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Die Wiederentdeckung der Alcaldes Auxiliares im westlichen Hochland

- Traditionelle Dorfverwaltung: -

- ein Baustein für eine demokratischere Zukunft in Guatemala? -

Basispolitisierung, Mitbestimmung und Reformpolitik gelten als wichtige Bestandteile für nachhaltige demokratische Entwicklung. Es geht dabei um strukturelle Machtveränderung, die aus dem Inneren der Gesellschaft heraus geschaffen werden soll. Dies kann erreicht werden durch Dezentralisierung d.h. Übertragung von Entscheidungen von nationaler auf regionale und lokale Ebene und durch aktive Partizipation aller Bevölkerungsgruppen, maßgeblich durch die Schaffung einer starken Zivilgesellschaft.
Seit der Unterzeichnung der Friedensabkommen zwischen Regierung und Guerillaorganisation im Dezember 1996 befindet sich Guatemala in einem Transformationsprozeß. Durch die Friedensabkommen wurde neuen Akteuren Räume geschaffen, den kulturellen und sozio-ökonomischen Dualismus der Gesellschaft zwischen Indígenas und Ladinos zu überwinden und einen multiethnischen plurikulturellen Staat zu errichten. Einen solchen Raum könnte die lokale Ebene der Politik einnehmen, weil dort zumindest im westlichen Hochland noch vorhandene Systeme traditioneller Dorfverwaltung mit dem staatlichen Kommunalverwaltungssystem aufeinandertreffen.

 

Reform der Gemeindeordnung

Ende September, an einem Samstagmorgen sind im Salón de Honor de los Alcaldes Auxiliares in der Kleinstadt San Miguel de Totonicapán etwa 40 Männer zusammengekommen, allesamt Alcaldes Auxiliares (zu deutsch Hilfsbürgermeister) und oberste Autoritäten der 48 umliegenden K’iché-Dörfer. Sie haben sich in einer Vereinigung mit eigenem Vorstand organisiert, um der staatlichen Munizipalverwaltung geschlossen gegenübertreten zu können. Heute steht ein besonderer Punkt auf der Tagesordnung der Versammlung. Leonardo, der Kongreßabgeordnete für den Wahlbezirk von der Regierungspartei PAN (Partido de Avanzada Nacional) soll einen von den Alcaldes ausgearbeiteten Vorschlag zur Reform der Gemeindeordnung in den Kongreß einbringen. Leonardo erscheint, gibt sich bürgernah und spricht fast ausschließlich in K’iché, der Sprache der anwesenden Alcaldes, zweifelt aber daran, daß er viel für die Alcaldes wird erreichen können, denn unter den sieben Indígenaabgeordneten bestehe keine Einigkeit, Parteiinteressen und der Wettbewerb um den Erhalt von Geldern und Beratung durch ausländische Nichtregierungsorganisationen seien vorrangig.

Wichtigster Gesichtspunkt bei der Reform der Gemeindeordnung sind für die Mayas die ohnehin wenigen Artikel über die Figur des Alcaldes Auxiliar und die traditionelle Dorfverwaltung. Laut bestehender Gemeindeordnung nimmt der Alcalde Auxiliar die Vertretung der staatlichen Munizipalverwaltung in den Dorfeinheiten wahr und wird vom demokratisch gewählten Munizipalbürgermeister ernannt. Dies entspricht zumindest in Totonicapán keineswegs den wirklichen Verfahrensweisen. Dort ist der Alcalde Auxiliar oberste Mayaautorität seines Dorfes und deshalb Vertreter seiner Dorfgemeinschaft vor der Munizipalverwaltung, er ist also vielmehr eine Art Dorfbürgermeister. Die traditionellen Ernennungsverfahren, die von Dorf zu Dorf verschieden sein können, sollen in der Gesetzgebung respektiert werden. Das verbreitetste Verfahren ist die Übertragung des Amtes für den Zeitraum eines Jahres durch den Entscheid der Dorfversammlung, die im Oktober oder November eines jeden Jahres zusammentritt. Die Entscheidungsfindung kann durch Konsensprinzip, Bestimmung der geeigneten Person durch ehemalige Amtsinhaber und sonstige für die Gemeinschaft verdienstvolle Personen oder durch demokratische Wahlen erfolgen. In den meisten Dörfern sind die Versammlungen offen für alle Dorfbewohner, Frauen und Männer, in anderen nur für Männer und in den wenigsten nur für diejenigen Mitglieder der Dorfgemeinschaft, die sich durch besonderes Engagement auszeichnen. Doch in jedem Falle gilt der Alcalde Auxiliar unter der K’iché-Bevölkerung Totonicapáns als direkt legitimiert, denn der Munizipalbürgermeister repräsentiert für sie nur eine Minderheit. Die Wahlbeteiligung liegt in der Region bei Munizipalwahlen unter 50%. Auch sei durch die kurze ehrenamtliche Amtsdauer eher gewährleistet, daß die Mehrheit der Dorfbewohner dieses Amt einmal in ihrem Leben wahrnehme und die Gefahr geringer, daß sich eine korrupte Politikerelite herausbilde.

Hinsichtlich der Aufgaben des Alcalde Auxiliar bestehen ebenfalls große Differenzen, ist er aus Sicht der staatlichen Verwaltung lediglich ein besserer Nachrichtenüberbringer, führt der Alcalde Auxiliar in Totonicapán seine Dorfgemeinschaft nach Prinzipien des Derecho Consuetudinario (etwa Gewohnheitsrecht). Demnach nimmt er neben der Aufsicht über den guten Zustand der Straßen, der Aufsicht über den Gemeindewald und der Organisation des Dorffestes auch nach unserem Demokratieverständnis richterliche Aufgaben wahr, die mit dem Prinzip der Gewaltenteilung kollidieren. Der Alcalde Auxiliar ist für die Lösung dorfin- und -externer Konflikte zuständig, dabei geht er nach dem Versöhnungsprinzip vor, der erste Schritt ist immer das Gespräch mit allen Beteiligten und ein anschließender Lösungsvorschlag. Bei Diebstahl kann eine Strafe darin bestehen, daß der Schuldige das Diebesgut in Geld- oder Sachwert wieder zurückgeben muß, bei Körperverletzung kann die Strafe in der Übernahme der Kosten für die ärztliche Behandlung bestehen, auch Arbeit für die Dorfgemeinschaft ist ein beliebtes Mittel.

Weiterer Streitpunkt für die Alcaldes Auxiliares von Totonicapán ist die Respektierung des Gemeindewaldes, der nach dem Derecho Consuetudinario jedem Dorf zusteht, in der Gesetzgebung aber bisher nicht als solcher anerkannt wird. Für einen der 48 Alcaldes von Totonicapán gab es vor einigen Wochen deshalb denn auch ein etwas ernsthafteres Problem mit der Munizipalverwaltung: der Bürgermeister hatte ohne vorherige Absprache Bäume im Kommunalwald seines Dorfes fällen lassen, um sich daraus eine Rednertribüne anfertigen zu lassen. Ähnliche Probleme gibt es auch mit Nichtregierungsorganisationen, die aus Unkenntnis des Derecho Consuetudinario ohne vorherige Absprache mit den Dorfautoritäten Wiederaufforstungsprogramme planen.

Neubelebung der Alcaldes Auxiliares


Die lokale Ebene war für die Mayabevölkerung seit der spanischen Conquista der einzige Raum, in dem sie ihre kulturelle Identität bewahren und Widerstand leisten konnten. So erkennen die Alcaldes Auxiliares von Totonicapán die lokale Ebene als Chance an, die in den Friedensabkommmen neu geschaffenen Räume zu nutzen und ihre Rechte beim Staat einzufordern. Die traditionelle Dorforganisation darf keineswegs statisch und als rückwärtsgerichtet verstanden werden, denn nach Vorstellungen der Maya schaffen Erfahrungen der Vergangenheit durch ständige Aufnahme neuer Elemente gemäß dem Bild einer Spirale die Zukunft. So ist auch letztendlich die Figur des Alcalde Auxiliar selbst eine Synthese aus traditioneller Dorforganisation und kolonialspanischem Verwaltungssystem.

Wahrnehmung von Politik und Demokratie


Die Alcaldes Auxiliares von Totonicapán verstehen ihr Amt ausdrücklich als Dienst für ihre Gemeinschaft, sie bezeichnen sich selbst als apolitisch. Mit der Politik wollen sie nicht verwechselt werden, denn Politiker sind korrupt. Aus der Politik entstehen keine positiven Veränderungen für die Mayabevölkerung. Jegliche politische Macht wird ihrer Meinung nach durch korrupte Parteimitglieder ausgeübt, Gelder von Entwicklungshilfefonds versickern im staatlichen Verwaltungssystem und erreichen nicht alle Gemeinden, sondern nur die der wichtigen Parteimitglieder. In die demokratischen Institutionen besteht nach 36 Jahren Bürgerkrieg keinerlei Vertrauen: Demokratie, was das bedeute? Die Vertretung einer Minderheit, das sei nichts für sie. Durch demokratische Wahlen sei auch nichts zu erreichen, denn die seien manipuliert. Wieso solle man jemanden wählen, der nachher sich fernab in der Hauptstadt ein schönes Leben im Kongreß mache.

Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen


Im Zuge allgemeiner Dezentralisierungsbestrebungen als Voraussetzung für eine effizientere Entwicklung haben verschiedene in- und ausländische Nichtregierungsorganisationen für Guatemala die Bedeutung der traditionellen Verwaltungssysteme erkannt. Ihre „Erforschung“ scheint für den Aufbau einer gestärkten Munizipalverwaltung unumgänglich. So haben auch die Alcaldes Auxiliares von Totonicapán vor zwei Jahren Kontakt mit dem Centro Pluricultural para la Democracia: kemb’al tinimit, einer in Quetzaltengango ansässigen guatemaltekischen Nichtregierungsorganisation aufgenommen. Das CPD bietet institutionelle Unterstützung, gibt Trainingsprogramme über den Inhalt der einzelnen Friedensabkommen, über den Stand der aktuellen Politik, über Fragen von Demokratie und Partizipation, analysiert mit den Alcaldes Auxiliares Gewohnheiten und Erfahrungen, hilft bei der Erstellung von Projektanträgen, gibt finanzielle Unterstützung bei der Durchführung der jährlichen Dorfversammlungen, finanziert die Herausgabe eines kleinen Buches der Alcaldes Auxiliares über ihre Geschichte und fördert eine horizontale Vernetzung mit Alcaldes Auxiliares anderer Munizipien. Für das kommende Jahr stehen auch Fragen der Geschlechterpartizipation, der Vernetzung mit Dorfautoritäten anderer zentralamerikanischer Länder und Beratung für die jeweiligen Munizipalregierungen auf dem Programm. Die zentrale Frage ist für das CPD, wie der guatemaltekische Staat von innen heraus partizipativer und demokratischer gestaltet werden kann. Wie die kulturelle Vielfalt kreativ für die Schaffung eines neuen Staates genutzt werden kann. Ansetzen muß man ihrer Meinung nach an der Basis, denn zu lange war die Mehrheit der Bevölkerung vom politischen Entscheidungsprozeß ausgeschlossen. Ferner hofft sie durch die aktive Teilnahme in Vertretungsorganen der Zivilgesellschaft wie der Vertretung in der Kommission für Verfassungsreformen die Interessen der marginalisierten Bevölkerung des Hochlandes zu vertreten. Die Chance der traditionellen Dorfverwaltungssysteme liegt ihrer Meinung nach im Legitimationsvorsprung und der Nähe zur Basis. Auch seien in Elementen wie allgemeinen Dorfversammlungen demokratischere Elemente erkennbar als sie der guatemaltekische Staat bisher kenne.

Partizipation von Frauen


Problematisch sei allerdings die Frage der Partizipation von Frauen, denn in der Geschichte der Alcaldes Auxiliares von Totonicapán habe es bisher nur eine Frau gegeben. Auch an den Dorfversammlungen ist ihre Teilnahme abgesehen vom Zubereiten der Mahlzeiten viel geringer als bei den Männern. Eine Ursache dafür ist sicherlich der Machismus, aber in vielen Dörfern sind Frauen bedingt durch den Bürgerkrieg oder die Arbeitsmigration der Männer in die USA als alleinige Familienoberhäupter zurückblieben Das Argument der Kultur als Hemmfaktor für die mangelhafte Partizipation der Frau zählt nach Meinung des CPD nicht wirklich, denn Mann und Frau seien in der Mayakultur komplementär sie ergänzten sich gegenseitig. Bisher sei es nur so gewesen, daß nach außen der Mann den Kopf hinhalten müsse, aber in „gesunden“ Familien würden alle das Gemeinschaftsleben betreffenden Fragen gemeinsam unter Frauen und Männern besprochen.
Inwieweit es jedoch gelingen wird, den interkulturellen Dialog auszubauen und die Forderungen der Alcaldes Auxiliares in irgendeiner Form bei der Reform der Gemeindeordnung zu respektieren, bleibt fraglich, denn gut zwei Monate nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens ist in einer Meldung der guatemaltekischen Presse vor der dritten endgültigen Lesung im Kongreß zu lesen, „die FDNG (Frente Democrático Nueva Guatemala)-Fraktion beklagt, der offizielle Reformvorschlag der Gemeindeordnung verstoße gegen die Friedensabkommen und berücksichtige nicht ausreichend die Forderungen der indigenen Bevölkerung." Der Pessimismus des Kongreßabgeordneten Leonardo scheint berechtigt gewesen zu sein.

Frauen und Dorfgemeinschaft

Marta García Hernández ist 37 Jahre alt, Lehrerin in einer Grundschule und verheiratet. Sie hat zwei Töchter, zehn und sieben Jahre alt. Im letzten Jahr war sie Alcaldesa Auxiliar (zu deutsch Hilfsbürgermeistern und oberste Autorität ihres K’iché-Dorfes Xantun für die Dauer eines Jahres), jetzt ist sie Präsidentin der Frauengruppe in ihrem Dorf.
Wir haben sie besucht, um von ihr genauer zu erfahren, wie sie als bisher einzige Frau zu einem Amt kam, das normalerweise Sache der Männer ist. Sie freut sich, daß wir sie besuchen und uns für sie interessieren. Nach anfänglicher Schüchternheit beginnt sie immer mehr und offener zu erzählen:
„Es war eher durch Zufall, daß ich an der Gemeindeversammlung zur Wahl des Alcalde Auxiliar teilnahm. Aus Neugierde begleitete ich meinen Ehemann auf die Versammlung. Die Mehrzahl der Versammelten waren Männer. Es standen eigentlich schon die zwei Kandidaten für das Amt und die Stellvertretung fest, als zwei weitere Kandidaten ihre Kandidatur anmelden wollten. Doch die Leiter der Versammlung wollten ihre zwei Kandidaten durchsetzen, worauf ich das Wort erbat, weil dies meiner Meinung nach nichts mit demokratischen Wahlen zu tun hatte. So fragten sie mich, warum ich mich dann nicht als Kandidatin aufstellen lassen würde. Vielleicht sagten sie es nur, um mich zu provozieren, sie dachten wahrscheinlich nicht, daß ich die Aufforderung ernst nehmen, mich erheben würde und vorne zu den übrigen Kandidaten stellen würde. Ich bat meinen Mann um Erlaubnis und er sagte mir, daß ich die Beteiligung der Frau stärken müsse. So kam es, daß sie mich in der Gemeindeversammlung zur Alcaldesa Auxiliar wählten.
Am Anfang ärgerten sich einige Männer, daß ich, eine Frau, das Amt bekommen hatte. Sie sagten, daß Frauen nicht dazu in der Lage wären, so ein Amt zu übernehmen. Deshalb bereute ich es zuerst, aber im Lauf der Zeit gab es sich. Ich merkte, daß ich die Beteiligung der Frau besonders in der Comunidad vorantreiben mußte. Daß ich zeigen mußte, daß wir Frauen dazu in der Lage sind, daß ich meine Aufgaben würde erfüllen können und daß ich andere Frauen motivieren kann.
Das größte Problem war, daß es einigen Männern nicht gefiel, daß ich in dieser Position war, weil die Männer hier machistisch sind. Einige sagten: „was will die dort“. Vielleicht waren sie auch neidisch, aber ich verdiente mit dem Amt ja keinen Centavo, es ist ehrenamtlich. Was die Aufgaben des Alcalde Auxiliar betrifft, hatte ich eigentlich keine größeren Probleme, denn ich verstand mich gut mit meiner Korporation - im Gegenteil, wenn wir für den guten Zustand der Straßen sorgen mußten, halfen die Männer mir. Meine Aufgabe war vielmehr die Koordination. Ich hatte ein kleines Problem drei Tage vor Ende meiner Amtszeit. Ein Junge war im Krankenhaus gestorben und die Familie bat mich, den Totenschein auszufüllen. Doch andere sagten mir, daß dies nicht meine Aufgabe sei und ich deshalb nicht mein Amt erfüllen würde, denn wenn ein Mensch im Krankenhaus sterbe, sei die Ausstellung des Totenscheins Aufgabe des Krankenhauses. Aber ich hatte nur das getan, worum mich die Gemeinde gebeten hatte. Auch wenn es immer Leute in der Comunidad gab, die gegen mich waren, unterstützten mich doch die meisten. Vielleicht habe ich nichts großes vollbracht, aber immerhin war ich ein ganzes Jahr Alcaldesa und habe somit die Bedingungen des Amtes erfüllt. Mit meinem Mann hatte ich keine Probleme, er unterstützte und unterstützt mich immer, denn er sagt, daß die Mitbestimmung der Frau in der Gemeinde wichtig sei. Er war es, der mich dazu animierte, mich als Kandidatin aufstellen zu lassen.
Der Direktor der Schule, wo ich arbeitete, hatte viel Verständnis und gab mir immer frei, wenn ich meinen Aufgaben nachgehen mußte.
Bis heute bin ich in Totonicapán die einzige Frau, die dieses Amt je wahrgenommen hat. Ich traf zunächst auf eine machistische Haltung unter den anderen Alcades. Ich wollte sogar ein Amt, nämlich das des Schriftführers, im Vorsitz der Vereinigung der 48 Alcaldes Auxiliares von Totonicapán übernehmen, aber sie ließen mich nicht. Sie sagten mir, daß dies nicht möglich sei, weil mein Mann zu dieser Zeit Präsident des Komitees für die Aufsicht über die öffentlichen Bäder war. Aber ich sage, mein Mann und ich seien zwei verschiedene Personen.
Man muß die Frauen dazu ermutigen, an den Prozessen in der Gemeinde mitzuwirken, an den Wahlen teilzunehmen und in Gruppen mitzumachen. Ich wünsche mir, daß es nach mir noch mehr Alcaldesas in Xantun gibt. Als ich Alcaldesa war, wollte ich eine Versammlung mit den Ehefrauen der Alcaldes einberufen, aber am Ende hatte ich keine Zeit dazu. Es wäre gut, wenn man mit den Alcaldes des laufenden Jahres redete, damit sie in ihren Comunidades die Frauen aufriefen, an den Gemeindeversammlungen teilzunehmen.
Ja, die Beteiligung der Frau in der Politik ist auch sehr wichtig, ja es stimmt, es gibt nur zwei Mayafrauen, die als Abgeordnete im Kongreß sitzen, aber manchmal sind sie eben nur dort in der Hauptstadt und es fehlt die Kommunikation mit uns.
Ich wurde im letzten Jahr als eine der drei Vertreterinnen meiner Gegend für das nationale Frauenforum gewählt. Leider hatte ich keine Zeit, so daß ich auf diesem Gebiet jetzt gar nichts mehr mache. Ich glaube, es läuft irgend etwas in dieser Richtung, aber ich weiß es nicht. Außerdem muß man für das Frauenforum oft in die Hauptstadt fahren und ich wollte weder meine Töchter noch das Haus alleine lassen.
Auf jeden Fall bin ich viel selbstbewußter als früher. Bevor ich zur obersten Autorität meines Dorfes gewählt wurde, hatte ich vielleicht mehr Angst zu reden, war schüchtern. Ich war zwar schon immer eine aktive Frau, ich war Königin meines Dorfes und erreichte den zweiten Platz in ganz Guatemala, aber meist blieb ich still sitzen.“
Wir bedanken uns bei ihr für das Gespräch, sie stellt uns noch ihrem Ehemann vor und schenkt uns zwei Äpfel zum Abschied, im Augenblick könne sie uns leider nicht mehr geben. Wir sind beeindruckt und zufrieden, der lange Weg und die zwei Stunden Wartezeit hatten sich gelohnt.

Constanze Neher

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Diese Seite wurde erstellt von Martin Heiden am 05.05.99