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-Journalistisches Praktikum beim-

Jede Semesterferien räumt das DeutschlandRadio in seinem Funkhaus Köln (hier wird hauptsächlich das Programm Deutschlandfunk produziert) sechs Studierenden die Möglichkeit ein, den journalistischen Arbeitsbetrieb während eineinhalb Monaten hautnah kennenzulernen. Wer aus einem journalistischen Studiengang kommt, macht dabei ein Praktikum, bei allen anderen heißt das Praktikum aber Hospitanz. Pro Monat werden allen Praktikanten und Hospitanten als Aufwandsentschädigung 500,- DM ausbezahlt. Typischerweise werden jeweils drei Stationen im Sender "durchlaufen", in meinem Fall aber mit der Zentrale Nachrichtenabteilung sowie der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit nur zwei.

Zentrale Nachrichten

Mit einem Sprung in metertiefes kaltes Wasser begann das Praktikum in der Zentralen Nachrichtenredaktion. Am ersten Tag stand eine Erklärung zum dort verwendeten Computerprogramm NewsWire 2000 auf dem Plan, danach ein Redaktionsgespräch mit dem stellvertretenden Generalinspekteur der Bundeswehr. Damit war der "gemütliche" Teil auch schon vorbei.
Am nächsten Tag ging es gleich voll zur Sache: "Schreiben Sie mal eine Meldung zur georgischen Geiselkrise." Vier Stunden später türmten sich über 30 Agenturmeldungen auf meinem Schreibtisch: Dementis und Gegendementis, widersprüchliche Angaben zur Zahl der Geiseln und der Geiselnehmer schwirrten durch meinen Kopf. Dennoch, die Meldungen wollten geschrieben werden und die Nachrichtenuhr tickte erbarmungslos. Nach vollbrachter Tat gab es schließlich etwas Mitleid von der Chefin vom Dienst: "Da habe ich Ihnen ja eine Meldung gegeben..."
Die restlichen zwei Wochen sollte es mich nicht mehr so hart "treffen", aber als anstrengend empfand ich es durchaus. Zusätzlich zur normalen Belastung durch unerbittlich im Sekundentakt neue Meldungen "ausspuckende" Newsticker und den Zeitdruck kam das ungewohnte Computerprogramm NewsWire, bei dem ohne Tastenkombinationen gar nichts geht, und die besondere Nachrichtenschreibe (besser -spreche).
Aber gerade diese Schwierigkeiten zeigten mir erst, wie hart der Job eines Nachrichtenredakteurs sein kann. Alle Schichten rund um die Uhr durchgemacht zu haben, war ebenfalls eine lohnende Erfahrung, auch wenn es recht belastend ist, an einem Tag von 12 bis 18 Uhr, am nächsten von 6 bis 12 und am übernächsten von 0 bis 6 Uhr morgens Dienst zu haben. Der Körper kann sich an nichts gewöhnen. Aber auch nachts wollen die Hörer natürlich auf dem laufenden gehalten werden.
Fazit der zwei Wochen in den Zentralen Nachrichten: Ich habe viel gemacht, vor allem natürlich viele Meldungen verfaßt, die zum größten Teil gesendet wurden, außerdem konnte ich bei der Zusammenstellung von Presseschauen mitwirken und Meldungen zu Interviews schreiben, die bei Deutschlandfunk gesendet wurden.
Die Kolleginnen und Kollegen in der Redaktion sind trotz des Zeitdrucks stets sehr freundlich, hilfsbereit und kooperativ gewesen. Ich habe mich voll in den Redaktionsbetrieb eingebunden gefühlt. Besser hätte es kaum sein können.

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Im Vergleich zu den Zentralen Nachrichten ließ sich der Anfang in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit eher gemütlich an. Die ersten Tage vergingen damit, sinnvolle Arbeitsaufgaben zu finden, da zu Beginn meines Praktikums gerade die Erstellung des Programmheftes abgeschlossen war und einige Mitarbeiter im Urlaub waren.
Danach ergaben sich aber bald mehrere Tätigkeiten im verschiedensten Bereichen, so daß ich mich über Arbeitsmangel wirklich nicht beklagen konnte. Unter anderem habe ich Pressemitteilungen geschrieben, Internetseiten gestaltet und Veranstaltungen mitorganisiert sowie für einzelne Sendungen der beiden Programme des DeutschlandRadios, Deutschlandfunk und DeutschlandRadio Berlin, Werbung gemacht. Eine der interessantesten Aufgaben war es, eine Statistik über die Hörfunktips aller deutschen Tageszeitungen aufzustellen, um zu erfahren, welche Blätter die Leser über die Programme des DeutschlandRadios informieren und ob sie die Namen der Programme richtig schreiben. Daneben konnte ich auch an Veranstaltungen außerhalb des Hauses teilnehmen, wie Pressekonferenzen und einer Live-Diskussionsrunde im Bonner Haus der Geschichte.
Die Mitarbeiter in der Presse und Öffentlichkeitsarbeit waren ebenfalls sehr hilfsbereit und kontaktfreudig. Aufgaben wurden gerne weitergegeben und von allen Seiten gab es neben aufmunternder Worte bereitwillig Auskünfte auf die verschiedensten Fragen.
Insgesamt ist das Fazit auf jeden Fall sehr positiv. Das Praktikum hat mir neue und lehrreiche Einblicke in das Berufsfeld Journalismus und in die Arbeitsweise öffentlich-rechtlicher Rundfunksender gewährt.
Wer sich für ein Praktikum bewerben möchte, sollte dies schnell tun, da die Bewerbungsfrist etwa ein halbes Jahr vor dem jeweiligen Termin liegt. Adresse: DeutschlandRadio, Raderberggürtel 40, 50968 Köln, Tel. 0221/345-3350, Fax 345-4826.

Johannes Beck

Der Deutschlandfunk ist in Köln auf 89,1 und 91,3 MHz, das DeutschlandRadio Berlin auf 89,9 bzw. 106,1 MHz (UKW) zu empfangen.Die Internetadresse lautet: www.deutschlandradio.de

Deutschlandfunk für Studierende:

Campus und Karriere

Vor einigen Monaten hat der Deutschlandfunk hat sein Nachmittagsprogramm reformiert, um sein Informationsprofil zu schärfen und jüngere Hörer anzusprechen. Seither ist an Werktagen die neue Sendung Campus & Karriere (14.35-15.00 Uhr) zu hören. Campus & Karriere bietet Studierenden, Berufsanfängern und junge Akademikern ein umfassendes Service-Angebot. Es berichtet aktuell über Bildungspolitik und Hochschulmisere, über neue Berufe und Ausbildungswege, über volle Hörsäle und leere Bibliotheken. Besonderen Wert werden auf praktische Informationen über Forschungs- und Förderprogramme, über Stipendien und Praktika im Ausland, über Weiterbildungs- und Umschulungsmöglichkeiten gelegt. Zu den Themen kommen von Studierenden bis Managern und Ministern eine breite Palette an Gesprächspartnern zu Wort.
Nach eigenem Bekunden will das DeutschlandRadio mit Campus & Karriere "Studenten und Abiturienten, Berufsanfänger und alte Hasen, promovierte Taxifahrer und ratlose Personalchefs, Ingenieure und Ethnologen" erreichen. Die Informationen rund ums Studium, Ausbildung und Beruf werden übrigens auch im Internet zum Abruf bereitgehalten (www.dradio.de).

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Diese Seite wurde erstellt von Martin Heiden am 11.11.98