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- Editorial -

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ihr werdet sicher merken, daß sich zu unserer „Jubiläumsausgabe“ eine neue Schrift in das Bild der Portuñol hereingeschlichen hat. Jetzt erstrahlen Futura-Typen. Und genau wie die Zukunft unseres Studiengangs, ist auch die Schrift künstlich beschnitten: Sie ist kondensiert. Wir wollen uns nicht mit dieser engen Situation abfinden. Auch wenn wir dem Untergang entgegensehen, drucken wir sie fett und schwarz.
Aber das Fette hat auch seine positive Assoziation, Ihr haltet gerade die bisher fetteste Ausgabe der Portuñol in den Händen, und bis auf die Futura nicht kondensiert. Ihr könnt Euch über die Sprüche der Schöpfer des Untergangs amüsieren und/oder echauffieren, könnt der Nelkenrevolution auf den Grund gehen und erfahren, warum Ihr die einzige VWL-Vorlesung, die mit Lateinamerika zu tun hat, auch über Bord werfen könnt.
Das Titelmotiv dieser Ausgabe ist die Titanic. Wir versprechen Euch, daß die Fachschaft wie das Streichquartett des Dampfers bis zur letzten Minute (mit-)spielen wird. Auch wenn wir das sinkende Schiff auf Grund gehen lassen wollten. Nach dem Votum der Vollversammlung werden wir unser Möglichstes tun, um die Ziele der Studierendenschaft zu erreichen. Der Kapitän verläßt eben als letzter das sinkende Schiff. Doch anders als die Capitães der Nelkenrevolution, kann unser Umsturz nur von oben kommen, nämlich wenn das Ministerium den DPO-Vorschlag der Professoren abermals ablehnt.
Momentan bleibt uns nur das Warten. Die ersten Decks stehen unter Wasser. Die Neuregelung der Prüfungsmodalitäten in VWL „soll die Studenten mit sanftem Druck zur neuen Prüfungsordnung führen“. Wir können in der Zeit die Rettungsboote klar machen und uns die ersten Strategien zur Bergung des versunkenen Wracks machen. RWL ist wie die Titanic auf der Jungfernfahrt gesunken. Bevor eine Studienordnung verabschiedet wurde, scheint das Schiff in zwei Teile zerbrochen zu sein. Wir werden nicht zusehen, wie es sinkt. Auch wenn ein Teil der Fachschaft in den „Rettungsbooten“ sitzt und in den kommenden Semestern via Diplom auf die „rettende Insel“ Arbeitsmarkt flieht, der Rest wird entweder das Schiff zusammenschweißen oder (was wahrscheinlicher ist) versuchen, die beiden Teile über Wasser zu halten und den Kurs vom Mainstream auf Lateinamerika „zurück“-zulenken.
Dabei ist uns natürlich jeder willkommen, der nicht Schiffbruch erleiden will und genug Kraft hat, auch mehrmals gegen den Strudel anzuschwimmen, der die Studenten in die Gleichgültig- und Untätigkeit hinabzieht. Unser Ziel muß es sein, uns eine eigene Insel zu schaffen, ein RWL-Institut. Doch bis dahin müssen wir einiges an „Kies“ beschaffen, damit die Träume nicht weggeschwemmt werden.

Martin Heiden
 

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Diese Seite wurde erstellt von Martin Heiden am 25.07.99