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Dekanat führte Absolventenbefragung durch

- RWL – Qualifizierte Fachkräfte für Lateinamerika? -

Abschaffung von RWL ja oder nein – wie auch immer man dazu stehen mag, eines hat die Diskussion auf der VV allemal gezeigt: das Interesse daran, zu erfahren, was aus den RWL-AbsolventInnen wird, ist groß. Diese Fragestellung hat auch das Dekanat veranlaßt, eine Umfrage aller diplomierten RWLerInnen – bis einschließlich Sommersemester 98 immerhin ca. 180 – durchzuführen.

Eine genaue Auswertung steht bislang noch aus. Wir möchten hier aber schon einige der Ergebnisse darstellen, so wie sie auch in offiziellen Gesprächen bekanntgegeben wurden. Leider liegt uns weder die genaue Fragestellung seitens des Dekanats noch eine detaillierte Aufstellung der Daten vor.
Von den Angeschriebenen antworteten etwa 80; da einige der Briefe aber als unzustellbar zurückgesandt wurden, kann von einer positiven Resonanz von gut der Hälfte der AbsolventInnen ausgegangen werden. Eine andere Frage ist dabei, inwieweit diese als repräsentativ gelten kann – immerhin ist die ermittelte Quote von 3% arbeitsloser RWLerInnen ungewöhnlich niedrig. Ein Anteil von fast 80% mittlerweile Berufstätiger sollte optimistisch stimmen, wäre nicht die Frage, ob diese wirklich in Bereichen liegen, die mit Lateinamerika auch nur das geringste zu tun haben.
Untersucht man die Tätigkeitsfelder näher, so ist festzustellen, daß der größte Anteil der AbsolventInnen im Wirtschaftsbereich, z.B. im Management oder im Handel, eine Anstellung gefunden hat. Hierbei allerdings sollte man sich vor Augen halten, daß die Spannweite der Stellungen und Funktionen sehr groß ist: vom Kaufmännischen Sachbearbeiter bis zur Projektleiterin.
Den zweitgrößten Komplex stellen die Medien dar, dicht gefolgt vom Bereich der internationalen Organisationen. Hier kann mit Sicherheit der stärkste Lateinamerikabezug festgestellt werden, wobei die Tätigkeiten sowohl im Sektor der privatwirtschaftlichen (Consulting-Firmen) als auch der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit (GTZ) und in politischen Organisationen (z.B. Europäisches Parlament) anzusiedeln sind. Viele der AbsolventInnen streben auch in den wissenschaftlichen Bereich. Obwohl die Promotion für RWLerInnen ursprünglich nicht vorgesehen war, wurde inzwischen sogar eine vereinfachende Regelung im Fach Iberische und Lateinamerikanische Geschichte in der neuen Promotionsordnung festgeschrieben.
Als allgemeines Fazit kann festgestellt werden, daß der Lateinamerikabezug dezidiert nur im Bereich „Verantwortliche Stellung in internationalen Organisationen“ gegeben ist – und dies trifft nur auf 17% der Befragten zu. Allerdings entspricht die Schwerpunktsetzung der tatsächlichen Berufsfelder den in der Selbstdarstellung der RWLerInnen (Broschüre) angeführten Perspektiven.
Im Grunde genommen war dieses Ergebnis vorhersehbar: Eine allzu positive Deutung fällt uns persönlich schwer, da die angegebenen Bereiche wenig spezifiziert wurden und die Vermutung naheliegt, daß vieles sich in einer Grauzone zwischen Neuorientierung und verdeckter Arbeitslosigkeit bewegt.

Ulrike Bock · Frédéric Herrmann


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Diese Seite wurde erstellt von Martin Heiden am 25.07.99