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Vordiplom Politik

- Klausurchaos -

„Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen„. So wurde uns kurz vor der Politikklausur mitgeteilt. Wie berechtigt unsere Bedenken aber waren, sollte sich am Morgen der Klausur herausstellen...
Was war geschehen?

Wie eigentlich schon lange bekannt war, trat zum Wintersemester 97/98 eine neue Prüfungsordnung an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in Kraft. Diese sollte auch die Prüfungsmodalitäten für die RWLer in Politik und VWL regeln (man muß sich ja unterordnen). Danach sollten ab diesem Semester die Prüfungen in Politik nach einem anderen System ablaufen (In den Prüfungen Politik A und B jeweils zwei Themenblöcke à 5 Fragen, die beide zu bearbeiten sind). Allerdings hat man bei der Ausarbeitung dieses Systems übersehen, daß es keine Übergangsregelung für Studenten gab, die die Prüfung im Sommersemester 97 nicht bestanden hatten.
Auf deren Beschwerde hin, wurde vom politischen Institut eine besonders kulante Regelung getroffen. Alle RWL-Studenten, die sich im WS 97/98 zur Politik A oder Politik B Prüfung anmelden wollten, sollten die Möglichkeit haben, sich in der Prüfung zu entscheiden, ob sie lieber nach den alten Themen und dem alten System (vier Fragen, von denen eine in Form einer Abhandlung zu bearbeiten ist) oder nach der neuen Prüfungsordnung (Fragenkatalog) schreiben wollten. Dies wurde auf einem Aushang mit Unterschrift und Siegel mitgeteilt.
Erste Zweifel kamen auf, als wir uns schon bei der Anmeldung für eine der beiden Prüfungen entscheiden mußten. Die Erklärung, man möchte ungefähr wissen, wie viele Studenten sich für das alte oder neue System entscheiden, klang allerdings plausibel.
Vor der Klausur brodelte dann die Gerüchteküche ganz gewaltig, aber wir sollten uns ja keine Sorgen machen. Allerdings hatten wir uns schon abgesprochen, daß wir bei unerwarteten Klausurthemen Protest einlegen würden. Wir bekamen also unsere Klausuren, und was mußten wir feststellen? Statt der erwarteten vier Themen nach altem Muster sollten zwei Fragen beantwortet werden, die dann mindestens mit der Hälfte der maximal erreichbaren Punktzahl bewertet sein mußten, um zu bestehen.
Ratlosigkeit machte sich auf den Gesichtern derjenigen breit, die eigentlich nach dem alten System schreiben wollten. Was sollte man tun? Die Herausforderung annehmen oder lieber gleich abgeben und Protest einlegen? Und was war mit den anderen Fragen, die noch auf dem Klausurbogen standen? Auch die Aufsichtspersonen erwiesen sich nicht als besonders hilfreich. Ihre Auskünfte verwirrten eher, als daß sie uns halfen. Durch unseren Unmut kam es natürlich zu einer gewissen Unruhe, was natürlich die anderen Prüflinge störte.
Schließlich kam es zu einer Spaltung: einige der Leute, die nach altem System schreiben wollten, versuchten die Klausur zu schreiben, einige andere vermerkten einen Protest auf dem Klausurbogen, gaben ab und verließen den Raum.
Eine der Aufsichtspersonen hatte freundlicherweise Herrn Masala, den Leiter des politischen Instituts, informiert. Er stand uns dann auch noch während der regulären Klausurzeit für ein Gespräch zur Verfügung.
Insgesamt war dies ein sehr unerfreuliches Gespräch. Uns wurde kurzerhand gesagt, daß alles korrekt abgelaufen sei, und daß eine andere Regelung nicht durch das Prüfungsamt genehmigt worden wäre. Unser Hinweis auf den Aushang wurde mit dieser Begründung entkräftet. Als dies jedoch feststand (bereits im Dezember), wurden wir nicht darüber informiert („Die Adressen standen uns nicht zur Verfügung„, so der Kommentar). Als einzigen Tip erhielten wir die Aussage, wir könnten ja mal mit dem Leiter des Prüfungsamtes sprechen...
Wir wollten uns aber damit nicht zufriedengeben und verfaßten einen Brief an den Dekan, mit dem ausdrücklichen Hinweis auf den Aushang, den wir auch als Kopie beifügten. Dieser Aushang hätte uns auch die Möglichkeit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht geboten, aber das war dann doch nicht mehr nötig, denn aufgrund unseres Briefes wurde eine gütliche Lösung zugesichert.
Nach einigem hin und her wurde schließlich eine Wiederholungsklausur anberaumt, die dann in der Woche vor Vorlesungsbeginn geschrieben werden sollte (als absolut letzte Klausur nach altem System). In dieser Woche waren natürlich nicht alle Studenten anwesend, so daß einige nun doch noch nach dem neuen System ihr Vordiplom schreiben müssen.
Abschließend bleibt noch zu sagen, daß ich es sehr ärgerlich fand, wie wir zunächst behandelt worden sind: sehr unfreundlich und mit einer gewissen Überheblichkeit. Erst als sich mit dem Aushang ein Trumpf in unserer Hand befand, trat man uns freundlich gegenüber.


Frédéric Herrmann

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Diese Seite wurde erstellt von Martin Heiden am 11.11.98