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-10 Jahre nicaraguanische Städtepartnerschaft-


Als die beiden Alcaldes im September 1988 ihre Reisevorbereitungen trafen, um den Partnerschaftsvertrag mit der Stadt Köln zu unterzeichnen, machte ihnen der Hurrican "Joan" einen Strich durch die Rechnung. Das kleine El Realejo, von dessen großer historischer Bedeutung fast nichts mehr zu sehen ist, und das direkt am Meer gelegene Corinto hatten schwer unter dem Sturm gelitten - nicht zum ersten Mal. Jedenfalls wurden die Bürgermeister zu Hause gebraucht und erst im November 1988 unterzeichneten sie im Historischen Saal des Kölner Rathauses die Urkunden zur Besiegelung der wohl umstrittensten Städtepartnerschaft, die Köln je eingegangen ist.
Ohne die sandinistische Revolution wäre es andererseits aber auch nie dazu gekommen. Nicaragua war Brennpunkt der Weltpolitik. Den wichtigsten Hafen des Landes, Corinto, zu unterstützen hieß die Revolution zu verteidigen und alle Hoffnungen auf Menschlichkeit, die sich damals damit verbunden hatten. So war die Städtepartnerschaft seit 1984 zum strategischen Ziel der Nicaragua-Bewegung erklärt und in einer eindrucksvollen Kampagne durchgesetzt worden.
Im Mai 1995 reiste die Sprecherin der Frauenorganisation AMNLAE, Auxiliadora Escalante, nach Köln. Sehr vieles war jetzt anders. Die Sandinisten hatten die Wahl verloren und die hiesige Bewegung war eingedampft auf den "Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Köln-Corinto/El Realejo". Die Zeit in der containerweise Sachspenden verschickt wurden war vorbei. AMNLAE hatte sich von einer sandinistischen Parteiorganisation zur unabhängigen linken Frauenorganisation gemausert und in Corinto ein neues Projekt ins Leben gerufen, um dessen Unterstützung es bei dieser Reise ging: ein Frauenhaus. Dies war und ist symptomatisch für die neue Zeit der Solidarität: Sie richtet sich auf Basisorganisationen und zielt - politisch kaum noch brisant -auf ebenso konkrete wie begrenzte Schritte der Veränderung. Persönliche Beziehungen und in vielen Jahren erworbene Kenntnis der lokalen Umstände ermöglichen hohe Wirksamkeit in diesem Sinne.
Corinto hat inzwischen auch einen neuen Deich, der, von niederländischer Solidarität bezahlt, die schlimmsten Hurrican-Gefahren eindämmt. Dennoch ist die Stadt von Meer bedroht. Nur ein bis zwei Meter über Normalnull gelegen droht Corinto im Meer zu versinken, wenn der Treibhauseffekt richtig zuschlägt (vielleicht würde der Hafen dann wieder ins historische El Realejo verlegt). Andere Probleme liegen freilich näher. Wenn also Hoffnungen in die aktuelle Diskussion um die "Agenda 21" (Rio-Konferenz für Umwelt und Entwicklung) gesetzt werden, dann eher um die globale Frage sozialer Gerechtigkeit neu zu thematisieren. Die nahezu weltweite Politik der neoliberalen Umverteilung trifft ein armes Land wie Nicaragua besonders hart. Die Einkommen der armen Bevölkerungsmehrheit sinken beständig. Die Folgeprobleme sind bekannt, die Lösungen sind offen. Corinto und El Realejo bieten die Chance, diese Fragen im Fokus einer Städtepartnerschaft mit der "3.Welt" zu betrachten und - zu handeln.


Jürgen Seitz

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Diese Seite wurde erstellt von Martin Heiden am 18.11.98