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- „Wir Professoren wissen, was gut ist...“ -

Fünf Jahre nach Inkrafttreten der „Eckdatenverordnung Universitäten“ ist RWL immer noch nicht angepaßt worden – und die Situation ist ernüchternd.

Aller Wahrscheinlichkeit nach ist RWL einer der letzten Studiengänge in NRW, der sich noch im unabgeschlossenen Stadium der Umsetzung der Eckdatenverordnung befindet. Schuld an der Misere ist offensichtlich der allzu träge Fortgang in den Reformbemühungen seitens der Universität sowie fragwürdige Vorstellungen in der Art und Weise der Anpassung des Studienganges. Hinzu kommt die faktisch nicht vorhandene Kompromißbereitschaft der Professorenschaft, insbesondere der WiSo-Fakultät. Die Leidtragenden sind wieder einmal die Studierenden, die sich noch immer mit einer vorläufigen, veralteten und mit überflüssigen Prüfungselementen überfrachteten Prüfungsordnung herumschlagen müssen. Darüber hinaus sind sie mit einem DPO-Vorschlag der Professorenschaft konfrontiert, der in keinster Weise der gewünschten Interdisziplinarität und dem Bezug zur Region gerecht wird.
Der Vorschlag der Professorenschaft übernimmt keine einzige der Forderungen der Fachschaft, obwohl es die Fachschaft selbst war, die als erste einen kompletten Entwurf einer neuen DPO vorlegen konnte. Dieser Entwurf diente in der Prüfungsordnungskommission gar als Arbeitsgrundlage, da sich bis zur ersten Kommissionssitzung keiner fand, der sich mal Gedanken über eine neue DPO gemacht hätte. Was sich jedoch in den folgenden Jahren in den Reformsitzungen abspielte, könnte als Musterbeispiel einer beispiellosen Mißachtung studentischer Initiative gelten. Jegliche konstruktive Mitarbeit und alle detaillierten Ausarbeitungen der Fachschaft wurden im Ergebnis schlichtweg ignoriert. Als einzige Möglichkeit blieb der Fachschaft somit, das Ministerium durch zwei Sondervoten auf die schwerwiegenden Mängel des DPO-Vorschlags der Professorenschaft aufmerksam zu machen – mit Erfolg: Im September 1998 wurde der Entwurf durch das Ministerium mit der Begründung abgelehnt, der DPO-Vorschlag entspreche nicht der genehmigten Studiengangstrukur.
Auf Wunsch des Ministeriums fand am 8. Februar diesen Jahres ein Gespräch mit einer Vertreterin aus Düsseldorf, der Professorenschaft sowie der Fachschaft statt. Dort vertraten die Studierenden, wie zuvor von der großen Mehrheit einer Vollversammlung gewünscht, nochmals vehement ihren eigenen Entwurf der DPO. Dieser würde die Kombination aus vier Fächern beibehalten und somit das Wesen des Studienganges nicht zerstören. Ferner ermögliche er eine Spezialisierung im Hauptstudium und verzichte auf nicht berufsqualifizierenden Ballast wie Sprachwissenschaft und Latinum. Obwohl der Vorschlag von der Vertreterin des Ministeriums sehr positiv aufgenommen wurde, machte die WiSo-Fakultät erneut ihre ablehnende Haltung deutlich. Auch das in Aussicht gestellte großzügige Entgegenkommen des Ministeriums konnte daran unverständlicherweise nichts ändern.
Im Gegenteil, der Prüfungsausschuß beschloß am 8. April, den abgelehnten DPO-Entwurf nochmals in Düsseldorf vorzulegen. Sollte das Ministerium seiner bisherigen Argumentation treu bleiben, müßte dieser Vorschlag ein zweites Mal abgelehnt und an die Universität zurückgegeben werden. Damit hätte die Universität leichtfertig eine weitere Verzögerung provoziert.
Angesichts solch hybriden Verhaltens einiger Professoren konnte die Kompromiß- und Kooperationsbereitschaft der Fachschaft keinen Erfolg haben – leider!
Die Studierenden dieses Faches haben aber noch ganz andere Sorgen: Die Zukunft von RWL ist schwarz wie die Nacht! Die nüchterne Betrachtung der Fakten macht eine ziemliche Perspektivlosigkeit bewußt, wie sie sonst sicher bei keinem anderen Studiengang dieser Universität anzutreffen ist.
Nicht, daß die Situation neu wäre. Schon 1995 hat die Fachschaft einen Hilferuf direkt nach Düsseldorf geschickt – mit Erfolg: fünf Professoren wurden in eine Gesprächsrunde des Ministeriums gebeten, um zusammen mit vier Vertretern der Fachschaft die Mängel zu erörtern und Abhilfe zu diskutieren. Als Ergebnisse dieses Gespräches wurden von den Beteiligten vereinbart, die Anpassung der Studienstruktur an den Eckdatenerlaß vorzunehmen, eine Koordinationsstelle einzurichten, die Instanzen zu vernetzen sowie für einen erfolgreichen Regionalbezug des Studienganges mehr lateinamerikanische Themen anzubieten.
Und wie schaut es fast viereinhalb Jahre später aus? Es gibt kaum Fortschritte, dafür klare Rückschritte. Auf eine erfolgreiche Eckdatenanpassung warten wir noch immer. Außer dem Dekanat der Philosophischen Fakultät existiert weiterhin keine Koordinationsstelle für unseren Studiengang. Es ist jedoch kein Geheimnis, daß das Dekanat, das die gesamte Studienberatung und die Prüfungen der Philosophischen Fakultät abwickelt, so überlastet ist, daß es sich nicht auch noch um eine inhaltliche und zeitliche Koordination unserer Fächer kümmern kann. Selbst bei Klausurterminen kommt es zu Überschneidungen. Mehr als ärgerlich ist es ferner, daß wir uns immer noch nicht von einer angemeldeten Prüfung abmelden können, wie in der Eckdatenverordnung vorgeschrieben. Von Koordination und Vernetzung keine Spur!
Ein weiteres Kapitel wird mit den Leuchtturmseminaren aufgeschlagen. Sie waren außerordentlich erfolgreich und wurden von uns sehr begrüßt. Endlich gab es eine interdisziplinäre praxisbezogene Anwendung auf Lateinamerika in einem spannenden Simulationsspiel in Zusammenarbeit von Politik und VWL. Die Seminare wurden vom Ministerium als Pilotprojekte finanziert und sollten, so der Plan, analog mit Eigenmitteln der Universität weitergeführt werden. Doch jetzt, nach dem Auslaufen der Mittel, Stillstand! Hier zeigt sich wieder die unzureichende generelle Unterstützung des Studienganges an der WiSo-Fakultät, selbst nach zehn Jahren. Das Engagement für RWL beschränkt sich stets auf zu wenige Professoren, die teilweise auch noch in Kürze emeritieren werden. Geeignete Berufungen und Nachfolgen wurden uns nicht in Aussicht gestellt. Im Fachbereich Politik mangelt es an der Bereitschaft, zwei Lehraufträge zu Lateinamerika auf Dauer zu garantieren. Im aktuellen DPO-Vorschlag sind gar alle Veranstaltungen an der WiSo-Fakultät mit Bezug zu Lateinamerika gestrichen worden. Dies zeigt sich auch in der jüngst beschlossenen Änderung in VWL, die die Vorlesung Ausgewählte Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung und der Wirtschaftspolitik in Lateinamerika aus der Prüfung streicht. Der Trend erscheint klar: Lateinamerika bleibt außen vor!
Am Rande erwähnt, dennoch Ausdruck der Vernachlässigung unseres Studienganges: Nach zehn Jahren ist immer noch keine Studienordnung erlassen worden, und auch die Freiversuchsregelung nach §90a des Universitätsgesetzes vom 6. Juli 1993 ist trotz eines Antrags der Studierenden immer noch nicht in unsere momentan gültige Prüfungsordnung übernommen worden.
Aber die Professoren wissen ja, was gut ist...

 Manuel Breuer
 Frédéric Herrmann


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Diese Seite wurde erstellt von Martin Heiden am 25.07.99