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Nelkenrevolution:

- Entwicklung zu einem friedlichen Staatsstreich -

Am 25. April 1974 stürzte das Movimento das Forças Armadas (MFA), eine Initiative von Capitães des portugiesischen Heeres, die Diktatur. Die folgenden Artikel sollen die Nelkenrevolution aus verschiedenen Gesichtspunkten beleuchten. Dabei sollen eher kleine Geschichten in den Vordergrund treten: „Wußte die Geheimpolizei PIDE (Polícia Internacional de Defesa do Estado) von den Plänen des Umsturzes” oder „Wo fand der Widerstand gegen das Salazar-Regime statt?”

Doch zuerst zu den Ereignissen am und um den 25. April:
Eine Militärrevolte vom 28. Mai 1926 hatte die Erste Republik in Portugal beendet und eine Militärdiktatur begonnen, die bald faschistische Züge annahm. Schnell entwickelte sich der 1928 als Finanzminister benannte Oliveira Salazar zur politischen Referenzfigur des neuen Regimes. Die neue Verfassung von 1933 schuf einen starken, neuen Staat, den Estado Novo, der sich auf den korporativen Nationalismus, sozio-ökonomischen Interventionismus und kolonialen Imperialismus stützte. Mit Beginn des spanischen Bürgerkriegs kristallisierte sich immer mehr die Unterdrückung der politischen Gegner heraus. Die Geheimpolizei PIDE, die mit Hilfe der deutschen GESTAPO aufgebaut wurde, war das gefürchtete Instrument der Unterdrückung.
Nachdem Salazar im Jahr 1969 einen Schlaganfall erlitten und wenig später gestorben war, hatte Marcelo Caetano die Staatsgeschäfte übernommen. Caetano versprach zwar eine Liberalisierung, doch die Änderungen beschränkten sich auf die Namen der repressiven Organisationen, so wurde die PIDE in DGS (Direcção-Geral de Segurança) umbenannt. Hinzu kamen die Auswirkungen des langen Kolonialkriegs, der 1961 begann. Doch auf politischem Wege Einfluß zu nehmen, war unmöglich, wie die Vertreter der Opposition feststellen mußten. So scheiterten die Bemühungen von General Humberto Delgado ebenso wie die vielen Gesetzentwürfe von Sá Carneiro.
Als General António de Spínola am 22. Februar 1974 sein Buch „Portugal e o futuro” veröffentlicht, in dem er die Meinung vertritt, daß der Kolonialkrieg nicht zu gewinnen sei und es eine politische Lösung geben müsse, liegt die Revolution schon in der Luft. Am 14. März enthebt die Regierung Spínola und Costa Gomes, Chefe und Vize-Chefe de Estado Maior General das Forças Armadas, ihrer Ämter. Am 16. März scheitert der erste Versuch eines Staatsstreichs in Caldas da Rainha. 200 Militärs wurden daraufhin verhaftet.
Am 24. März traf sich das MFA zum letzten Mal vor der Revolution. Otelo Saraiva de Carvalho, einer der umstrittensten Personen der neueren portugiesischen Geschichte, arbeitete einen neuen Plan aus und informierte die beteiligten Regimenter am 23. April. Am gleichen Tag nahm er Kontakt zu Spínola und Costa Gomes auf, die vom MFA als politische Spitze nominiert worden waren, um sie über die Pläne der Capitães in Kenntnis zu setzen.
Als Radio Renascença am 25. April um 0.20 „Grândola Vila Morena” im Programm Limite sendet, ist klar, daß der Staatsstreich durchgeführt wird. Die Revolution nimmt ihren Lauf (siehe Kasten).

22:00 (24 April) Die Emissoras Associadas de Lisboa senden „E Depois do Adeus” von Paulo de Carvalho als Zeichen, daß die revoltierenden Streitkräfte die Kasernen verlassen sollen.
00:20 Radio Renascença sendet „Grândola Vila Morena” von Zeca Afonso, als Zeichen, daß die Aktion angelaufen ist.
03:00 Im ganzen Land beziehen die Militärs Stellung. In Lissabon werden die strategisch wichtigsten Punkte besetzt.
03:30 PSP und GNR bekommen von der Regierung die Order, sich vorzubereiten.
04:00 Der Flughafen wird besetzt, der portugiesische Luftraum gesperrt.
04:20 Der Radio Clube Português sendet die erste Stellungnahme des MFA.
05:00 Marcelo Caetano wird über den Staatsstreich informiert und flüchtet ins Hauptquartier der GNR am Largo do Carmo.
05:15 Ein dritter Aufruf des MFA richtet sich an die Schutzpolizei (PSP), die Nationalmiliz (GNR), die Elitetruppe Legião Portuguesa und den Geheimdienst PIDE/DGS, und befiehlt ihnen, den Befehlen des Movimento zu folgen.
05:30 Die Truppen unter dem Kommando von Salgueiro Maia erreichen Lissabon von Santarém über die Autobahn kommend.
06:00 Eben diese Truppen besetzen den Terreiro do Paço (Praça do Comércio).
06:45 Erneute Stellungnahme des MFA via Radio. Das Militär sei Herr der Lage.
07:00 Die Ponte da Arrábida in Porto und das Fort von Peniche werden besetzt.
07:30 Wieder eine Stellungnahme des MFA: „Viva Portugal!”
07:52 Das staatliche Radio, welches das normale Programm fortgesetzt hatte stellt die Übertragung ein.
08:00 Regierungstreue Truppenteile stoßen auf dem Terreiro do Paço mit Teilen des MFA zusammen.
08:30 Erste Ausstrahlung eines Kommuniqués des MFA über den staatlichen Rundfunk.
10:15 Die Baixa wird blockiert. Flugzeuge kreuzen über Lissabon.
11:00 Salgueiro Maia zieht vom Terreiro do Paço zum Largo do Carmo. Die ersten „Liberdade”-Schreie ertönen.
11:30 Das Hauptquartier der GNR wird umzingelt das Volk füllt die Straßen und den Largo do Carmo.
11:45 Eine neue Stellungnahme des MFA berichtet, daß ganz Portugal unter der Kontrolle der Militärs stehe.

Largo do Carmo (Hauptquartier der GNR)
07:00 Marcelo Caetano sucht Zuflucht.
11:30 Die Truppen von Salgueiro Maia beziehen Stellung.
15:00 Nach Ablauf eines Ultimatums werden einige Salven aus Maschinengewehren auf die Fassade abgegeben.
18:00 Spínola kommt an.
19:00 Hauptmann Francisco Sousa Tavares besänftigt die Menge vom Dach einer Telefonzelle aus.
19:30 Marcelo Caetano gibt auf.

Rua António Maria Cardoso (Sitz der PIDE/DGS)
20:00 Demonstranten beziehen Stellung, im Gebäude haben sich rund 200 bewaffnete Agenten verschanzt.
20:30 Die PIDE eröffnet das Feuer auf die Demonstranten: 4 Tote, 20 Verwundete.
21:00 Truppenteile umstellen das Gebäude.
22:00 Ein Agent wird auf der Flucht erschossen. Andere entkommen über die Hintertreppe.
08:30 (26. April) Die PIDE-Agenten werden nach und nach verhaftet.

 Martin Heiden
         

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Diese Seite wurde erstellt von Martin Heiden am 25.07.99