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Neuregelung kippt die Foders-Vorlesung über Bord

- Schwerwiegende Änderung der Diplomprüfung in VWL -

In der Examenssprechstunde dieses Semesters kündigte Prof. Feldsieper eine umfassende Änderung der RWL-Diplomprüfung im Bereich Volkswirtschaft an, die bereits zum kommenden Sommersemester in Kraft treten wird. Diese ungewöhnlich kurze Frist hat unter den betroffenen Studierenden bereits für erhebliche Verärgerung gesorgt. Der Versuch, beim Dekan eine Fristverlängerung zu erwirken, ist jedoch bisher erfolglos geblieben.

Am Montag, dem 17. Mai, informierte Prof. Rettig, daß es beim Prüfungstermin Sommersemester 2000 für die Umstellung bleibe. Erleichternd soll nur wirken, daß die Prüfer für diesen Termin bereits im Juni diesen Jahres bekanntgegeben werden sollen. Diese halten dann auch die entsprechenden Vorlesungen im Wintersemester 99/00. Geprüft wird im Sommersemester 2000 also nur, was im Wintersemester auch gelesen wird. Prof. Feldsieper selbst hat im Sommersemester 2000 ein Forschungsfreisemester. Es muß hier aber noch mal ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß diese Form der frühen Bekanntgabe und die Abstimmung mit dem Lehrangebot eine Ausnahme nur für die Prüfung im Sommersemester 2000 darstellen soll.
Was ändert sich denn eigentlich? Prof. Feldsieper gab bekannt, daß sich die schriftliche Prüfung künftig in zwei zweistündige (statt eine vierstündige) aufgliedern wird. Er selbst wird nicht mehr prüfen. Stattdessen wird es für jede der beiden Teilprüfungen je einen Prüfer geben. Neue Themen werden sein: Allgemeine Wirtschaftspolitik, Markt- und Preistheorie, Wettbewerbstheorie und -politik, Geldtheorie und -politik, reale und monetäre Außenwirtschaftstheorie und Wachstumstheorie.
Die mündlichen Prüfungen werden künftig von Feldsieper und Voggenreiter (statt Anderegg) durchgeführt, geprüft werden Außenwirtschaft, besonders monetäre Außenwirtschaft (Vorlesung Internationale Währungspolitik), Europapolitik, Geldpolitik und -theorie sowie „ab und zu“ auch Markt- und Preistheorie.
Im Vergleich zur bisherigen Regelung werden also drei neue Vorlesungen examensrelevant (Allgemeine Wirtschaftspolitik, Wettbewerbstheorie und -politik und Wachstumstheorie). Die Vorlesung von Foders (Ausgewählte Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung und der Wirtschaftspolitik in Lateinamerika) hingegen wird nicht (!) mehr examensrelevant sein. Positiv ist in dieser Flut von Änderungen nur, daß sich die Prüfungstermine nicht verschieben werden.
Genau das ist aber der wunde Punkt des neuen Systems. Um sich auf die Prüfung vorbereiten zu können, muß man den Prüfer kennen, um auch genau seine Vorlesungen zu besuchen. Für die Volkswirte kein Problem. Diese machen ihr Examen nun über studienbegleitende Prüfungen, werden also anschließend an eine Vorlesung über diese geprüft. Der RWL-Prüfungstermin liegt jedoch mitten im Semester und ist eine Blockprüfung über alle zu besuchenden Veranstaltungen. Die Prüfer müßten also für RegionalwissenschaftlerInnen grundsätzlich langfristig bekanntgegeben werden. Von einem solchen Vorhaben ist uns aber nichts bekannt.
Bezeichnend ist auch, daß die Vorlesung von Foders nicht mehr examensrelevant sein wird. Somit wird Lateinamerika in Zukunft in den Diplomprüfungen der WiSo-Fakultät aller Wahrscheinlichkeit nach keine Rolle mehr spielen - ein fragwürdiger Trend für diesen Studiengang!
Abgesehen von diesen ernsten Mängeln trifft es die erste Generation von Prüflingen besonders hart. Plötzlich sollen für die Prüfung drei Vorlesungen fehlen, die im längst laufenden Semester nicht mehr sinnvoll besucht werden können und für die im nächsten Semester aufgrund der dann zu schreibenden Diplomarbeit keine Zeit vorgesehen ist. Eine adäquate Prüfungsvorbereitung ist damit unmöglich, von einer sinnvollen Planung des Hauptstudiums ganz zu schweigen. Alle, die nächstes Semester das noch empfohlene Auslandspraktikum wahrnehmen wollen, geraten in die gleiche Situation auch beim Prüfungstermin WS 00/01.
Daß die Belegung der Vorlesungen auch bisher Pflicht war, kann hierbei kaum als Argument herhalten. Denn zum einen schreibt die Prüfungsordnung von 1989 überhaupt keine explizit genannten Veranstaltungen vor. Zum anderen unterliegen examensrelevante Vorlesungen immer einer intensiveren Vor- und Nachbearbeitung als studienbegleitende Vorlesungen.
Es ist nicht ersichtlich, warum die Änderung nicht zumindest ein oder zwei Semester später in Kraft treten könnte, um den Vertrauensschutz in den bestehenden Regelungen zu gewähren. Damit könnte die Studienplanung bestehen bleiben und die Gefahr einer Verlängerung der Studienzeit wäre abgewendet. Aber es ist ja nicht das erste Mal, daß wir vor unerfreuliche vollendete Tatsachen gestellt werden.

Manuel Breuer


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Diese Seite wurde erstellt von Martin Heiden am 25.07.99