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- Capoeira: Fernwestlicher Kampftanz -
Mystisch klingende Gesänge, von treibenden Trommelrhythmen begleitet, klingen durch den Saal. Weißbekleidete
Menschen haben sich zu einem Kreis aufgestellt. In der Mitte des Kreises bewegen sich zwei Kämpfer rhythmisch
zur Musik und vollführen akrobatische Bewegungen, ohne sich zu berühren. Es ist als würde man einer
rituellen Zeremonie beiwohnen. Doch wir befinden uns hier weder im brasilianischem Busch noch an der Copacabana
in Rio de Janeiro.
Die Halle steht in Ehrenfeld und die beschriebene Szene nennt sich Capoeira. Dieser afrobrasilianische Kampftanz
unterscheidet sich von anderen Kampfsportarten durch die musikalische Begleitung einerseits und den friedfertigen
Umgang andererseits. Ziel des Spiels ist es nicht den Gegner zu Boden zu zwingen, sondern möglichst runde
und geschmeidige Bewegungen auszuführen.
Weiteres Markenzeichen der Capoeira ist der Berimbau. An einem biegsamen Holzstab wird ein Stück Draht befestigt. Als Resonanzkörper
dient eine aufgesägte Kalebasse, eine mit dem heimischen Kürbis verwandte Pflanzenart. Mit einem kleinen
Holzstab wird der Draht in Schwingungen versetzt und mit einer Münze die Tonhöhe verändert. Es gibt
bei der Berimbau drei verschiedene Stimmgruppen: gunga oder berra-boi nennt sich die tiefe Stimme, medio die mittlere
und die viola ist sozusagen der Sopran der Berimbaus, der sich gut für Soloeinlagen eignet. Zur Berimbau gehört
noch ein kleine, geflochtene Rassel: die Caxixí. Man befestigt sie an der Schlaghand. Gefüllt ist sie
mit Muscheln oder Mais. Zu einer kompletten Capoeira-"Band" gehören noch eine Atabaque, eine Art
Faßtrommel, und ein Pandeiro oder Schellentambourin. Also auf in den Kampf! Zwei Capoeiristas knien vor den
Berimbaus auf dem Boden. Üblich ist es dabei, kurz eine der Berimbaus zu berühren und ein kleines Kreuz
zu schlagen, um den Segen der Götter zu erhalten. Dann geben sich die Kämpfer die Hand und schlagen gleichzeitig
ein Rad, so daß sie in der Kreismitte stehen. Der Ablauf ist nicht vorgeschrieben. Jeder kann jetzt einen
Kick, Salto oder anderen akrobatischen Trick aus der Capoeira ausführen, während der andere eine defensive
Stellung einnimmt. Beide können solange spielen, wie sie Lust haben oder einer der Umstehenden das Spiel "kauft",
das heißt, er geht zwischen die momentan Kämpfenden und spielt mit einem weiter. Der brasilianische
Begriff dafür ist "comprar", zu deutsch "kaufen". Die Umstehenden können sich nicht
ausruhen. Sie müssen den Takt klatschen und den Refrain singen. Die Lieder handeln vom täglichen Leid
der Sklaven, von der Capoeira selbst und auch von der Liebe. Ein Capoeirista ist ein vielseitiger Künstler:
Er ist Tänzer, Kämpfer, Sänger, Musiker und Choreograph in einer Person.
Nach Brasilien
kam die Capoeira während der portugiesischen Kolonisation. Da auch Angola in Afrika von Lissabon aus kolonisiert
wurde, verschleppten sie die dort ansässigen Bantu-Stämme nach Brasilien. Dabei nahmen sie die Vorform
der Capoeira mit. Ursprünglich war sie ein ritueller Tanz. Erst in der neuen unfreiwilligen Heimat entwickelte
sich daraus eine Selbstverteidigungstechnik. Um sie unauffälliger praktizieren zu können, verbanden die
Sklaven Kampf mit Tanz. Diese Entwicklung spielte sich hauptsächlich im Bundesstaat Bahia ab. Dort schufteten
die Sklaven auf den riesigen Zuckerrohrfeldern, und wenn sie nach der Arbeit noch genügend Kräfte besaßen,
spielten sie Capoeira. Doch Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Ordnungskräfte zunehmend auf die kämpferischen
Tänzer aufmerksam. Sie verfolgten die Capoeristas und verurteilten sie zu Zwangsarbeiten oder Haft, obwohl
sie sich keines Verbrechen schuldig waren. Diese Diskriminierung ist auch heute, mehr als hundert Jahre nach der
Sklavenbefreiung durch Prinzessin Isabel, spürbar. Capoeira-Gruppen sind oft schlecht organisiert oder müssen
sich als Touristenattraktion durch das Leben schlagen. In den letzten Jahren wurde Capoeira im Ausland immer beliebter.
Anfangs nur von heimwehleidigen Brasilianern und Brasilienliebhabern betrieben, interessieren sich zunehmend Unvoreingenommene
für die tropische Sportart. Ehrgeiziges Fernziel ist es den fernwestlichen Kampftanz neben den fernöstlichen Kampfsportarten
zu etablieren. Es gibt bereits Gruppen in den U.S.A., Israel, Frankreich, England, Dänemark, Spanien und Deutschland.
Aber auch durch das Interesse im Ausland steigt das Prestige des "Negertanzes" in Brasilien. Zwischen
den Gruppen in Hamburg München, Berlin, Köln und Frankfurt findet ein reger Ausstausch in Form von gemeinsamen
Workshops und Gürtelprüfungen, Batizados, statt. Das Gürtelsystem ist mit dem von Judo zu vergleichen.
Man beginnt mit einem weißen Gürtel, der nächste ist gelb, dann kommt orange, blau, usw. bis zum
grauen eines Meisters. Zusätzlich zu seinem ersten Gürtel erhält jeder Kampftänzer auch einen
Spitznamen, der eine prägnante Charakter- oder Körpereigenschaft beschreibt. Tiernamen sind dabei sehr
beliebt. Wer gerne mehr über Capoeira erfahren möchte kann oder ein Probetraining mitmachen möchte,
wendet sich bitte an:
Porto de Minas
Wißmannstr. 56
Telefon: Yusuf Mete 0221-556642
Ilona Geiser 0221-252627
Ivan Jung

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Diese Seite wurde erstellt von Martin
Heiden am 11.11.98
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