daskinopedroalmodóvars- ellaberintodepasiones -Von Oktober bis Dezember zeigte das Broadway in Zusammenarbeit mit der spanischen Botschaft eine Retrospektive des cineastischen Werks von Pedro Almodóvar. Grund genug, das Schaffen des Königs des Kitsch näher zu betrachten. Mit 16 Jahren zog Pedro Almodóvar aus der Extremadura nach Madrid. Er hatte damals nur ein Ziel vor Augen: Er wollte Filmkunst studieren und Filme machen. Doch Franco hatte gerade die offizielle Schule geschlossen. So beschloß Almodóvar damit zu beginnen die grundlegenden Prinzipien zu studieren und widmete sich dem Leben, so ein Biograph. Als Verwaltungsangestellter arbeitete er bei der staatlichen Telefongesellschaft. Trotz der Diktatur war Madrid für ihn ein Platz der Kultur und der Freiheit. Tagsüber arbeitete er und studierte die spanische Mittelschicht. Abends spielte er Theater und drehte seine ersten Kurzfilme im 8mm-Format, weiter schrieb er Kurzgeschichten und spielte in der Punk-Rockband Almodóvar y McNamara. Nach anderthalb Jahren waghalsigen Drehens hatte nach dem Sturz der Diktatur 1980 sein erster abendfüllender Spielfilm Premiere: Pepi, Lucy, Bom y otras chicas del montón. Doch worin besteht die Faszination in den Filmen Pedro Almodóvars. Die Geschichte rankt sich immer um wenige Hauptdarsteller und eine überschaubare Anzahl von Nebenfiguren, die aber alle auf mehr oder weniger außergewöhnliche Art miteinander verknüpft sind. So ist beispielsweise das Model Eva in Matador einerseits die Freundin des Stierkampflehrers und die Nachbarin von Angel, der Hauptfigur. Diese Verknüpfungen sind Grundlage für weitere teils absurd wirkende Entwicklungen, die in ein Happy-End münden. Betrachtet man das Gesamtwerk des Spaniers, so fallen bestimmte wiederkehrende Ideen auf. So kommen in den Filmen ¿Qué he hecho yo para merecer esto? und Matador von 1984 und 86 übersinnliche Fähigkeiten vor. In Mujeres al borde de un ataque de nervios (1988) und Laberinto de pasiones (1982) tauchen islamische Extremisten auf. In neuerer Zeit scheint ihn der Gedanke der Transplantation zu beschäftigen: Sowohl in La flor de mi secreto (1995) als auch in seinem neuesten Film Todo sobre mi madre wird dieses Thema angesprochen. Hauptthema sind aber immer die Beziehungen zwischen den Charaktären. Beziehungen die zwischen Liebe, Verlangen, Lust, Freundschaft und Hass liegen. Dabei spielt die Sexualität in allen ihren schillernden Formen immer eine wichtige Rolle. Ob Transsexualität oder Homosexualtiät, Almodóvar läßt seine Figuren ihre Triebe ausleben. Wie er es selbst auch macht. Der Geschlechtsakt an sich spiegelt zwei seiner Komponenten wieder: Die Befriedigung des Verlangens und das lächerliche an diesem Akt an sich. Beispiele finden sich in Tacones lejanos (1991), Atame (1989) und besonders amüsant in der Vergewaltigungsszene in Kika (1993), dem wohl skurrilsten Film Almodóvars. Doch Sex und Begierde können auch zur Rache eingesetzt werden, wie in Carne Trémula (1997). Die Entwicklung der Geschichte rankt sich stets um eine zentrale Szene, die der Regisseur als Grundidee hatte. Manche dieser Ideen lassen sich nicht in Filme fassen, so bringt Almodóvar sie als Film im Film ein. Beispielsweise in Atame. Die Handlung wird durch einen Werbespot der Gerontobank unterbrochen. Der Betrachter fragt sich nach dem Film, was skurriler war, die Charaktere, oder deren Handlungen. So schuf Almodóvar 1983 in Entre tenieblas eine heroinsüchtige Nonne und eine weitere, die erotische Geschichten schrieb. Kika wird im gleichnamigen Film vom Bruder ihrer Haushaltshilfe, einem sexhungrigen Pornostar der gerade bei einer Selbstkasteiungsprozession aus der Haft geflohen ist, vergewaltigt. In Atame überzeugt der im Heim aufgewachsene Protagonist seine große Liebe davon, daß er der Richtige für sie ist, indem er sie in ihrer Wohnung einsperrt und ans Bett fesselt. In Todo sobre mi madre schwängerte der Transsexuelle Lola erst seine Frau Manuela und später eine Nonne. Ein besonderer Reiz entsteht durch die Symbole, die Almodóvar verwendet. So bringt in ¿Qué he hecho yo para merecer esto? die Hauptdarstellerin ihren machistischen Mann mit dem Knochen eines Schinkens um Schinken (Jamón) ist im spanischen Kulturkreis ein Symbol für Macht, Reichtum und Potenz. Der impotente Polizist schafft es aber nicht, den Mord aufzuklären. Die Filme Almodóvars faszinieren durch ihren Fascettenreichtum, durch skurile Charaktere und absurde Handlungen. Martin Heiden
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