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Der Käpt‘n geht von Bord

- Texas - Texas, das alles find ich ... -

Ob es nun die rettende Insel, oder das furchterregende Bermuda-Dreieck war – ein Zufluchtsort für alle Regionalwissenschaftler wechselt den Kapitän. Peter geht in den (wohl nur von ihm) lang ersehnten Ruhestand und überläßt das Sülz-Texas seinem Schicksal.

Der neue Kurs ist noch nicht bestimmt. Erstmal wird das Schiff wohl in gleicher Richtung weiter trudeln, doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis der neue Kapitän, Gino, die Segel setzt und die Fahrt in seine Richtung weiterführen wird.
Wir werden ihn vermissen, diesen Ort, der so manchen RWLer nach vielen Stunden des geselligen Beisammenseins in Seenot brachte, wenn der Wellengang in Köln mal wieder hoch war. Den Ort, wo man immer damit rechnen mußte unterzugehen, zu versinken, zu versacken.
Ich erinnere mich noch gut an einen Karnevalstag vor einigen Jahren, als ich um 2.00 Uhr nachts mit einer Freundin das Texas betrat, um noch ein letztes Kölsch zu schlürfen. Um die Theke saßen außer uns noch drei weitere Veteranen, die Musik dudelte leise vor sich hin. Peter guckte auf seine Uhr und sagte: „Hmm, jetzt ist es zwei... Um halb drei starten wir dann mal die Party, oder?” Das klang so abwegig, daß wir spontan beschlossen, uns diese „Party” anzusehen. Wir bestellten noch zwei Kölsch, es wurde halb drei, Peter drehte die Musik lauter und wechselte zur Neuen Deutschen Welle. Keine 20 Minuten später war die Kneipe voll und bevor ich gegen sieben Uhr morgens mein Bett erreichte, habe ich auf einigen Bänken und Tischen getanzt.
Doch wir werden diesen Ort nicht nur wegen seiner spontanen Parties vermissen. Peter setzte Akzente. Politisch engagiert organisierte er immer wieder Vorträge zur iberischen und lateinamerikanischen Geschichte oder Politik. Angebote, die die Uni machen sollte, aber nicht macht. Man erinnere sich nur an die Vortragsreihe zum spanischen Bürgerkrieg. An den anarchistischen Kämpfer Heinrich Friedetzky. Oder an die Diskussion mit dem Sprecher der peruanischen MRTA, Isaac Velasco.
Das Sülz-Texas war immer ein Ort des linken Gedankenguts. Auch wenn nicht alle Gäste den Linksruck nachvollzogen haben, was aber zu vielen fruchtbaren Diskussionen geführt hat und, wie im Falle Heinrich Friedetzkys, manchen Vortrag erst ermöglichte: Beim ersten Telefonat wollte der Spanienkämpfer wissen: „Was seid Ihr denn für eine Gruppe?” – „Wir sind ‘ne Kneipe.” – „Ja, aber was ist das für eine Vereinigung?” – „Wir sind keine Vereinigung, wir sind ‘ne Kneipe!” – „Seid Ihr links? – Wenn Ihr links seid, dann komm‘ ich!”
Es gibt noch so viele Anekdoten zu erzählen. Jeder wird seine eigenen Erfahrungen gemacht haben. Bei ESI-Parties, Semesterabschluß-Feten, Karneval, beim legendären Mittagessen oder im ganz normalen Kneipenleben. Ein jeder wird sich gerne an die große Cocktailauswahl erinnern, die etwas unkonventionell servierte Caipirinha, die nach dem ersten Erstaunen aber meist für Freude gesorgt hat, da man den Säuregehalt selbst bestimmen konnte.
Aber vor alledem werden wir Peter vermissen. Den Herrn Wirt, nein Vonwirt, der uns all die Jahre lang erst ermöglicht hat, in einer so netten Kneipe in unser’m Veedel einzukehren. Danke Peter!

 Martin Heiden

PS: Wo Du ja jetzt wieder mehr Zeit zum Studieren hast, hoffe ich, daß wir uns mal an der Uni treffen, vielleicht ja auch bei einer der nächsten Fachschaftssitzungen?


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Diese Seite wurde erstellt von Martin Heiden am 25.07.99