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Nelkenrevolution:

- Orte des Widerstands gegen das Salazar-Regime -

Vor allem in den 60er Jahren war Coimbra eines der Zentren der Verschwörung gegen den Faschismus. Die Studenten spielten eine Hauptrolle, vor allem, da sie in ihren „Kommunen” relativ ungestört waren. Diese traditionellen Repúblicas wurden zu Horten des Kampfes für eine neue Universität und für die Freiheit. Hier zirkulierten verbotene Bücher, wurden geheime Nachrichten getauscht und subversive Ideen diskutiert.
Die Repúblicas waren immer offen, auch im übertragenen Sinn, und waren wohl die wenigen Orte die der Omnipräsenz der PIDE entkamen. Aus Tradition wurde jedem Fremden Unterschlupf und ein Essen gewährt. Das Motto lautete: „Zeigen, um zu verstecken”.
„Studenten aus Lissabon und Porto und selbst einige aus Coimbra (vor allem die, die Beziehungen zur PCP hatten) verstanden es nicht, daß ein linker Student zu traditionellen Versammlungen ‚de capa e batina‘ gehen kann”, erinnert sich der ex-pin-güyn (eine der alten Repúblicas) Rui Namorado.
Doch auch wenn gegen Ende der 60er Jahre 19 von 22 Repúblicas politisch links eingestellt waren, blieb immer ein gewisses Maß an Vorsicht, selbst gegenüber den Mitbewohnern.
Doch auch in den Cafés der Stadt wurden konspirative Pläne geschmiedet. Im Mandarim (heute wandern dort Hamburger über die Theke) trafen sich oppositionelle Studenten, während im Tropical gegenüber die Professoren der Rechtsfakultät ihre Tertúlias abhielten. Im Teatro Avenida hielten sowohl die Nationalisten als auch die Opposition ihre Versammlungen ab. Es gab keinen anderen Raum. Aber die Linken zahlten weniger - wenn überhaupt.
Ein Treffpunkt der besonderen Art war der Ateneu. In einer Stadt, wo die Bevölkerung streng in zwei Teile geteilt war, Studenten und Arbeiter, fiel der Ateneu auf, da hier eine andere Einigkeit zählte: Alle waren Anti-Faschisten. Hier wurde debattiert, es gab Poesie-Abende und Künstler wie José „Zeca” Afonso traten auf. Daher stand man auch ständig im Konflikt mit Stadtverwaltung und PIDE. Mal wurde der Strom abgeschaltet, mal überhöhte Geldstrafen verhängt und manchmal das Direktorium des Clubs inhaftiert. Bei einem Auftritt von Zeca Afonso erlaubte die Stadtverwaltung nur, daß er spiele. Doch der Agent der PIDE war völlig überfordert, alle Namen der Anwesenden zu notieren, die inbrünstig mitsangen.
Auch in Porto wurde der Kampf und die Verschwörung gegen das Regime vor allem von Studenten und Künstlern getragen. Im Cineclube wurden verbotene Filme gezeigt und das Teatro Experimental do Porto trat häufiger gegen die Zensur an. Seine offensiven Plakate waren vor allem den streng katholischen Bürgern der Hafenstadt ein Dorn im Auge. Wer die Literatur liebte ging in die Livraria Leitura, denn dort gab es alle Bücher... und mehr... Es wurden tausende Exemplare verbotener Bücher verkauft.
In Lissabon spielte sich das konspirative Dasein eher auf der anderen Seite des Tejo ab. So diente das Centro Desportivo in der Cova da Piedade nicht nur als Treffpunkt der Fußballspieler und als sozialer Hort der Jugend. Auch die Cultura Popular und mit ihr antifaschistische Ideen fanden hier ihr Dach über dem Kopf. Und das in einer Umgebung wo PIDE und PCP Katz und Maus spielten.

Martin Heiden
         

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Diese Seite wurde erstellt von Martin Heiden am 25.07.99