|
|portuñol
15 - übersicht|
- „Wir Professoren wissen, was gut ist...“ -
Fünf Jahre nach Inkrafttreten der „Eckdatenverordnung Universitäten“
ist RWL immer noch nicht angepaßt worden – und die Situation ist ernüchternd.
Aller Wahrscheinlichkeit nach ist RWL einer der letzten Studiengänge
in NRW, der sich noch im unabgeschlossenen Stadium der Umsetzung der Eckdatenverordnung
befindet. Schuld an der Misere ist offensichtlich der allzu träge
Fortgang in den Reformbemühungen seitens der Universität sowie
fragwürdige Vorstellungen in der Art und Weise der Anpassung des
Studienganges. Hinzu kommt die faktisch nicht vorhandene Kompromißbereitschaft
der Professorenschaft, insbesondere der WiSo-Fakultät. Die Leidtragenden
sind wieder einmal die Studierenden, die sich noch immer mit einer vorläufigen,
veralteten und mit überflüssigen Prüfungselementen überfrachteten
Prüfungsordnung herumschlagen müssen. Darüber hinaus sind
sie mit einem DPO-Vorschlag der Professorenschaft konfrontiert, der in
keinster Weise der gewünschten Interdisziplinarität und dem
Bezug zur Region gerecht wird.
Der Vorschlag der Professorenschaft übernimmt keine einzige der Forderungen
der Fachschaft, obwohl es die Fachschaft selbst war, die als erste einen
kompletten Entwurf einer neuen DPO vorlegen konnte. Dieser Entwurf diente
in der Prüfungsordnungskommission gar als Arbeitsgrundlage, da sich
bis zur ersten Kommissionssitzung keiner fand, der sich mal Gedanken über
eine neue DPO gemacht hätte. Was sich jedoch in den folgenden Jahren
in den Reformsitzungen abspielte, könnte als Musterbeispiel einer
beispiellosen Mißachtung studentischer Initiative gelten. Jegliche
konstruktive Mitarbeit und alle detaillierten Ausarbeitungen der Fachschaft
wurden im Ergebnis schlichtweg ignoriert. Als einzige Möglichkeit
blieb der Fachschaft somit, das Ministerium durch zwei Sondervoten auf
die schwerwiegenden Mängel des DPO-Vorschlags der Professorenschaft
aufmerksam zu machen mit Erfolg: Im September 1998 wurde der Entwurf
durch das Ministerium mit der Begründung abgelehnt, der DPO-Vorschlag
entspreche nicht der genehmigten Studiengangstrukur.
Auf Wunsch des Ministeriums fand am 8. Februar diesen Jahres ein Gespräch
mit einer Vertreterin aus Düsseldorf, der Professorenschaft sowie
der Fachschaft statt. Dort vertraten die Studierenden, wie zuvor von der
großen Mehrheit einer Vollversammlung gewünscht, nochmals vehement
ihren eigenen Entwurf der DPO. Dieser würde die Kombination aus vier
Fächern beibehalten und somit das Wesen des Studienganges nicht zerstören.
Ferner ermögliche er eine Spezialisierung im Hauptstudium und verzichte
auf nicht berufsqualifizierenden Ballast wie Sprachwissenschaft und Latinum.
Obwohl der Vorschlag von der Vertreterin des Ministeriums sehr positiv
aufgenommen wurde, machte die WiSo-Fakultät erneut ihre ablehnende
Haltung deutlich. Auch das in Aussicht gestellte großzügige
Entgegenkommen des Ministeriums konnte daran unverständlicherweise
nichts ändern.
Im Gegenteil, der Prüfungsausschuß beschloß am 8. April,
den abgelehnten DPO-Entwurf nochmals in Düsseldorf vorzulegen. Sollte
das Ministerium seiner bisherigen Argumentation treu bleiben, müßte
dieser Vorschlag ein zweites Mal abgelehnt und an die Universität
zurückgegeben werden. Damit hätte die Universität leichtfertig
eine weitere Verzögerung provoziert.
Angesichts solch hybriden Verhaltens einiger Professoren konnte die Kompromiß-
und Kooperationsbereitschaft der Fachschaft keinen Erfolg haben
leider!
Die Studierenden dieses Faches haben aber noch ganz andere Sorgen: Die
Zukunft von RWL ist schwarz wie die Nacht! Die nüchterne Betrachtung
der Fakten macht eine ziemliche Perspektivlosigkeit bewußt, wie
sie sonst sicher bei keinem anderen Studiengang dieser Universität
anzutreffen ist.
Nicht, daß die Situation neu wäre. Schon 1995 hat die Fachschaft
einen Hilferuf direkt nach Düsseldorf geschickt mit Erfolg:
fünf Professoren wurden in eine Gesprächsrunde des Ministeriums
gebeten, um zusammen mit vier Vertretern der Fachschaft die Mängel
zu erörtern und Abhilfe zu diskutieren. Als Ergebnisse dieses Gespräches
wurden von den Beteiligten vereinbart, die Anpassung der Studienstruktur
an den Eckdatenerlaß vorzunehmen, eine Koordinationsstelle einzurichten,
die Instanzen zu vernetzen sowie für einen erfolgreichen Regionalbezug
des Studienganges mehr lateinamerikanische Themen anzubieten.
Und wie schaut es fast viereinhalb Jahre später aus? Es gibt kaum
Fortschritte, dafür klare Rückschritte. Auf eine erfolgreiche
Eckdatenanpassung warten wir noch immer. Außer dem Dekanat der Philosophischen
Fakultät existiert weiterhin keine Koordinationsstelle für unseren
Studiengang. Es ist jedoch kein Geheimnis, daß das Dekanat, das
die gesamte Studienberatung und die Prüfungen der Philosophischen
Fakultät abwickelt, so überlastet ist, daß es sich nicht
auch noch um eine inhaltliche und zeitliche Koordination unserer Fächer
kümmern kann. Selbst bei Klausurterminen kommt es zu Überschneidungen.
Mehr als ärgerlich ist es ferner, daß wir uns immer noch nicht
von einer angemeldeten Prüfung abmelden können, wie in der Eckdatenverordnung
vorgeschrieben. Von Koordination und Vernetzung keine Spur!
Ein weiteres Kapitel wird mit den Leuchtturmseminaren aufgeschlagen. Sie
waren außerordentlich erfolgreich und wurden von uns sehr begrüßt.
Endlich gab es eine interdisziplinäre praxisbezogene Anwendung auf
Lateinamerika in einem spannenden Simulationsspiel in Zusammenarbeit von
Politik und VWL. Die Seminare wurden vom Ministerium als Pilotprojekte
finanziert und sollten, so der Plan, analog mit Eigenmitteln der Universität
weitergeführt werden. Doch jetzt, nach dem Auslaufen der Mittel,
Stillstand! Hier zeigt sich wieder die unzureichende generelle Unterstützung
des Studienganges an der WiSo-Fakultät, selbst nach zehn Jahren.
Das Engagement für RWL beschränkt sich stets auf zu wenige Professoren,
die teilweise auch noch in Kürze emeritieren werden. Geeignete Berufungen
und Nachfolgen wurden uns nicht in Aussicht gestellt. Im Fachbereich Politik
mangelt es an der Bereitschaft, zwei Lehraufträge zu Lateinamerika
auf Dauer zu garantieren. Im aktuellen DPO-Vorschlag sind gar alle Veranstaltungen
an der WiSo-Fakultät mit Bezug zu Lateinamerika gestrichen worden.
Dies zeigt sich auch in der jüngst beschlossenen Änderung in
VWL, die die Vorlesung Ausgewählte Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung
und der Wirtschaftspolitik in Lateinamerika aus der Prüfung streicht.
Der Trend erscheint klar: Lateinamerika bleibt außen vor!
Am Rande erwähnt, dennoch Ausdruck der Vernachlässigung unseres
Studienganges: Nach zehn Jahren ist immer noch keine Studienordnung erlassen
worden, und auch die Freiversuchsregelung nach §90a des Universitätsgesetzes
vom 6. Juli 1993 ist trotz eines Antrags der Studierenden immer noch nicht
in unsere momentan gültige Prüfungsordnung übernommen worden.
Aber die Professoren wissen ja, was gut ist...
Manuel Breuer
Frédéric Herrmann

|portuñol 15 - übersicht|
Diese Seite wurde erstellt von Martin
Heiden am 25.07.99
|