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Todos os Nomes

- Das Leben hat seinen Namen -

„Todos os Nomes“ – Alle Namen, steht über dem Eingang zum Conservatória Geral do Registo Civil, dem Arbeitsplatz von Sr. José, dem Protagonisten aus José Saramagos aktuellen Roman, dessen Titel ebenfalls „Todos os Nomes“ lautet.

Sr. José führt ein zurückgezogenes Leben in seinem kleinen Haus direkt neben seinem Arbeitsplatz. Er kam in 26 Jahren nie zu spät und widerstand nie einem Befehl. Seine einzige Leidenschaft ist seine Sammlung von Zeitungsausschnitten und Berichten über berühmte Persönlichkeiten. Eines Tages beschließt er, gegen die Order, die Türe zur Conservatória Geral geschlossen zu halten, um weitere Informationen über berühmte Menschen zu sammeln. Bei einem dieser Ausflüge fällt ihm zufällig die Akte einer unbekannten Frau in die Hände. Sr. José beschließt, diese Frau zu finden.

Dabei lernt er die madrinha der Gesuchten kennen, bricht in eine Schule ein und findet schließlich heraus, daß sich die unbekannte Frau einige Tage zuvor das Leben genommen hat. Auf dem Friedhof sucht er ihr Grab auf, doch ein Schäfer erzählt ihm, daß er heimlich die Nummern der Gräber vertauscht habe und daß die Namen im Register nicht zu den Toten in den entsprechenden Gräbern gehören.

José Saramago malt in seinem Roman „Todos os Nomes“ eine kafkaeske Szenerie. Die vier Hauptschauplätze Conservatória Geral, Schule, Stadt und Friedhof sind Labyrinthe. Die Grundatmosphäre ist düster. Alle Räume sind dunkel, es regnet ständig. Alles erinnert an die Suche des Landvermessers K. in Kafkas Roman „Das Schloß“.

Die düstere Stimmung tauchte auch schon in „O Ano da Morte do Ricardo Reis“ auf. Es ist ein zur Karikatur übertriebenes Bild der menschlichen Ängste und Befürchtungen. Auch die Person des Sr. José erinnert an ein vorangegangenes Werk Saramagos, nämlich an den Lektor Raimundo Silva aus der „História do Cerco de Lisboa“. Sie haben beide etwa das gleiche Alter, leben alleine in einfachen Häusern. Auch der Impuls, der zu der ungewöhnlichen Handlung führt, scheint gleich. Doch was motiviert sie? Es scheint, als gebe es keine. Die eigene Existenz rechtfertigen? Aus der Routine ausbrechen?

„Todos os Nomes“ ist ein Roman ohne Namen, nur der Protagonist, Sr. José, hat einen. Alle anderen Charaktere werden durch Periphrasen charakterisiert. So gibt es „a senhora do rés-do-chão“, „a mãe da criança“ oder „o marido ciumento“. Ohne eigenen Namen werden die Personen universell, sie umfassen das ganze menschliche Universum, alle Personen, alle Namen, wogegen Eigennamen die Personen individualisieren. Neben dem des Protagonisten gibt es nur noch drei weitere Eigennamen, „Conservatória do Registo Civil“, „Cemetério Geral“ und „Ariadne“. (Der Faden der Ariadne hilft dabei, aus einem Labyrinth wieder hinauszufinden).

„Todos os Nomes“ ist eine Abhandlung über das Leben. Eine Reflexion von der Geburt bis zum Tod. Ein Buch voller Symbole und mythologischer Anspielungen. Ein Roman, der geradezu vor Ironie sprüht. Saramago ging einen weiteren Schritt auf seinem neuen Weg, den er mit dem „Ensaio sobre a Cegueira“ einschlug.

Martin Heiden

José Saramago: „Todos os Nomes“, Editora Caminho, Lissabon 1997, ISBN 972-21-1137-X, 279 Seiten.

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Diese Seite wurde erstellt von Martin Heiden am 05.05.99