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15 - übersicht|
Der Käpt‘n geht von Bord
- Texas - Texas, das alles find ich ... -
Ob es nun die rettende Insel, oder das furchterregende Bermuda-Dreieck
war – ein Zufluchtsort für alle Regionalwissenschaftler wechselt den Kapitän.
Peter geht in den (wohl nur von ihm) lang ersehnten Ruhestand und überläßt
das Sülz-Texas seinem Schicksal.
Der neue Kurs ist noch nicht bestimmt. Erstmal wird das Schiff wohl in
gleicher Richtung weiter trudeln, doch es ist nur eine Frage der Zeit,
bis der neue Kapitän, Gino, die Segel setzt und die Fahrt in seine
Richtung weiterführen wird.
Wir werden ihn vermissen, diesen Ort, der so manchen RWLer nach vielen
Stunden des geselligen Beisammenseins in Seenot brachte, wenn der Wellengang
in Köln mal wieder hoch war. Den Ort, wo man immer damit rechnen
mußte unterzugehen, zu versinken, zu versacken.
Ich erinnere mich noch gut an einen Karnevalstag vor einigen Jahren, als
ich um 2.00 Uhr nachts mit einer Freundin das Texas betrat, um noch ein
letztes Kölsch zu schlürfen. Um die Theke saßen außer
uns noch drei weitere Veteranen, die Musik dudelte leise vor sich hin.
Peter guckte auf seine Uhr und sagte: Hmm, jetzt ist es zwei...
Um halb drei starten wir dann mal die Party, oder? Das klang so
abwegig, daß wir spontan beschlossen, uns diese Party
anzusehen. Wir bestellten noch zwei Kölsch, es wurde halb drei, Peter
drehte die Musik lauter und wechselte zur Neuen Deutschen Welle. Keine
20 Minuten später war die Kneipe voll und bevor ich gegen sieben
Uhr morgens mein Bett erreichte, habe ich auf einigen Bänken und
Tischen getanzt.
Doch wir werden diesen Ort nicht nur wegen seiner spontanen Parties vermissen.
Peter setzte Akzente. Politisch engagiert organisierte er immer wieder
Vorträge zur iberischen und lateinamerikanischen Geschichte oder
Politik. Angebote, die die Uni machen sollte, aber nicht macht. Man erinnere
sich nur an die Vortragsreihe zum spanischen Bürgerkrieg. An den
anarchistischen Kämpfer Heinrich Friedetzky. Oder an die Diskussion
mit dem Sprecher der peruanischen MRTA, Isaac Velasco.
Das Sülz-Texas war immer ein Ort des linken Gedankenguts. Auch wenn
nicht alle Gäste den Linksruck nachvollzogen haben, was aber zu vielen
fruchtbaren Diskussionen geführt hat und, wie im Falle Heinrich Friedetzkys,
manchen Vortrag erst ermöglichte: Beim ersten Telefonat wollte der
Spanienkämpfer wissen: Was seid Ihr denn für eine Gruppe?
Wir sind ne Kneipe. Ja, aber was
ist das für eine Vereinigung? Wir sind keine Vereinigung,
wir sind ne Kneipe! Seid Ihr links? Wenn
Ihr links seid, dann komm ich!
Es gibt noch so viele Anekdoten zu erzählen. Jeder wird seine eigenen
Erfahrungen gemacht haben. Bei ESI-Parties, Semesterabschluß-Feten,
Karneval, beim legendären Mittagessen oder im ganz normalen Kneipenleben.
Ein jeder wird sich gerne an die große Cocktailauswahl erinnern,
die etwas unkonventionell servierte Caipirinha, die nach dem ersten Erstaunen
aber meist für Freude gesorgt hat, da man den Säuregehalt selbst
bestimmen konnte.
Aber vor alledem werden wir Peter vermissen. Den Herrn Wirt, nein Vonwirt,
der uns all die Jahre lang erst ermöglicht hat, in einer so netten
Kneipe in unserm Veedel einzukehren. Danke Peter!
Martin Heiden
PS: Wo Du ja jetzt wieder mehr Zeit zum Studieren hast, hoffe ich, daß
wir uns mal an der Uni treffen, vielleicht ja auch bei einer der nächsten
Fachschaftssitzungen?

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Diese Seite wurde erstellt von Martin
Heiden am 25.07.99
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