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L@teinamerika Online

- Das Wissen liegt nur einen Klick weit weg? -

Lateinamerika im Döschen oder die Fachschaftsseiten auf Papier? Beide Erwartungshaltungen werden dem Buch “Lateinamerika Online – Theorie und Praxis effizienter Internet-Recherche im virtuellen Eldorado” von Joachim Gartz nicht gerecht. Der Autor bietet weit mehr als nur eine Sammlung von Hyperlinks über den großen Teich, kann aber selbstredend die Fülle der Informationen, die das Internet bietet nicht in einem 150 Seiten Werk zusammenfassen.

Das Buch gliedert sich in drei thematische Blöcke: die Theorie des Lernens, eine Einführung ins Internet inklusive der Nutzung des Netscape Navigators und den mit zirka 100 Seiten längsten, praktischen Teil.
Die Lektüre des Theorieparts erfordert schon einige Disziplin, da der Leser, der sich noch nicht mit dem Konstruktivismus und anderen Theorien des Lernens beschäftigt hat, von Beginn an mit einer Flutwelle fachbezogener Fremdwörter überschüttet wird. Trotzdem ist es jedem, der sich für die theoretischen Aspekte des Lernens interessiert und seine eigenen Strategien näher unter die Lupe nehmen will, sehr zu empfehlen, sich die Zeit zu nehmen.
Der zweite Teil richtet sich vor allem an den Laien. In kurzen Beispielen werden die wichtigsten Dienste und die meist genutzten Funktionen des Netscape Navigators erklärt. Freilich ersetzt dieser kurze Kurs die Übung nicht, bietet aber einen schnellen Einstieg für die Leser, die sich noch nicht mit der Materie beschäftigt haben.
Der praktische Teil beginnt mit einer guten Einführung in die Nutzung der wichtigsten Suchmaschinen und Kataloge des Internets. Dabei geht Gartz sowohl auf die verschiedenen Notationen der Bool’schen Operatoren ein, als auch auf deren Anwendung um Suchkriterien zu verknüpfen. Direkt im Anschluß geht er auf die lateinamerikaspezifischen Suchmaschinen ein, wobei er auch die von Portugal uns Spanien mit einbezieht. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf Lanic, den Server der University of Austin (Texas), gelegt, die wohl umfassendste Linksammlung zu Lateinamerika.
Es folgen die wichtigsten Internationalen und Nationalen Organisationen und Forschungsinstitute, die sich mit Lateinamerika beschäftigen. Unbekanntere Einrichtungen werden kurz vorgestellt.
Ein eigenes Kapitel beschäftigt sich mit den Ressourcen, die das Netz für Historiker bietet.
Der für Studenten wohl wichtigste Abschnitt des Buches beschäftigt sich mit der Literaturrecherche online. Auch hier stellt Gartz wieder die besten und, vor allem für Studenten der Uni Köln, wichtigsten Möglichkeiten der Online-Recherche samt erfolgversprechender Strategien vor.
Den Abschluß bildet eine im Gegensatz zum restlichen Buch eher oberflächliche Darstellung von Online-Informationsressourcen über Lateinamerika, die sich außerhalb des World-Wide-Web finden. Während die Zusammenstellung der Mailinglisten noch recht beachtliche Größe annimmt, fehlen dem interessierten Leser doch deutschsprachige Listen wie der Informationsdienst der Deutschen Welle oder das (leider kostenpflichtige) Abo der Poonal.
Die Newsgroups gehen leider völlig unter in der Fülle der Informationen. Hier beschränkt sich der Autor wie es scheint auf die vom News-Server der Uni Köln gespiegelten Gruppen, wobei wichtige Ressourcen auf anderen Servern (beispielsweise auf der iberischen Halbinsel oder in Lateinamerika) außen vor bleiben.
“Lateinamerika online” richtet sich in erster Linie an Studenten, die mit dem World-Wide-Web ihre Recherche zu wissenschaftlichen lateinamerikabezogenen Themen verfeinern wollen. Dabei gibt der Autor einige wichtige allgemeine Hinweise zum Umgang mit dem Medium Internet. Auch für den erfahrenen LA-Surfer finden sich einige interessante neue Aspekte, besonders im Hinblick auf Ressourcen zur Geschichte. Wer mehr nach politischen und ökonomischen Daten sucht, bekommt zwar einige gute Einstiegspunkte geliefert, aber die Ergebnisse nicht auf einem silbernen Tablett serviert.
Dem Einsteiger erspart das Buch durch seine prägnanten Zusammenfassungen der Inhalte der einzelnen Sites die wochenlange Einarbeitung in die Online-Präsenz Lateinamerikas und sollte somit zur Grundlektüre zu Beginn der studienbezogenen Surfreise durch die virtuelle Welt gehören.

Martin Heiden

Joachim Gartz: “Lateinamerika online – Theorie und Praxis effizienter Internet-Recherche im virtuellen Eldorado”, Köln 1999, ISBN 3-933819-04-0, 158 Seiten, 24,90 DM.


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Diese Seite wurde erstellt von Martin Heiden am 25.07.99