Ausweitung der Produktion und dadurch Steigerung des Einkommens. So sollen Landflucht und Armut eingedämmt werden

Im zweiten Teil schildert der Autor die Situation in Ceará. Es werden verschiedene Ansätze und Projekte vorgestellt. In Ceará gebe es zum einen viele kleine Betriebe mit viel zu wenig Land, um produktiv bewirtschaftet zu werden. Zum anderen gebe es viel ungenutzte Fläche.

Die Analyse zeigt große Probleme auf. Die Reformen hätten zwar die Einkommen der Familien erhöht, doch sie lägen immer noch nahe an der Armutsgrenze. Weiter sei der Gesamtumfang der Reformmaßnahmen noch sehr gering. Es gebe vor allem Defizite bei der Vergabe von Krediten und häufig fehlte die technische Beratung.

Die im Titel angekündigte ökonomische Bewertung konnte allerdings nur teilweise durchgeführt werden. Hartmann beschränkt sich hauptsächlich auf die Mikroebene, da zu wenig Daten vorlagen, um eindeutig belegte Aussagen über die makroökonomischen Auswirkungen der Agrarreform in Ceará zu machen.

Diese mikroökonomischen Analyse basiert auf verschiedenen Fallbeispielen. Doch auch hier fehlten dem Autor wichtige Daten wie das Einkommen der Bauern vor der Ansiedlung in den assentamentos. Doch es gelingt ihm trotzdem die Probleme der Landreformmaßnahmen glaubhaft herauszustellen.

Mikro-Analyse

Hartmann verteidigt die Idee der Agrarreform, fordert aber eine bessere Unterstützung der Bauern. Denn solange die mit der Landumverteilung einhergehenden Maßnahmen nicht weiter ausgebaut würden, könne man wie die Kritiker der Reformen von einer Não-Reforma Agrária sprechen.

Die Arbeit ist eine gelungene Analyse der Versuche im Bundesstaat Ceará Agrarreformen durchzuführen. Leider fehlen aussagekräftige makroökonomische Folgerungen, die das Werk für den europäischen Leser interessanter gemacht hätten. Doch die Lektüre lohnt sich für jeden, der sich für Ceará und die mikroökonomische Ebene von Agrarreformen interessiert.

Martin Heiden

Philipp Hartmann: Agrarreform im brasilianischen Bundesstaat Ceará, Tectum Verlag, Marburg 1999, 118 Seiten, 49,80 DM, ISBN 3-8288-9037-7

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Diese Seite wurde erstellt von Martin Heiden am 21.02.2000