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- Langes Warten auf „Kuba 1492-1902” beendet -

Wintersemester 1993/94 – Mein erstes Semester und meine erste Geschichtsvorlesung: Politische Geschichte Kubas 1715-1902. Mittwoch 16-18 Uhr in Raum 0113. Professor Zeuske kündigt an, daß die Vorlesung im nächsten Semester in Buchform erscheinen werde. Begeistert beschließe ich, diese Vorlesung für mein Vordiplom zu wählen, denn wo hat man schon die Gelegenheit, mit einem Buch statt einer Mitschrift zu lernen?

Doch das Buch sollte erst 1998 herauskommen, für das Vordiplom habe ich dann eine andere Vorlesung genommen. Aber das Warten hat sich gelohnt: Zum einen konnte ich das Buch nun für meine Diplomprüfung verwenden, zum anderen ist es wirklich gut geworden.
Im Gegensatz zur Vorlesung betrachtet das Buch die Geschichte Kubas aber bereits schon ab der “Entdeckung” durch Kolumbus und nicht erst ab dem Ende des spanischen Erbfolgekriegs. Detaillierter wird Kuba 1492-1902 aber erst mit den bourbonischen Reformen und der Zentralisierung der politischen Kontrolle durch Spanien ab Beginn des 18. Jhs.
Wie im Untertitel Kolonialgeschichte, Unabhängigkeitskriege und erste Okkupation durch die USA angekündigt, gliedert sich das Buch in drei große Zeitabschnitte. Auf die spanische Kolonialgeschichte folgt eine sehr ausführliche und gute Darstellung der drei Unabhängigkeitskriege Guerra Larga (1868-78), Guerra Chiquita (1878-80) und dem Krieg von 1895-1898, der in den spanisch-amerikanischen Krieg von 1898 und die folgende amerikanische Besetzung Kubas bis 1902 mündete.
Das Buch könnte durchaus ein Standardwerk für alle deutschsprachigen Kuba-Interessierten werden, wenn es nicht hin und wieder historische Begriffe erwähnte, ohne diese zu erklären, so Rescate-Handel (S. 17) oder Kapitulation in der Verwendung als Vertrag (S. 20). Andere Begriffe werden erst beim zweiten Mal erläutert, so Cimarrones auf S. 27 mit Erklärung auf S. 28. Schade, denn dies wäre leicht zu beheben und würde das Buch einer weitaus größeren Leserschaft öffnen.
Beim Lektorat hätten andere Dinge ebenfalls auffallen müssen: Zahlen unter 12 sollten generell ausgeschrieben und fremdsprachige Begriffe und Zitate immer übersetzt werden. Bei Namensnennungen sollten die Funktionen der jeweiligen Personen häufiger als nur beim ersten Mal genannt werden.
Es gibt aber auch einiges Positives zu vermerken: Mit Fußnoten gehen die beiden Autoren sparsam um und beschränken sich weitgehend auf die Angabe von Literatur, was für einen ungetrübten Lesefluß sorgt. Phasenweise scheint sogar eine gehörige Portion Witz durch, wenn etwa letzten Endes der gesamte spanische Kolonisationsprozeß auf dem gewöhnlichen Hausschwein beruht (S. 30).
Eine Stärke des Buches ist das konsequente Ausräumen von Mythen wie der Widerstandslosigkeit der Indios. Der spanische Kolonisationsprozeß auf Kuba wird sehr ausführlich beschrieben und nicht von Kritik verschont.
Die Situation der Schwarzen auf Kuba spielt eine zentrale Rolle und wird nicht nur in einem “Alibi-Kapitel” kurz abgehandelt. Hier geht Kuba 1492-1902 weit über das Gewohnte hinaus: Neben Informationen über die afrikanischen Ursprungsregionen der Schwarzen erfahren wir auch Details zu Ernährung und Kleidung sowie zur Religion der Sklaven, beispielsweise über einzelne Gottheiten wie Xangó, Ogúm oder Yemanyá. Trotz gewisser “revisionistischer” Tendenzen durch die Aufgabe der “negativen Romantisierung” der Sklaverei werden die Autoren nicht müde zu betonen, daß es nicht täglicher Peitschenhiebe und Hungers bedarf, damit die Sklaverei und der damit verbundene Sklavenhandel grausamst sind. Manche Formulierungen sind dennoch etwas verunglückt, wie: “Die ruralen Sklaven waren im ersten Drittel des 19. Jhs. meist frisch aus Afrika eingeführte männliche Bozales.” (S. 321)
Wirtschaftliche Aspekte finden besondere Beachtung, so die Kosten der spanischen Subventionen für den Festungsbau in La Habana. Ausführlich stellen die Autoren die Zuckerplantagen in all ihren technischen und wirtschaftlichen Einzelheiten dar. Sie teilen Kuba analog des Konzepts des Historiker Pérez de la Riva in ein “Kuba A” (der Westen mit den Zuckeranbauregionen) und ein “Kuba B” (der Rest des Landes mit seiner Antizucker- und Antisklavenmentalität).
Übersichtlicher und genauer hätten wir uns dagegen die Darstellung der einzelnen politischen Gruppen während des ersten Unabhängigkeitskrieges 1868-78 gewünscht.
Am Ende des Buches hat es trotz der umfangreichen Bibliographie für einen Index leider nicht gereicht. Dennoch findet man sich durch die sehr übersichtliche Gliederung auch so ganz gut zurecht.
Sollten bei einer Neuauflage die sprachlichen Mängel beseitigt werden, so wäre das Buch auch für weniger fachspezifische LeserInnen geeignet und hätte gute Chancen, sich als deutschsprachiges Referenzwerk zur Geschichte Kubas bis zur Unabhängigkeit zu etablieren.

Johannes Beck 

Michael Zeuske/Max Zeuske, Kuba 1492-1902. Kolonialgeschichte, Unabhängigkeitskriege und erste Okkupation durch die USA, Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 1998, ISBN 3931922-83-9, 450 Seiten, 39,80 DM.

 

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Diese Seite wurde erstellt von Martin Heiden am 25.07.99