- Kein Platz für Wahlpflichtfächer in interdisziplinärem Studiengang? -Ein Seminar mit 4 Teilnehmenden und Direktkontakt zum Prof, gibt es das überhaupt noch an der Kölner Massenuni? Zugegebenermaßen erfordert es schon viel Ausdauer, die Wirren des Vorlesungsverzeichnisses zu durchdringen oder diverse Homepages der Wiso-Fakultät zu durchsurfen, um auf die Vorlesung und das zugehörige Hauptseminar “Kooperatives Wirtschaften in Entwicklungsgesellschaften” zu stoßen. Geleitet wird die Veranstaltung von Prof. Dr. H.-J. Rösner und findet regelmäßig im Wintersemester im Rahmen des Seminars für Genossenschaftswesen statt. Genossenschaftswesen ist wählbar als Wahlpflichtfach der Volkswirtschafts- oder Betriebswirtschaftslehre, für RegionalwissenschaftlerInnen leider (bisher noch) nicht im Fächerkanon enthalten. Dabei ist es gerade für RegionalwissenschaftlerInnen, die entwicklungspolitisch interessiert sind, äußerst informativ und praxisnah. Neben allgemeinen Theorien über Kooperatives Wirtschaften (darunter fallen alle Formen elementarer Selbsthilfe und Genossenschaften) wird man über den Stand aktueller entwicklungspolitischer Diskussionen unterrichtet. Ein großes Plus ist die persönliche Erfahrung des Professors auf diesem Bereich, er ist für politische Stiftungen tätig und hat selbst einige Jahre in Lateinamerika gelebt. Sehr interessant wird es dann, wenn die ökonomisch motivierte Entwicklungsstrategie Chiles in Frage gestellt wird und der Erfolg der neoliberalen Tigerstaaten durch eine vorausgegangene Importsubstitutionsstrategie begründet wird. Spätestens dann müßte jede/r RWLer/in die in der VWL-Pflichtveranstaltungen verbreitete Lehre hinterfragen, wird dort nicht immer das “Musterländle Chile” kritiklos hochgelobt? Leider (aus der Perspektive einer/s RWLerin/s) gehört das Fach Genossenschaftswesens zur Betriebswirtschaftslehre. Deshalb ist es auch bisher offiziell nicht möglich an diesem Lehrstuhl Diplomarbeiten zu schreiben. Die einzige Hintertüre, um aus diesem Prüfungsordnungsdschungel zu entrinnen, ist eine Kooperation des Lehrstuhls für Genossenschaftswesen mit einem VWL-Lehrstuhl. Im Klartext heißt das, man schreibt z.B. offiziell bei Prof. Feldsieper (VWL), wird aber von Prof. Rösner (Genossenschaftswesen) betreut. Welchen Vorteil haben wir also von unserem vermeintlich interdisziplinären Studiengang? Wir studieren zwar eine Menge Fächer, aber Genossenschaftswesen ist leider nicht dabei, die einzige Hoffnung liegt noch in einer vernünftigen Reform unserer Studienordnung, bei der man sich im Hauptstudium wirklich auf eine der vier Fachrichtungen spezialisieren kann und so Zugang zu VWL-Wahlpflichtfächern bekommen könnte. Aber keine Sorge, abwarten und Te(e)quila trinken, vielleicht klappt es ja noch vor dem Jahr 2000........ Constanze Neher Diese Seite wurde erstellt von Martin Heiden am 05.05.99 |