- Brasilien erleben -Fünfwöchiges internationales Studienprogramm bietet Zugang zu brasilianischer Realität. Brasilien erforschen - schon der Titel macht deutlich, dass dieses Programm viel mehr als nur eine Sprachkurs bieten möchte. Einen Einblick in die fremde Kultur gewinnen, miteinander leben und voneinander lernen, kurz und gut: ein Fenster für die brasilianische Realität öffnen. Während eines Aufenthaltes von 5 Wochen in Recife/Pernambuco im Nordosten Brasiliens soll ein Panorama der Perspektiven, Potentiatiale und Probleme dieses größten und faszinierendsten Landes Lateinamerikas vermittelt werden - soweit das Faltblatt der Veranstalter. Neben der bei vergleichbaren Aufenthalten schon fast obligatorischen Unterkunft in Gastfamilien und einem Portugiesischkurs wahlweise für Anfänger oder Fortgeschrittene liegt die Stärke des Programms eindeutig in der breiten Kooperation, die für das landeskundliche Rahmenprogramm gewonnen werden konnte. Zunächst etwas verwirrend, schält sich doch bald heraus, wer überhaupt hinter diesem internationalen Studienprogramm steht. Zwar ist das Centro Cultural Brasil-Alemanha (CCBA), welches unter anderem Räumlichkeiten und Infrastruktur der Sprachkurse zur Verfügung stellt und überhaupt als Koordinations- und Schaltstelle funktioniert, für einen Großteil der Durchführung verantwortlich, doch ist es eigentlich das Instituto Georg Marcgrave (IGM), was die Inhalte des landeskundlichen Rahmenprogramms gestaltet. Dieses noch relativ junge Institut, benannt nach dem deutschen Naturwissenschaftler und Kartographen Marcgrave, der zu Zeiten der holländischen Okkupation Pernambucos unter Moritz von Nassau weitreichende Forsachungsreisen unternahm, ist ein Zusammenschluss engagierter Personen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, den wissenschaftlichen Austausch zwischen Brasilien und Deutschland zu fördern. Zu diesem Zwecke wurde schon ein internationales Symposium über Georg Marcgrave veranstaltet - und nun das Programm Brasilien erforschen aus dem Wasser gehoben. Die Schwerpunkte des landeskundlichen Teils werden so zum grossen Teil durch die Tätigkeiten der Mitglieder des IGM bestimmt - das Programm lebt von der Vielfalt der Einblicke, die den Teilnehmenden in die unterschiedlichsten Bereiche, Projekte und Institutionen gewährt werden - und die dem Individualreisenden so schwer zugänglich sind. Neben Hospitationen in öffentlichen Schulen und sozialen Projekten steht so z.B. auch eine Exkursion mit der CHESF (Companhia Hidroelétrica do Rio São Francisco), einem der traditionellsten (noch) Staatsunternehmen im Kampf gegen die Trockenperioden im Sertão, in die Staudammregion um Paulo Afonso und deren Versuche von Projekten regionaler Entwicklung auf dem Programm. Überhaupt beschränkt sich die Reichweite der Aktivitäten nicht nur auf die Stadt Recife, sondern umfasst die gesamte Área Metropolitana sowie einen guten Teil des Küstenregion Pernambucos. Curso de EstensãoOffiziell ist Brasilien erforschen als Curso de Extensão der Universidade Federal de Pernambuco (UFPE) registriert - die Prodekanin der Philosophischen Fakultät Prof. Edvânia Torres ist Mitglied des IGM und hat lange in Deutschland studiert. Dieser Kontakt macht es möglich, dass viele der Themenbereiche des Rahmenprogramms von UniversitätsprofessorInnen bestritten werden. Dazu gehören Vorträge zu Geschichte, Geographie, Soziologie, Politik und Wirtschaft des Nordostens und insbesondere Pernambucos, beeinhaltet aber auch, dass die Teilnehmenden in der Fakultätsbibliothek eingeschrieben sind und so die Infrastruktur der Uni nutzen können. Dabei ist Brasilien erforschen durchaus nicht nur für Studierende gedacht. Im Herbst 1999, Zeitpunkt des allerersten Durchlaufs überhaupt, befanden sich in einer Gruppe von sieben Personen drei Studierende. Wenn auch die unterschiedlichen Blickwinkel, Vor- und Sprachkenntnisse manchmal die vollständige Befriedigung der Erwartungen aller Beteiligten erschwert haben mag, so ist doch gerade eine solche Heterogeneität auch eine bereichernde Erfahrung. Andrea, Sozialarbeiterin, sieht dies als einen der positiven Punkte des Programms: Witzig war vor allem, dass so viele verschiedene Leute daran teilgenommen haben. Erwähnenswert ist ausserdem die Flexibilität, die Brasilien erforschen im Gegensatz zu eingespielten Programmen grösserer Organisationen kennzeichnet. Sollte dies auch manches Mal als leicht chaotisch wahrgenommen worden sein, so ist die ständige Restrukturierung des Ablaufs, erleichert durch wöchentliche Evaluierungen, als Pluspunkt zu werten. Einerseits ist es so möglich, das Programm schon im Vorfeld mit Blick auf die Interessenschwerpunkte der Teilnehmenden zu gestalten, anderseits bleibt genug Spielraum, den zeitlichen Ablauf zu verändern und beispielsweise auch mal einen freien Tag in das doch recht vollgepackte Programm einzuschieben. Und das Fazit? Vor allem als Einstieg für einen längeren Aufenthalt in Brasilien ist dieses Programm gut geeignet. Der einzige gravierende Nachteil, der Preis, wird so relativiert. Wird z.B. im Anschluss ein mindestens drei Monate langes Praktikum abgeleistet, können sich RWLer für das Kurzstipendium des DAAD für auslandsbezogene Studiengänge bewerben, welches neben einer Flugkostenerstattung auch eine monatliche Unterstützung während des Praktikums beeinhaltet. Zumindest bietet Brasilien erforschen die Möglichkeit, viele interessante Kontakte zu knüpfen, die auch über die Dauer der fünf Wochen hinausreichen. Und wer weiß - vielleicht ist für das Jahr 2000 ja ein DAAD-Zuschuss des gesamten Programms in Sicht? Ulrike Bock Diese Seite wurde erstellt von Martin Heiden am 21.02.2000 |