|Portuñol 16 - Übersicht|

Indien:

- Portugiesischer Einfluss in Kerala -

Als Vasco da Gama 1498 in der Nähe von Kalikut (heute: Kozhikode) an der westindischen Malabarküste landete, war die Stadt unter der Herrschaft des Königs von Vijayanagar, der sein Imperium von der einige tausend Kilometer weiter nördlich gelegenen Stadt Hampi aus regierte. Der Wohlstand Kalikuts beruhte auf dem Seehandel, den der Herrscher über die Stadt, der Zamorin von Kalikut, mit den Arabern betrieb.

Die Portugiesen wussten den Wettstreit des Zamorin mit einem weiteren lokalen Herrscher, dem Raja von Kochin, für sich zu nutzen, und bei militärischen Auseinandersetzungen schreckten sie vor keiner Grausamkeit zurück und nahmen keine Gefangenen. Nach einer Reihe blutiger Schlachten erhielten sie die Erlaubnis, von Kochin aus Handel zu treiben.
Bald darauf verfügten die Portugiesen über das Gewürzmonopol im indischen Ozean. Wie schon an der afrikanischen Küste wurden Forts zum Schutz der Handelsrouten errichtetet.

Um 1503 bauten die Portugiesen ein Fort auf dem Gebiet der heutigen Millionenstadt Kochin und ein weiteres auf der vorgelagerten Halbinsel Vypeen Island. Beide sind heute Ruinen und man kann zum Teil Kanonenkugeln in den Mauern sehen. Trotz aller Grausamkeiten die der portugiesische Admiral befahl, ist der Platz in Kochin, an dem der Seefahrer zuerst landete, nach ihm benannt: Vasco da Gama Square.

Hier bauten die Portugiesen zunächst aus Holz die Kirche Santo António, die mit der holländischen Übernahme der Herrschaft über Kochin ihren Namen änderte und heute St. Francis Church heißt, und die Santa Cruz Kathedrale. Von den anderen portugiesischen Handelsposten an der Malabarküste sind kaum Spuren geblieben.

Geblieben sind der Einfluss portugiesischer Architektur, sowie große christliche Gemeinden an der Küste Keralas, wo die hinduistische, muslimische und christliche Bevölkerung friedlicher zusammenleben als in anderen Landesteilen Indiens. Einige Worte in der Sprache Keralas erinnern an die Zeit der Portugiesen an der Malabarküste. In Malayalam gehen die Worte Tisch, Stuhl und Schlüssel auf das Portugiesische zurück: mesa, kasera, chave.

Steffen Trede


|Portuñol 16 - Übersicht|


Diese Seite wurde erstellt von Martin Heiden am 21.02.2000