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-Vargas Llosa: Tod in den Anden-

Drei Menschen in den peruanischen Anden sind verschwunden. Das soll vorkommen. Entweder hat der Sendero sie umgebracht oder die drei Außenseiter haben sich ihm freiwillig angeschlossen. Das zumindest denkt sich Korporal Lituma, der dazu vergattert wurde, mit dem Helfer Tomás die rätselhaften Fälle vor Ort aufzuklären.

Vor Ort, das ist in diesem neuen Roman von Mario Vargas Llosa eine kleine Bauerngemeinschaft, oder besser gesagt: ein trostloses Barackenlager von Hilfsarbeitern für ein darniederliegendes Straßenbauprojekt. Da begraben Erdrutsche teure Gerätschaften, neue Tunnel werden verschüttet, Lohngelder versacken auf dem Weg zur Auszahlung, verzweifelte Arbeiter streiken oder aber die Regierung streicht weitere Gelder.

In dieser hoffnungslosen Lage, abgeschnitten von der Außenwelt, trifft man sich allabendlich bei Dionisios, einem schmierigen Kantinenwirt, und seiner Frau, einer „Hexe“, denn sie sagt die Zukunft voraus. Eine schlechte, versteht sich.

Dort also säuft man bis zur Besinnungslosigkeit, bis auch das Schicksal der drei Unglücklichen für den Augenblick vergessen wird. Denn daran möchte sich niemand so recht erinnern, keiner soll daran rühren. Lituma und Tomás schlägt eine Welle von Mißtrauen und Feindseligkeit entgegen. Niemand hat etwas gesehen, gehört oder mitbekommen.

Bröckchenweise erfährt der Leser vom Vorleben der Verschwundenen, einem Albino, einem stummen Behinderten und einem Straßenvorarbeiter mit dubioser Vergangenheit.

Ein Netz aus unheimlichen Geschichten, fast zu skurril, um erfunden zu sein, umgibt das Rätsel. Glauben an böse Magier, die Macht über Mensch und Natur haben, sinnlose und blutige Prozesse der Terrororganisation, ein paar beiläufige Vergewaltigungen und Berggeister, die nach Menschenopfern dürsten, bestimmen den dichtgewobenen Handlungsverlauf. Auf ein paar Leichen mehr oder weniger kommt es dabei nicht an.

Terroristen, Magier oder Geister, Realität oder Aberglaube, sicher ist nur: am Ende steht ein unschöner Tod.

Obwohl dieser Roman nur so trieft vor Blut und Gewalt, des Rätsels Lösung setzt noch einen obenauf und es bleibt spannend bis zur letzten Seite.
Alexandra Geiser

Vargas Llosa, Tod in den Anden, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-518-39274-3, 382 Seiten, 19,80 DM.

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Diese Seite wurde erstellt von Jutta Wasserrab und Johannes Beck am 13.03.98