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- Kleine Kredite mit großer Wirkung -

Die argentinische Stiftung EMPRENDER unterstützt seit 1992 mit großem Erfolg Kleinstunternehmen mit der Vergabe von Krediten und Weiterbildungsmöglichkeiten. Ein Blick zurück:

Seitdem sich der Erfolg der Grameenbank in Bangladesch herumgesprochen hatte, entwickelte sich das Konzept der Kleinkreditvergabe als alternative Entwicklungshilfe zum Renner. Und so war mittlerweile sogar die Citicorp Foundation/Citybank dahintergekommen, daß auch Microfinanzgeschäfte Finanzgeschäfte sind, die sich lohnen können. Kleinvieh macht auch Mist, sagte sich die Firmenleitung 1996 und griff der argentinischen Stiftung tatkräftig unter die Arme. Die Unterstützung lag im Trend. Mit viel Enthusiasmus waren Idee und Konzept der Grameenbank und der Rakyat Bank/Indonesia aufgegriffen und in vielen Ländern, nicht nur in Lateinamerika, weiterverbreitet worden. Ein Netzwerk Für die mittlerweile in 14 Ländern Lateinamerikas existierenden Institutionen, die sich die Unterstützung der Allerkleinstunternehmer auf die Fahnen geschrieben haben, fungiert seit 30 Jahren als Dachorganisation eine US-amerikanische NGO, die sich ACCION Internacional nennt und mit technischer Unterstützung und finanzieller Starthilfe zur Seite steht.

So auch in Argentinien. 1992 wurde EMPRENDER von einer kleinen Gruppe argentinischer Unternehmer mit Hilfe ehemaliger Bankiers im Großraum Buenos Aires ins Leben gerufen. Beispiel Argentinien Inzwischen gibt es allein im Großgürtel von Buenos Aires fünf Filialen und fünf weitere in den größeren Städten im Landesinneren, weitere sind bereits fest eingeplant.

In den ärmeren Außenbezirken der Städte findet sich der Löwenanteil der Nachfrage nach Kleinkrediten: fliegende HändlerInnen aller Art, KioskbesitzerInnen und LebensmittelhändlerInnen, HandwerkerInnen und TaxifahrerInnen, Schuhputzende und KramladeninhaberInnen, kurz, alle, die ihren Lebensunterhalt mit selbständiger Arbeit bestreiten und nicht mehr als fünf Beschäftigte haben, werden als microempresarios bezeichnet. Meistens gehören sie dem informellen Sektor an, tauchen daher in den wenigsten Statistiken auf und oft ist ihre Beschäftigung, aus der Not geboren, die einzige Einnahmequelle für die Familie, deren Mitglieder alle mit eingespannt werden. Sieben Tage die Woche arbeiten ist üblich, eine Verbesserung der Lebensqualität unwahrscheinlich und soziale Absicherung oder Gesundheitsvorsorge utopisch. So utopisch wie ein Bankenkredit für ihr Geschäft, denn die Bedingungen für einen noch so niedrigen Kredit können sie nicht erfüllen; abgesehen davon, daß die Banken des formellen Sektors an der Kreditvergabe von US$ 500 - 1500 nicht interessiert sind. Die Kosten sind prohibitiv und das Vorurteil, daß Arme nicht kreditwürdig sind, läßt sich nur langsam abbauen. Und selbst wenn eine Bank Kredite wie EMPRENDER vergeben wollte, dürfte sie das nicht: die Zentralbank hat spätestens seit der Reformierung des Finanzmarktes unter Menem und seinem damaligen Minister Cavallo der leichtfertigen Kreditvergabe einen eisernen Riegel vorgeschoben. Zu oft war dabei in der Vergangenheit geschludert worden und zu oft hatte die Zentralbank rettend eingreifen müssen.

Angepaßte Arbeitsmethoden als Schlüssel

EMPRENDER ersetzt die Konditionen der Banken durch andere Vorgaben: vier bis sechs voneinander unabhängige Geschäftsleute bilden jeweils eine solidarische Gruppe und jedeR einzelne steht für die Gesamtkreditsumme ein. Herrscht Vertrauen unter den Gruppenmitgliedern, vertraut die Stiftung der Gruppe und vergibt den Kredit. Ein Photo, eine Kopie des Ausweises und ein offizielles Schreiben, das die angegebene Adresse angibt, wie die Gas- oder Wasserrechnung sind außer zwei Referenzen die einzigen Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen. Eine Referenz kann dabei zur Not vom Bäcker im Viertel sein, bei dem mensch anschreiben läßt. Nach einem Besuch des oder der KreditberaterIn in den einzelnen Geschäften werden dann die Kreditbeträge für jedeN festgelegt und innerhalb einer Woche nach der Beantragung des Kredites halten die Geschäftsleute den Scheck endgültig in den Händen. Der brandneuen Ware im Regal, der neuen Maschine oder dem festen Stand auf dem Markt steht nun nichts mehr im Weg.
Kann allerdings ein Mitglied die wöchentliche Rate nicht bezahlen, müssen die anderen den Betrag mit abdecken. Wichtig bei der Kreditvergabe und Hauptaufgabe des Beraters ist daher, daß die Raten wirklich bezahlbar sind. Hat sich eine Gruppe bewährt, die Raten immer bezahlt und ist das Geschäft gewachsen, so hat die Gruppe immer wieder Zugang zu weiteren und höher angepaßten Krediten. Als unerläßlich erweist sich dabei das zweite Standbein der Stiftung: die Weiterbildung. Wer bei EMPRENDER Kreditnehmer ist, hat die Möglichkeit, Kostenrechnung, Buchführung und Marketing - oder einfach das Schreiben - zu erlernen oder sich an ausgebildete Menschen zu wenden, die sich genau des jeweiligen Geschäftes annehmen.

Traumhafte Rückzahlungsquoten bei hohem Risiko

Und so sieht EMPRENDER in Zahlen für 1997 aus:
US$14.557.000 wurden insgesamt an 3.206 Gruppen ausgezahlt, die durchschnittliche Kredithöhe lag bei US$979. Die Zahl derjenigen, die mehr als 30 Tage mit ihren Zahlungen im Rückstand lagen, wird mit 8.37% angegeben, eine Ziffer, von der viele Banken in Lateinamerika nur träumen können. Um so mehr, als berücksichtigt werden muß, daß die Zinsen deutlich teurer sind als auf der Bank, denn in vielen Städten ist die NGO dazu gezwungen, als Zwischenhändler zwischen Banken und KreditnehmerInnen der immer steigenden Nachfrage nach den Kleinkrediten Herr zu werden. Ein Ende dieser Nachfrage ist noch lange nicht in Sicht, im Gegenteil. Bienvenido, clase media steht an einen Betonpfeiler am Eingang in ein Armenviertel und bestätigt, daß durch die steigende Arbeitslosigkeit der informelle urbane Sektor immer weiter anwächst. Unbestritten ist auch, daß für immer mehr Arbeitnehmer das Gehalt zum Überleben nicht mehr ausreicht; in beiden Fällen versuchen es viele mit einem (Neben-)Geschäft auf eigene Rechnung.

Und ist die Unterstützung dieser Geschäfte so erfolgreich, daß in diesem Sektor sogar neue Arbeitsplätze geschaffen werden, wie das bei einigen Klienten der NGO der Fall ist, so ist das Grund genug für den argentinischen Staat, die Methode ebenfalls aufzugreifen und eine weitere Organisation, in dem Fall eine GO, ins Leben zu rufen. IDEMI, Instituto para el Desarrollo de la Microempresa, so heißt der zweite Tropfen auf dem heißen Stein. Die micros freut’s, zumindest die, die nicht zum informellen Sektor gehören, denn die bekommen die Kredite billiger, klar, ist ja Geld vom Staat. Nur die Zahlungsfreudigkeit ist nicht ganz so hoch.

Wie finanziert sich das ganze ?

IDEMI hat im Gegensatz zu NGOs auch keine Probleme mit der Finanzierung. EMPRENDER finanziert sich aus Spenden und aus der Tätigkeit als Zwischenhändler. Die Filiale in San Miguel de Tucumán beispielsweise verdankt ihre Existenzgründung einem Fonds von C&A und für die geplante Zweigstelle in Catamarca hat ein Bergbauunternehmen aus der Region die Kosten übernommen.
Aber erst die Gelder der Citybank 1996 haben maßgeblich ermöglicht, daß die Kreditvergabe weiter läuft. Wie gesagt, es ist längst noch nicht genug, die Nachfrage ist immens und dabei sind die Institutionen erst in den grösseren Städten vertreten.

Ein ermutigendes Beispiel findet sich in Bolivien, dort hatte es eine NGO vor einigen Jahren geschafft, als formelle Bank anerkannt zu werden; so wurde auch das Finanzierungsproblem gelöst und die Zinsen konnten deutlich gesenkt werden. Heute ist die BancoSol/Banco Solidario eine der erfolgreichsten Microkreditinstitutionen auf dem Kontinent und Vorbild für die meisten NGOs. An der Transformation in formelle Banken wird derzeit überall in Lateinamerika gearbeitet, in Argentinien allerdings sind die Vorgaben der Zentralbank zu hoch, also wird die Finanzierung bis auf weiteres das größte Problem bleiben.

Alexandra Geiser

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Diese Seite wurde erstellt von Martin Heiden am 05.05.99