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|portuñol 13 - übersicht|
EXPO kostet den Besucher viel - doch Portugal profitiert
- Mit virtueller Realität ins nächste Jahrtausend -
»Es müssen noch Bäume gepflanzt werden, Zufahrten warten immer noch auf bessere Tage, Straßen
sind noch nicht asphaltiert und einige Pavillons sind noch im Bau: Das wird nichts mit der Eröffnung«,
so dachten Skeptiker nicht nur einen Monat vor der offiziellen Eröffnung der EXPO 98, schon 1992 zweifelten
einige an der pünktlichen Einweihung der Weltausstellung in Sevilla. Doch auch dort hat man es mehr oder minder
geschafft, die Exposition der Weltöffentlichkeit "in time" zu präsentieren.
Am 22. Mai öffnete die letzte Weltausstellung diese Jahrtausends ihre Tore. Schon Monate vorher zählte
Lissabon gierig
die Tage, Stunden und Minuten... Aber vielleicht sollten die Uhren, die rückwärts dem großen Ereignis
entgegenzählten, ja auch nur die tausenden Arbeiter anspornen, damit Portugal seinem Nachbarland in nichts
nachstehen würde (?). Spekulationen darüber sind inzwischen jedenfalls müßig. Die Uhren zählen
vorwärts, dem Ende der EXPO entgegen. Doch bis dahin fließt noch viel Wasser den Tejo hinunter und viele
Touristen werden durch die engen Gassen Lissabons und natürlich über das Ausstellungsgelände strömen.
Doch zurück zum 22. Mai, oder besser zum Vorabend, an dem pünktlich um 17.21 Uhr der Startschuß
fiel. Portugal hat mit Spanien mithalten können und pünktlich eröffnet. Die kleinen Rivalitäten
waren für‘s erste beigelegt und zur Feier des Tages verbrüderte sich der spanische Star-Tenor José
Carreras mit den portugiesischen Madredeus - ein Genuß, der die sonst etwas farblose Gala zu einem Erfolg
machte.
Am nächsten Morgen war es dann soweit: Die ersten Besucher strömten auf das EXPO-Gelände im nordöstlichen
Stadtteil Olivais. Viele Portugiesen werden allerdings nie die Erfahrung machen, durch die Pforten der Weltausstellung
zu schreiten. Die hohen Eintrittspreise halten die meisten von einem Besuch ab: »Die Regierung veranstaltet
das nur für die Reichen«, meint beispielsweise eine 57jährige aus Vila Nova de Gaia im Norden Portugals,
»nicht nur, daß die Preise so hoch sind, man darf nichts zu essen mitbringen«, wettert sie gegen
die harten Regelungen der EXPO-Verwaltung. Wer also einen Besuch plant, kann sich das Butterbrote-schmieren getrost
sparen, oder er muß sie in einer geschlossenen Tasche/Rucksack transportieren, da diese am Eingang nicht
kontrolliert werden dürfen...
All das scheint die Besucher wirklich abzuschrecken, denn in den ersten sechs Tagen hatte die EXPO wesentlich weniger
Besucher als die Weltausstellung in Sevilla und gar nur ein Drittel der Besucher, die in den ersten Tagen das Centro
Comercial Colombo besucht haben (das größte Einkaufszentrum der iberischen Halbinsel). Und das trotz
Rekordbeteiligung von 146 Ländern.
Was gibt es zu sehen?
Doch was ist die EXPO überhaupt? Das Thema der EXPO 98 lautet "Die Ozeane". Also versuchen die
Ausstellerländer, sich sozusagen im Bikini zu präsentieren. Die folgende Auswahl soll das Angebot etwas
durchleuchten:

Tips für die EXPO 98 in Lissabon mit der Portuñol
1.) Der Pavillon der Ozeane
ist im Grunde das zweitgrößte Aquarium der Welt nach dem Ozeanarium im japanischen Osaka und das größte
Europas. Eine exzellente Mischung aus Künstlichem und Natürlichem. 15.000 Exemplare aus 250 verschiedenen
Gattungen bestaunen von Glas geschützt die Besucher, die mit großen Augen an ihnen vorbeiziehen. Die
Korallen wurden von plastischen Künstlern gestaltet. Ein Muß, wenn man die EXPO besucht. Das wissen
allerdings alle und dementsprechend werden die Schlangen aussehen, die davor anstehen. Das Oceanário wird
allerdings nach der EXPO weiterbetrieben, und so spart man sich den Besuch für später auf – besonders
dann, wenn die Zeit auf der EXPO knapp ist.
2.) Der portugiesische Pavillon
Träume, Mythen und Realitäten sollen hier Völker verbinden. Man kann mit Vasco da Gama auf Entdeckungsreise
gehen. Eine gelungene Synthese aus Architektur und Museum. Es soll auch einen guten 3-D Film geben.
3.) Passeio ribeirinho
Eine gelungene Gratwanderung zwischen Fluß und Hafen gefällig? Wer wollte nicht schon immer mal übers
Wasser laufen.
4.) Wissen der Meere
Oder besser das Museum der Geschichte der Seefahrt. Es beinhaltet ein virtuelles Theater, einen Leuchtturm und
das Schiff der Schiffe.
5.) Der Pavillon der Zukunft
Eine Wendeltreppe führt auf den Grund der Ozeane. Ein Muß ist das Medusa-Aquarium, und die 3-D Laser-Dia-Show
kann einen ebenso fesseln. Hier lernt man über die Gefahren, die den Meeren drohen und wie man die nassen
Lebensräume erhalten kann.
6.) Der Vasco da Gama-Turm
Der Turm mit der besten Aussicht über das Expogelände. Die gleichnamige Brücke kann man natürlich
auch gut aus den 100 Metern Höhe sehen. Das Ticket für den Aufzug kostet 500$00 Escudos.
7.) Der Park „Garcia de Horta„
Die geometrischen Zeichnungen, die die Pflanzen der einzelnen Felder ergeben, lassen sich am besten aus der Höhe
begreifen...
8.) Der Pavillon des Wassers
Das naturwissenschaftliche Museum der EXPO. Wie der Name schon sagt: Hier wird alles erklärt, was mit Wasser
zusammenhängt.
9.) Der deutsche Pavillon
Erst steigt man mal wieder auf den Grund des Ozean hinab, wo man die Unterwasserstation Ozeanis besucht. Danach
geht‘s per EXPO-Jet nach Hannover. Eine gelungene Präsentation für die Weltausstellung im Jahr 2000.
Man hat wirklich das Gefühl als bewege man sich, denn... man "bewegt" sich wirklich - Na ja, eigentlich
bewegt sich alles drumherum. Danach kann man sich schonmal das Maskottchen der deutschen EXPO kaufen.
10.) Der spanische Pavillon
Mit Kunst (Tizian, Rubens, El Greco und Velasquez) und Abenteuer warten die Spanier auf. Hier gerät der Besucher
– von einem virtuellen Adamastor begrüßt – in einen Sturm mit sehr reellem Wasser.
11.) Der türkische Pavillion
Auf zum Bosporus und direkt ins 16. Jahrhundert zum Schiff des Sultans Abdelaziz. 25 Meter lang, mit sieben Reihen
Ruderern, alles mit Gold verziert vor der gigantischen Projektion des Meeres bei Istanbul: spektakulär.
12.) Der Pavillon der Utopie
Die Mehrzweckhalle. Hier finden Rock-Konzerte und Theateraufführungen statt. Ein Blick in eines der vielen
Programme lohnt sich.
13.) Die Seilbahn
Bei Hitze könnte es sehr unangenehm werden, aber wen stört‘s? Kosten: 500$00 Esc.
14.) Pavillon der virtuellen Realität
Das nächste Jahrhundert steht vor der Türe, und böse Zungen behaupteten, daß der Pavil-lion
auch erst frühestens zur Jahrtausendwende fertig würde. Weit gefehlt, man kann schon jetzt zum versunkenen
Kontinent Atlantis hinabfahren - dank sei der Portugal Telecom (Endlich weiß ich, was die mit meinen Telefongebühren
machen...).
Doch manchmal sind die Tele-kom-munizierer auch nett: Es ist der einzige thematische Pavillon, der auch nach 20.00
Uhr noch geöffnet ist. Schon von außen sieht er aus, als sei er einem tropischen Wirbelsturm zum Opfer
gefallen. Innen geht das Abenteuer aber erst richtig los. Technik, die begeistert. Weniger begeisternd ist der
Eintrittspreis von 800$00 Escudos. (Vielleicht zahle ich doch für andere Dinge?)
15.) Pavillon der USA
Wer hier McDonalds erwartet, der wird enttäuscht. Der Wissenschaft haben sich die Amerikaner verschrieben,
nicht dem Verzehr von Plastikspeisen.
Eintrittspreise
| Tagesticket |
50 DM
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| Dreitagesticket |
125 DM
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| Nachtticket |
20 DM
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| 3-Tage mit Cartão Jovem |
100 DM
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16.) Der kanadische Pavillon
Eine portugiesische Karavelle fährt an der Küste Kanadas vorbei. Lang, lang ist‘s her...
17.) Der französische Pavillon
Frankreich? Ozeane?
Ganz klar: Jacques Custeau und die gelbe Calypso. 10 Punkte!
18.) Der britische Pavillon
Wer cool sein will, der fährt zum Grund hinab. Kennen wir das nicht schon?
19.) Der schwedische Pavillon
Vier riesige Eier beinhalten die vier Jahreszeiten. »Muito legal!«, um es mal mit den Worten der schwedischen
Königin auszudrücken.
20.) Der japanische Pavillon
Wenn der Tenno nicht da ist, muß auch keiner kriechen... Dafür schwimmen Schildkröten in einem
submarinen Palast herum. Disneyland auf japanisch? Etwas kitschig, aber die Kids mögen es.
21.) Die Gärten des Wassers
Ein wenig konfus, aber ein Punkt, wo man sich an heißen Tagen erfrischen kann.
22.) Alameda dos Oceanos
Wenn es sich nur um die Wasserfontänen drehen würde, die alle drei Minuten aus dem Boden schießen,
wäre es ein Riesenspektakel.
23.) Die Fregatte von Dom Fernando II e Glória
Der letzte Indienfahrer, minuziös restauriert nachdem es fast völlig von einem Brand zerstört worden
war. Nun dient es als Museum und Herberge des Pavillons der Comunidades Portuguesas.

Auch wenn es surreal Aussieht und einige daran zweifelten: Die EXPO 98
in Lissabon ist Realität
24.) Pavilhão do Território
Eine virtuelle Flugreise über Portugal gefällig? Hier kann man nachschauen, wie die Wohnungen der ERASMUS-Studenten
aus der Luft aussehen. Ganz Portugal ist anhand von Karten und Fotografien erfaßt. Dazu gibt es viele Informationen
auf fast ebensovielen Bildschirmen. Willkommen im nächsten Jahrtausend, aber das hatten wir ja schon.
25.) Der finnische Pavillon
Eine Eispiste, ein riesiges Schiff und die Illusion nachts in Helsinkis Hafen anzukommen.
26.) Der chinesische Pavillon
Das billigste Geschäft der ganzen EXPO. Aber China hat noch mehr zu bieten, was? Eine Mauer natürlich,
und Schiffe aus Elfenbein.
Aber das ist natürlich nur "A nossa selecção". Es gibt noch viel mehr zu entdecken,
der "Sabor autêntico" eben.
Was bringt die EXPO?
»Portugal wird reicher werden durch die EXPO«, meint zumindest Jan W. van Schaijik von der Unternehmensberatung
KPMG. Die Weltausstellung habe große Verbesserungen der Infrastruktur mit sich gebracht, beispielsweise den
Bau der neuen 17 Kilometer langen Brücke Vasco da Gama (was allerdings nur indirekt mit der EXPO in Verbindung
gebracht werden kann) und den Ausbau des Metronetzes, sowie den neuen Bahnhof Gare do Oriente. Doch mit den verschiedenen
Ausstellerländern sind auch viele ausländische Firmen und somit ausländisches Kapital nach Portugal
gekommen. Einige werden ihre unternehmerischen Aktivitäten in Portugal nach der EXPO wieder beenden, andere
werden bleiben.
Auch die verschiedenen portugiesischen Regionen meinen von der Weltausstellung zu profitieren. Die einen mehr,
die anderen weniger.
Allerdings scheinen die Millioneninvestitionen in der Hauptstadt das Sprichwort zu bestätigen: »Portugal
é Lisboa, o resto é paisagem«. Aber an den tausenden EXPO-Besuchern, die erwartet werden, wollen
auch die anderen Regionen Portugals die eine oder andere Mark verdienen. Porto wartet dazu mit verschiedenen kulturellen
Aktivitäten auf, die die Kulturhaupt-stadt Europas des Jahres 2001 noch interessanter machen sollen.
Die Einwohner von Viana do Castelo sehen eher eifersüchtig zur Hauptstadt hinunter. Wer nach Lissabon fahre,
werde nicht in
Viana halten. Ein weiteres werde in Zukunft die neue Autobahn tun, die ohne günstige Abfahrt die Kolonnen
von Touristen an Viana vorbeischleusen werde. Ähn-lich sieht es im Gebiet von Bra-gança an der Grenze
zu Spanien aus.
Coimbra wird jedoch an der EXPO verdienen. Per Zug werden die Touristen zwischen Lissabon und der Universitätsstadt
pendeln können, auch nachts noch. Auch Viseu hat sich auf den Besuch der EXPO-Gänger eingerichtet. In
Guarda hingegen hoffen nur einige Händler auf Umsätze durch die vorbeifahrenden Spanier.
In der Region von Leiria steht jetzt schon fest, daß die Weltausstellung Geld in die Kassen bringt: Die Hotels
sind komplett ausgebucht.
Im Alentejo sieht nur Évora den Geldsack wachsen. Im Distrikt Portoalegre scheint die Konkurrenz des spanischen
Badajoz zu groß. Dort werden Touristen mit Freikarten und Restaurantgutscheinen geködert. Die neue Autobahn
schleust sie dann auf direktem Weg an den sehenswerten Städten der Region vorbei. In Beja hofft man eher auf
die Touristen, die die EXPO schon gesehen haben. Es fehlt an Unterbringungsmöglichkeiten.
Die Touristen-Hochburg Algarve hatte sich im Zuge der Weltausstellung auch mehr Chancen ausgerechnet, doch die
Verkehrswege nach Lissabon sind zu schlecht. Die IP-1, einzige besser ausgebaute Landstraße nach Norden,
ist grundsätzlich verstopft im Sommer. Einzige Alternative: der Zug.
In Lissabon selbst hat sich im Vorfeld der EXPO viel getan. Die Lebensqualität hat sich verbessert. Die neuen
Metrolinien verbinden endlich die bevölkerungsreichsten Stadtteile mit dem Zen-trum, es gibt Nachtbusse und
auch die Metro hat ihren Fahrplan ausgedehnt. Kulturell gesehen ist Lissabon wieder das Zentrum Europas, nun gar
der ganzen Welt. Ausstellungen, klassische Konzerte, Rock-Events, Literaturlesungen und vieles mehr. Doch die Frage
ist, was davon bleibt. Die Ausgaben haben sich auf jeden Fall gelohnt, da einige infrastrukturelle Probleme gelöst
wurden, die im Zuge der EXPO durch Einnahmen auf anderen Ebenen wieder kompensiert werden können.
Bleibt zu hoffen, daß auch der kleine Mann in Portugal etwas von der Weltausstellung haben wird, außer,
daß er im Fernsehen schon jeden Pavillon auf‘s genaueste inspiziert hat.
Martin Heiden
Quellen: Diário de Noticias, Público

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Diese Seite wurde erstellt von Martin
Heiden am 11.11.98
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