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"Pasaremos!"

- Spanienkämpfer als antifaschistische Helden in der DDR -


„Wir saßen in Kopenhagen im Exil und mußten die Faust in der Tasche machen. Zu Hause in Hamburg richteten die Nazis derweil unsere Freunde aus der KPD mit dem Fallbeil hin. In dieser Situation erreichte uns die Nachricht, daß in Spanien Francos Faschisten gegen die Republik geputscht hatten.„
Heinz Priess erinnert sich noch heute, mehr als sechs Jahrzehnte später, ganz genau an das Gefühl, endlich etwas gegen das verhaßte Regime in seiner Heimat ausrichten zu können. Der 83jährige lebt in Berlin. Nach Ende des Bürgerkriegs und dem Zusammenbruch des Dritten Reichs erlebte der ehemaliger Spanienkämpfer und DDR-Bürger dann, wie seine eigene Existenz unter dem Aushängeschild „Antifaschismus„ instrumentalisiert wurde. Zwar gehörte Priess nicht zur ersten Garde der politischen Führung der DDR; in seinen Memoiren* aber zeichnet der gebürtige Hamburger, den die SED 1951 in die DDR holte, ein klares Bild dieser nach dem Zusammenbruch der DDR mittlerweile historischen Zusammenhänge. In Hinsicht auf die (Wahl-)Erfolge rechtsradikaler Gruppierungen vor allem im Osten Deutschlands hat die Instrumentalisierung politischer Ideologien jedoch ganz sicher an Aktualität nicht verloren.
Doch zunächst zurück zum spanischen Bürgerkrieg:
Der Kampf für Spaniens Republik bedeutete - so auch offiziell die Komintern - den direkten Kampf gegen Hitler. Schätzungsweise 3.500 deutsche Kommunisten, Sozialdemokraten, Anarchisten und anders politisch Gesinnte kämpften vom Sommer 1936 bis Anfang 1939 in Spanien gegen die Errichtung einer faschistischen Macht, die sich auf deutsche und italienische Interventionen stützen konnte.
Obwohl die übernationale republikanische Front, deren Inbegriff die Internationalen Brigaden verkörperten, der militärischen Übermacht letztendlich unterlagen, haftet dem spanischen Bürgerkrieg und seinen Protagonisten (wohlgemerkt sowohl den Interbrigadlern als auch - erschreckender aber nicht zu verleugnender Weise - den Condor-Legionären!) seither ein Mythos an.
Keine Epoche des 20. Jahrhunderts ist in der Historiographie in so großer Zahl beschrieben worden wie der spanische Bürgerkrieg. Schätzungen gehen von über 175.000 Titeln aus.
Nach 1945 erhielt der Krieg zumindest in Westdeutschland keinen besonderen Platz im „kollektiven Gedächtnis„. Man verband, wenn überhaupt, die Schlagworte „Legion Condor„ und „Guernica„ mit diesem Zeitabschnitt. Daß man sich mit der „linken„ Seite kaum beschäftigte, lag nicht zuletzt am Kalten Krieg; auch das Verbot der KPD, mit dem eine allgemeine antikommunistische Haltung einherging, trug dazu bei.
In der DDR jedoch sah das ganz anders aus.
Denn die Spanienkämpfer bedeuteten für die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) und spätere Deutsche Demokratische Republik Teil der ideologischen Selbst-Legimtimation.
Die SBZ formierte sich auf Basis einer „demokratisch-antifaschistischen Ordnung„. In diesem System kam der Opposition des untergegangenen Hitler-Regimes eine tragende Rolle im neuzuschaffenden Staat zu.
Dabei dominierten von Anfang an klar die Überlebenden des kommunistischen Widerstandes. Der Grund ist einleuchtend: Dieser Personenkreis zeichnete sich zum Großteil durch seine Moskautreue aus.
Als Personifizierung des antifaschistischen Widerstands standen kommunistische Spanienkämpfer in der ersten Reihe der jungen DDR: Wilheim Zaisser, Erich Mielke (beide Leiter der Staatssicherheit), Kurt Hager („Chefideologe„ der SED), Paul Verner (Leiter Abteilung für Gesamtdeutsche Fragen, später ZK-Sekretär für Sicherheit), Alfred Neumann (Minister für Außenhandel und Innerdeutschen Handel, stellvertretender Ministerpräsident), Franz Dahlem (Leiter der Westabteilung).
Zeitweise waren fünf der neun Politbüro-Mitglieder Spanienkämpfer.
Organisiert im „Komitee der antifaschistischen Widerstandskämpfer„ veranstalteten die Spanienkämpfer Gedenktage, Aufmärsche, Kulturveranstaltungen. Die Rededispositionen kamen dabei stets „von oben„. Die FDJ oder Betriebsmannschaften veranstalteten Wettkämpfe, um den Namen ehemaliger Spanienkämpfer tragen zu dürfen.
Spanienkämpfer zu sein bedeutete gesamtgesellschaftliche Anerkennung und Zuerkennung hoher verantwortlicher Positionen. Diesen Prestigezugewinn wollte sich auch Walter Ulbricht nicht entgehen lassen, der sich 1956 die „Spanienkämpfer-Medaille„ anstecken ließ, obwohl er nur wenige Wochen im Auftrag der Komintern in Spanien verbrachte und niemals einen Einsatz an der Front geleistet hatte.
Der Antifaschismus, Primat des neuen Staates, erfuhr jedoch fast von Beginn an seine eigene Instrumentalisierung. Mit dem Vorwurf, dem Faschismus-Imperialismus zu dienen, griff die SED seit 1949 radikal zu und entledigte sich unliebsamer Mitglieder.

Auch die Spanienkämpfer selbst wurden sehr bald Opfer dieser gnadenlosen Mühle, die jegliche Opposition, auch die kleinste Abweichung vom vorgegebenen Pfad, zermalmte. Wilhelm Zaisser, der Ulbricht stürzen und die DDR auf einen liberaleren politischen Kurs einschwenken wollte, schloß man mit der Unterstellung der „parteifeindlichen Fraktionsbildung„ im Zusammenhang mit dem 17. Juni 1953 aus der Partei aus und schob ihn auf einen minderwichtigen Posten in der kleinen Stadt Merseburg ab. Seinen „Erzrivalen„ Franz Dahlem chasste Ulbricht ebenfalls 1953 wegen „politischer Unzuverlässigkeit„, in Wirklichkeit aber aufgrund der persönlichen und politischen Popularität Dahlems.
In einigen Fällen griff die SED noch viel härter zu: Spanienkämpfer Willi Kreikemeyer, in der DDR Minister der Reichsbahn, wurde im August 1950 wegen „West-Agentschaft„ verhaftet. Sieben Jahre später erhielt seine Frau eine amtliche Erklärung, daß ihr Mann bereits am 31.8.1950 verstorben sei, wobei eine Sterbebucheintragung seinerzeit versäumt worden sei.
Sämtliche Vorwürfe erwiesen sich als nichtig. Die Verurteilten erhielten jedoch nie eine vollständige Rehabilitierung.
Als im November 1989 die Mauer fiel, saßen eine Handvoll Spanienkämpfer immer noch auf ihren Posten: Kurt Hager beispielsweise, Alfred Neumann, nicht zu vergessen Erich Mielke. Durchweg kann man bei diesen Männern eine große politische Konformität mit der vorgegebenen Linie konstatieren. Hager hatte noch im Frühjahr 1987 gegenüber dem Stern auf die Frage nach einer „Perestroika„ in der DDR klargestellt, daß „wenn der Nachbar tapeziert, man sich nicht gleich verpflichtet fühlen müsse, auch die eigenen Wände zu tapezieren„.

*Lit.: Priess, Heinz: Spaniens Himmel und keine Sterne, Berlin 1996, edition ost, ISBN 3-929161-79-6

Stefanie Bolzen

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Diese Seite wurde erstellt von Martin Heiden am 11.11.98