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Klassiker von Vargas Llosa
- Das grüne Haus -
Schon in die dreizehnte Auflage geht der 1965 zum ersten Mal auf Spanisch erschienene Roman. In ihm entführt
uns Mario Vargas Llosa in das Dickicht des nordperuanischen Amazonasgebietes zwischen Iquitos und der Grenze zu
Ecuador sowie in die Stadt Piura, wo das grüne Haus, die Casa verde steht. Bei dem grünen Haus handelt
es sich um ein -Bordell, einer Einrichtung, der man heutzutage spontan zwar eher die Farbe rot zugeordnen würde,
das in unserem Buch aber grün angestrichen war.
Hier arbeitet
Bonifacia, die als Indianerkind von "gutmeinenden" Nonnen aus ihrem Dorf entführt und in ein Internat
in Santa María de Nieva gesteckt worden war. Als sie zwei anderen, vor kurzer Zeit eingefangenen Mädchen
zur Flucht verholfen hatte, wurde sie kurzerhand vor die Tür gesetzt. Später heiratete sie einen Offizier
der Garnison des gleichen Ortes, und wurde nach dessen Verhaftung "weitergereicht", um schließlich
als Prostituierte im grünen Haus zu enden.
Diese und andere Erzählungen spinnt Vargas Llosa um das grüne Bordell. Wirre Geschichten, die weder chronologisch
noch geographisch streng geordnet sind, fügen sich zu einem düsteren Bild des peruanischen Nordens zusammen.
In der rückständigen Gesellschaft regiert die pure Gewalt. Die Frauen gehören zu den Hauptleidtragenden.
Werden sie vergewaltigt, so nennt man dies in Piura verharmlosend "Stoßverkehr", die Opfer sind
schlichtweg einfach überfahren worden. Auch für daraus eventuell resultierende Sprößlinge
haben sich die Piuraner so nette Bezeichnungen wie "Verkehrsöpferchen", "Verkehrsunfall"
oder "Siebensamen" ausgedacht.
Ein weiteres grundlegendes Motiv des Romans ist die Ausbeutung der Indianer durch Händler, Soldaten und die
herrschenden Gouverneure. Die Händler kaufen den Indianern Kautschuk zu billigsten Preisen ab, die Soldaten
vergewaltigen ihre Frauen und die ach so barmherzigen Schwestern nehmen ihnen die Kinder weg. Wehren sich die Indianer,
dann wird ihnen schnell mit einer Militäraktion eine Lektion erteilt oder ein anderer Indianerstamm auf sie
gehetzt.
Gut, daß der Suhrkamp Verlag diesen Klassiker in einer günstigen Taschenbuchausgabe wieder aufgelegt
hat. Nur hätte vielleicht der einleitende Text auf der dritten Seite geändert werden sollen: "Trotz
seiner relativen Jugend gilt Vargas Llosa mit García Márquez, Fuentes und Cortázar als einer
der vier größten der zahlreichen lateinamerikanischen großen Autoren." Vargas Llosa ist immerhin
schon 1936 in Arequipa/Peru geboren worden…
Johannes Beck
Mario Vargas Llosa, Das grüne Haus (Originaltitel: La casa verde), Suhrkamp Verlag, 13. Auflage Frankfurt/Main
1998, ISBN 3-518-36842-7, 506 Seiten, 19,80 DM.

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Diese Seite wurde erstellt von Martin
Heiden am 11.11.98
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