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Nelkenrevolution:

- MFA: Revolution von unten -

Das Movimento dos Capitães hatte sich als Reaktion auf den Erlaß eines neuen Beförderungsgesetzes im Juli 1973 gegründet, doch bald nahm die Bewegung eine neue, politische Richtung. Die Militärs diskutierten über den Krieg in den Kolonien und kamen schnell zu dem Ergebnis, daß der Krieg nicht zu gewinnen, aber von der Regierung keine Änderung der Politik zu erwarten sei. Das umstrittene Gesetz wurde bereits am 12. Oktober zurückgenommen. Ein erster Sieg der Kapitäne.

Doch diese Besänftigung der Militärs spiegelte Gleichzeitig die Schwäche der Regierung wider. Eine Schwäche, welche die Militärs erkannten und sich zu Nutze machen wollten.

Der Umschwung zum Umsturz

Bei einem Treffen am 24. November schlägt Tenente-Coronel Luís Ataíde Banazol, der mit seinem Bataillon kurz vor dem Aufbruch nach Guinea-Bissau stand, vor, dem Regime mit seinem Bataillon sofort den Gnadenstoß zu geben. SeinVorschlag wurde abgelehnt, entfachte aber eine offene Debatte über einen Sturz der Regierung. Schon eine Woche später, am 1. Dezember, diskutieren die Capitães drei essentielle Fragen: A) Ob sie die Macht übernehmen sollten, um die Demokratisierung voranzutreiben, B) Ob die Regierung zu einem Referendum über ein Ende des Kriegs in den afrikanischen Kolonien gezwungen werden sollte, oder C) Ob das Militär die Macht übernehmen sollte, um den Kolonialkrieg zu beenden. Die Variante C) siegte mit knapper Mehrheit vor der in A) vorgesehenen Lösung.
Als Staatschefs wurden die Generäle Costa Gomes, Spínola und Kaúlza de Arriaga (letzterer weit abgeschlagen und nur von den Fallschirmspringern favorisiert) vorgeschlagen. Die Bewegung wurde in Movimento dos Oficiais das Forças Armadas umbenannt und dehnte sich weiter aus.

Caetano – Hoffnung und Enttäuschung

Die meisten Offiziere hatten anfangs große Hoffnung in Marcelo Caetano, den Nachfolger Salazars, gehegt. Doch die anfänglichen Reformen verebbten bald. Der marcelinische Frühling mündete direkt in die alte klirrende Kälte, die dem Regime schon vorher eigen war. Starre Strukturen, die sich nicht änderten. Als Caetano 1971 ein etwas autonomeres Statut für die Kolonien Angola und Moçambique erließ, war es für die meisten Offiziere schon zu spät, als daß sie dies als Schritt in die richtige Richtung interpretieren wollten. Die Reformen mußten wesentlich weiter gehen, als nur eine oberflächliche Namensänderung zu beinhalten. Den letzten Grund zur Verschwörung lieferte die Wiederwahl von Américo Tomás zum Präsidenten. Das Beförderungsgesetz war nur der Stein, der die Lawine ins Rollen brachte, die sich in der Eiseskälte des starren Regimes zusammengebraut hatte.

Die „unwissenden” Köpfe der Verschwörung

Auch auf Seiten der Generäle gab es seit längerem Widerstand gegen die Regierung. Ausgerechnet die einzigen Generäle, auf die Caetano etwas hielt, waren die Köpfe von Verschwörungen. Costa Gomes, der Chef des Generalstabs der Streitkräfte, wurde mit seinem Vize Spínola nach der Veröffentlichung dessen Buchs „Portugal e o Futuro” von seinen Ämtern entbunden.
Auch die anderen, Kaúlza de Arriaga, Joaquim Luz Cunha, Bettencourt Rodrigues und Silvino Silvério Marques konspirierten auf die eine oder andere Art gegen die Regierung und deren Kolonialpolitik, wobei Costa Gomes und António Spínola Kontakt zum MFA hatten. Costa Gomes wurde schon im Oktober von den Aktivitäten der Kapitäne unterrichtet und unterstützte sie im Kampf gegen des Beförderungsgesetz.
Marcelo Caetano glaubte bis zum Ende, daß diese Generäle die anderen Offiziere beschwichtigen könnten und würden.

Die Geheimnisse der Geheimpolizei

Auch in der Geheimpolizei PIDE/DGS gab es Inspektoren, die dem MFA nahe standen. Die meisten waren in Afrika mit den Offizieren in Kontakt gekommen, da die PIDE gleichzeitig als Nachrichtendienst fungierte und das Militär mit Informationen aus Guerrilla-Kreisen versorgte.
So wurde das MFA schon im Januar darüber aufgeklärt, daß die Telefone bestimmter Kapitäne vom Geheimdienst abgehört wurden, denn die Geheimpolizei war schon früh über die Aktivitäten der Capitães informiert. Doch wegen der Brisanz und der Menge an Verschwörern im Militär wollte die PIDE erst die offizielle Order zum Eingreifen einholen. Diese wurde allerdings nie gewährt, wohl weil Caetano glaubte, daß die Generäle ihm beistehen würden und die Offiziere zur Räson bringen würden.
Nach dem 25. April blieben die Kollaborateure von der Verfolgung ausgeschlossen. Die PIDE-Agenten, die im Inland tätig waren, wußten allerdings, warum sie sich in ihrem Hauptquartier im Chiado verschanzten.
Doch das MFA war den Geheimpolizisten nicht unaufgeschlossen, so wurde schon vor dem 25. April darüber diskutiert, die PIDE/DGS in einen neuen Geheimdienst zu wandeln. Um den Kolonialkrieg fortzusetzen, erhielt man die PIDE/DGS in den Kolonien erst einmal am Leben, während sie in Portugal aufgelöst wurde.

MFA der Spiegel der portugiesischen Gesellschaft

Als Otelo das Programm des MFA Spínola zeigte, sagte dieser „Das riecht mir nach Kommunismus!” – doch die Änderungen des Generals wurden von den Capitães akzeptiert. Unter anderem wurde die Forderung nach direkter Aufgabe der Kolonien in die Suche nach einer politischen Lösung abgeschwächt, wobei die Position des MFA klar war und blieb, was Otelo bei einem Friedensgespräch in Moçambique auch deutlich zum Ausdruck brachte. (Sehr zum Unwillen des damaligen Außenhandelsministers Mário Soares, der von Staatschef Spínola den Auftrag bekommen hatte, einen Waffenstillstand auszuhandeln, ohne die Stellung Portugals zu schwächen.)
Doch auch wenn das Programm des MFA links gerichtet war, so mußte es zur damaligen Zeit verglichen mit den Forderungen der PCP (Partido Comunista Português) und der Sozialisten eher als gemäßigt links eingestuft werden.
Doch die verschiedenen Positionen von Generälen und Offizieren, die nicht nur die Ränge, sondern auch die Lager spalteten, endete nach dem 25. April schnell in Konflikten, die zum Rücktritt Spínolas und nach dem gescheiterten Putschversuch am 11. März 1975 zu seiner Ausweisung führten und mündeten in den niedergeschlagenen Linksputsch vom 25. November und den darauffolgenden, endgültigen Einzug der Demokratie.
Doch auch wenn die Kapitäne des MFA politisch gegensätzlicher Meinung waren, in einem stimmen sie auch heute noch überein. Vasco Lourenço und Otelo Saraiva de Carvalho formulierten es in einem Fernsehinterview sehr umgangssprachlich: „Fizemos uma coisa bonita, pá!”

Martin Heiden
         

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Diese Seite wurde erstellt von Martin Heiden am 25.07.99