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Costa Rica
Interne Aspekte der Entwicklung einer Demokratie in Lateinamerika
Costa Rica ein Land, das sich im lateinamerikanischen
Kontext durch eine Reihe von sehr positiven Entwicklungsindikatoren
hervorhebt und sich als Schweiz Zentralamerikas und Oase
des Friedens in dem von Bürgerkriegen gebeutelten Mittelamerika
einen Namen gemacht hat. Dazu trugen die verfassungsmäßige
Abschaffung der Armee im Jahre 1949 sowie die 1983 explizit erklärte
Neutralität ebenso bei, wie die Tatsache, daß 1987 dem damaligen
Staatspräsidenten Oscar Arias Sánchez für seinen Friedensplan
für Zentralamerika der Friedensnobelpreis verliehen wurde.
Das 1989 in Costa Rica gefeierte 100jährige Demokratiejubiläum
gab Anlaß zu einer neuen Diskussion um Art, Mythos und Realität
der costaricanischen Politik und Demokratie.
Welche internen Bedingungen haben zur dauerhaften Etablierung und Konsolidierung
der Demokratie nach 1948 beigetragen? Welche Faktoren waren ausschlaggebend
für die Abwendung von Bürgerkriegen und Staatsstreichen? Welche
Faktoren der Entwicklung der costaricanischen Demokratie machen die
Legitimation des 100jährigen Demokratiejubiläums des Musterländles
fragwürdig?
Ausgehend von diesen Fragestellungen betrachtet Annette Heintz in ihrer
bei Vervuert veröffentlichten Dissertation die Bedingungsfaktoren
der costaricanischen Demokratie und analysiert das Demokratieverständnis
seiner politischen Akteure. Die Arbeit gliedert sich in drei Teile:
Der erste Teil der Arbeit stellt dabei den demokratietheoretischen Rahmen
dar, in dem anhand der Darstellung der modernen, westlichen
und der lateinamerikanischen Demokratiediskussion der der Analyse zugrundeliegende
Demokratiebegriff definiert wird.
Der zweite Teil der Arbeit widmet sich eingehend der Darstellung der
Etappen der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung des
Landes von seiner Entdeckung über die Unabhängigkeit bis hin
zur Revolution von 1948 und verdeutlicht die besondere
andere Entwicklung Costa Ricas. Dabei verliert man durch die
oft allzu ausführliche Beschreibung der innenpolitischen Wirren
manchmal ein wenig den Überblick. Gut, daß sich an jeden
Teil der Arbeit eine Zusammenfassung anschließt, so daß
man das Wesentliche noch einmal in kurzer Form nachlesen kann.
Im dritten Teil der Arbeit werden die institutionellen und sozioökonomischen
Bedingungsfaktoren der costaricanischen Demokratie in der Zweiten
Republik seit deren Etablierung das politische System Costa
Ricas als moderne repräsentative Demokratie bezeichnet werden kann
dargestellt. Nach einer guten und genauen Analyse der Besonderheiten
der Verfassung von 1949 sowie der Entwicklung und Charakteristika von
Parteiensystem, Wahlen und Gewerkschaften folgt eine vergleichsweise
knappe Darstellung der Entwicklungsstrategien und der sozioökonomischen
Entwicklung bis zur Wirtschaftskrise. Lediglich zehn Seiten werden den
entwicklungsstrategischen Veränderungen seit Ende der 70er Jahre
gewidmet.
Ein Ausblick bzw. eine Zusammenfassung über die wirtschaftliche
und politische Entwicklung Costa Ricas in den 90er Jahren fehlt vollständig.
Die Beschreibung der wirtschaftlichen und sozialen Indikatoren bricht
mit dem Jahr 1990 ebenso abrupt ab wie die Zahlenreihen der ohnehin
recht spärlichen Tabellen, so daß Vergleichswerte fehlen.
Interessant wäre es hier gewesen, die jüngsten Entwicklungen
genauer zu betrachten, um über einen sehr allgemeinen Ausblick
der Entwicklung der costaricanischen Demokratie hinaus zu kommen. Eine
Infragestellung des Mythos Costa Ricas als Land ohne Armee ein
Faktor, der sich nach Ansicht von Heintz stabilisierend auf die costaricanische
Demokratie ausgewirkt hat wäre angesichts der enormen Vergrößerung
der costaricanischen Polizeieinheiten in den letzten Jahren in diesem
Zusammenhang sicher angebracht gewesen. Auch die Antwort auf die interessante
(und brisante?) Frage, welche Faktoren die Legitimation des 100jährigen
Demokratiejubiläums fragwürdig machen, kommt etwas zu kurz.
Auf die von Annette Heintz in diesem Kontext in der Einleitung erwähnte
und als historische Fragwürdigkeit bezeichnete Tatsache,
daß Frauen in Costa Rica erstmals 1953 wählen durften, wird
nicht näher eingegangen.
Störend ist, daß Annette Heintz häufig spanische Begriffe
gebraucht, ohne sie zu übersetzen oder zumindest zu erläutern.
Dies erschwert unnötigerweise den nicht der spanischen Sprache
mächtigen Lesern das Verständnis.
Im Fazit werden die Teilergebnisse der vorhergehenden Kapitel noch einmal
kurz und prägnant zusammengefaßt. Annette Heintz kommt zu
der Schlußfolgerung, daß trotz bleibender Herausforderungen
(die jedoch leider nicht näher erläutert werden) und einiger
ungelöster Probleme insbesondere hinsichtlich der Partizipation
das costaricanische Demokratiemodell positiv zu bewerten ist.
Die weitere Entwicklung der Demokratie in Costa Rica sei in einem
günstigen Licht zu sehen und die Stabilität der demokratischen
Institutionen des Landes auch in absehbarer Zeit nicht gefährdet.
Trotz der Auslassung der 90er Jahre, die man bei einer Publikation aus
dem Jahr 1998 sicher erwarten könnte, gibt das Buch Aufschluß
über die Faktoren, die in der Entwicklung Costa Ricas zur Entstehung
einer stabilen Demokratie und der Sonderstellung des Landes im lateinamerikanischen
Kontext beigetragen haben.
Heintz, Annette, Costa Rica: Interne Aspekte der Entwicklung
einer Demokratie in Lateinamerika, Vervuert, Frankfurt/Main
1998, ISBN 3-89354-483-6, 224 Seiten, 56 DM.
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Diese Seite wurde erstellt von Martin
Heiden am 11.11.98
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