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15 - übersicht|
- Interview mit Ex-Staatschef Ríos Montt -
Guatemala-Stadt, den 28.2.1999, Prensa Libre (Auszüge) – Reaktionen
auf den soeben herausgegebenen Bericht der Kommission für Historische
Aufklärung (Comisión para el Esclarecimiento Histórico/CEH) prägen die
Atmosphäre, in der General (a.D.) Efraín Ríos Montt betroffen und im Bestreben,
seine Wahrheit über die heute wieder ins Bild der Öffentlichkeit gerückten
Kriegsgeschehnisse aufzuzeigen, über sein Handeln in einer der konfliktreichsten
Perioden des Landes spricht. Der ehemalige Staatschef (1982-83) erinnert
sich im Empfangsraum seines Hauses an die vergangenen Ereignisse und stellt
die Guerilla dafür an den Pranger, daß sie die Zivilbevölkerung als menschliches
Schutzschild benutzt hat.
Was denken sie über die Anschuldigungen der Kommission für
Historische Aufklärung, während ihrer Amtszeit sei es zu Völkermordhandlungen
gekommen?
Während meiner Zeit, 1982 und Anfang 1983, wurde mir nie, niemals
etwas von einer Handlung dieser Art berichtet. Weder wußte ich davon,
noch gab ich einen Befehl in bezug auf diese Angelegenheit. Wir gaben
konkrete Anweisungen: Jedes Kommando ist für das, was in seinem Tätigkeitsbereich
geschieht und geschehen kann, verantwortlich.
In dem Bericht wird darauf hingewiesen, daß es sich nicht um
Einzelfälle gehandelt habe und daß eine Befehlsführung
befolgt worden sei. War das so?
In meinem Fall handelt es sich da um reine Spekulation. Ich hätte
gerne, wenn man die Tatsache deutlich machen könnte, daß ich
ein Staatschef war, und nicht der Befehlshaber eines Bataillons oder einer
Region. Nun gibt es Leute, die das sehr spezielle Konzept der verbrannten
Erde ins Spiel bringen. Dieses Konzept ist ausschließlich gegen
die Subversion gerichtet. Es ist die Guerilla, die in dieser Dimension
tätig war und die Information verbreitete. Mir schiebt man die Verantwortung
dafür zu, aber ich habe nie einen Schuß abgegeben, ich habe
nie derartige Anweisungen gegeben, ich war immer darum bemüht, Übergriffe
von staatlicher Seite zu begrenzen.
Im Bericht heißt es aber, daß die Geheimdienste, G2 und
des Stab des Präsidenten die geistigen Urheber waren.
Ich hatte einen Stabschef im Präsidialamt, der nichts mit dem
Einsatzkonzept zu tun hatte; sie gaben sich nur damit ab, mir Schutz zu
geben. Ich verteidige nichts, ganz im Gegenteil. Ich weise darauf hin,
daß der Staat ein schwacher Staat war, daß er nicht in der
Lage war, das Konzept der Gesetzlichkeit zu erhalten. Nun möchte
ich die Aufmerksamkeit aber auf eine spezielle Sache lenken. Es ist ja
so, daß es den Vorwurf gibt, der Stab des Präsidialamtes und
der Stab des Heeres hätten Sondereinsätze durchgeführt.
Sehen Sie, der Staat ist in jeder Hinsicht verantwortlich für alles,
was gegen den Rechtsstaat begangen wurde, denn seine Aufgabe ist es, das
Wohlergehen und die Gerechtigkeit zu garantieren.
General, Sie versichern, daß sie die Tatsachen nicht kannten.
War das wirklich so?
Ich versichere das nicht nur; ich weiß, daß ich nicht
lügen kann, nicht betrügen kann, und daß man zu einem
bestimmten Zeitpunkt ein Verfahren gegen mich eröffnen wird. Wenn
sie mich verurteilen, dann gehe ich ganz ruhig ins Gefängnis, ich
gehe ohne Probleme, ich habe keine Angst, denn bewußt habe ich niemals
etwas gegen die Gesetze getan, und auch nicht unbewußt, denn ich
war nie im Schockzustand. Das Problem ist, daß man mir über
Kriegsgeschehen berichtet hat: Tote auf der einen und auf der anderen
Seite. Es gibt die Berichte des Heeresstabs. Aber stützung. In dieser
Situation taten sie das, was sie machen mußten: Uns international
mit den Dingen zu belasten, die sie behaupten, und die heute im Bericht
aufgeführt sind. Aber für mich gibt es sie nicht ...
Dann hat also das Heer die Zivilbevölkerung wegen ihrer Unterstützung
für die Guerilla angegriffen?
Das waren die Meldungen, die man mir brachte. Im Krieg waren sie
und die Kinder die Schutzschilde ... Der subversive Krieg ist schmutzig,
da werden weder Frauen, noch Kinder, noch sonst jemand respektiert. So
könnten diese Massaker also die Folge davon sein, daß sie sie
als Schutzschilde einsetzten.
Kritik von MenschenrechtlerInnen an Ex-Staatschef
Ríos Montt
Guatemala-Stadt, den 1.3.1999, Prensa Libre (Auszüge)
Während der frühere Verteidigungsminister Julio Balconi
erklärte, daß andere Bereiche im Bericht der CEH (Comisión
de Esclarecimiento Histórico/Kommission für Historische
Aufklärung) nicht einbezogen wären, bezeichneten Menschenrechtsgruppen
General Efraín Ríos Montt als zynisch,
weil er die Urheberschaft an den während seiner Regierungszeit
begangenen Massaker bestritten hat.
Als Staatschef zu jener Zeit war er verantwortlich für
alles, was im Lande geschah, und jetzt versucht er, sich der Verantwortung
zu entziehen, betonte Frank La Rue vom Zentrum für Juristische
Maßnahmen für die Menschenrechte. Die gestrigen Äußerungen
von Ríos Montt für Prensa Libre, so erklärte er,
seien widersprüchlich, da man den Staat nicht von Personen
losgelöst sehen und so seine Beteiligung an den Massakern an
Bauern verneinen könne.
In diesem Sinne äußerte sich auch Karen Fischer vom
Bündnis gegen Straffreiheit (Alianza contra la Impunidad).
Die Erklärungen des Generals bezeichnete sie als beleidigend
für die Intelligenz der Guatemalteken. Es ist zynisch, daß
er, der Staatschef und selbsternannter Präsident der Republik
war, jetzt behauptet, er habe nichts über die Politik der verbrannten
Erde gewußt, die während seiner Regierungszeit betrieben
wurde.
Kathrein Hölscher
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Diese Seite wurde erstellt von Martin
Heiden am 25.07.99
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