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-Uruguay: Unternehmer zwischen Diktatur und Demokratie-

Haben die Unternehmer in Uruguay eher zur Stabilisierung oder zur Destabilisierung der Demokratie beigetragen? Oder war ihr Einfluß eher neutral?

Christoph Wagner versucht, in seiner bei Vervuert veröffentlichten Dissertation eine Antwort auf diese Fragen zu finden. Ziel der Arbeit war es auch, das Forschungsdefizit zuungunsten der Unternehmerverbände – bisher wurden überwiegend Arbeiten zu den Gewerkschaften veröffentlicht – zu verringern.

Nach einem Kapitel zum analytisch-theoretischen Rahmen stellt er in den nächsten Kapiteln die wirtschaftliche und politische Geschichte bis zum Beginn der Militärdiktatur in den 1970ern unter Präsident Bordaberry dar.

Darauf folgt ein sehr schwacher Teil zu den Grundzügen der Volkswirtschaft. Christoph Wagner präsentiert fast nur Zahlen: “xy% der Betriebe mit weniger als z Beschäftigten stellen xy% der beschäftigten Bevölkerung.” Lediglich am Rande werden wichtige Charakteristika der uruguayischen Wirtschaft, wie z.B. die völlig aufgeblähte staatliche Bürokratie, hohe Sozialabgaben, rigider Arbeitsmarkt oder die starke Abhängigkeit von den beiden Nachbarländern Argentinien und Brasilien deutlich. Ohne weitere Erklärung wird der Wechsel der Beschäftigtenstruktur von Landwirtschaft und Industrie in den angeblich “unproduktiven” Dienstleistungssektor beklagt. Als ob sich die uruguayische Industrie durch große Produktivität auszeichnen würde.

Ein eigenes Kapitel widmet der Autor den grupos económicos. Warum findet er kein deutsches Wort dafür? Handelt es sich nicht um Unternehmensgruppen bzw. Konzerne?

Das Hauptproblem dieses Teils liegt aber darin, daß sämtliche Datenreihen bereits 1991 enden. Dies ist um so schlimmer, da sich seitdem durch die MERCOSUR-Integration erhebliche Änderungen in der uruguayischen Wirtschaft vollzogen haben. Das Problem soll sich noch durch das ganze restliche Buch ziehen. So endet die politische Analyse 1992 mitten in der Amtszeit Präsident Luis Alberto Lacalles, von der zweiten Amtszeit Julio María Sanguinettis erfahren wir lediglich in Tabelle 15 im Anhang. Kein Wort über die Verfassungsreformen, die größere Veränderungen im uruguayischen politischen System eingeführt haben. Etwas mehr Aktualität wäre doch sicher in einer Publikation aus dem Jahr 1997 (!) möglich gewesen. So schlecht sind die uruguayischen Statistiken dann doch auch wieder nicht.

Nach einem gut gelungenen Überblick über die Unternehmerverbände kommt der eigentliche Kernteil der Dissertation, die Analyse des Verhaltens der Unternehmer während der Militärdiktatur 1973/73-1984 und in der “neuen, alten Demokratie” ab 1984. Diese beiden Kapitel sind überzeugend geschrieben. Die Untersuchung erstreckt sich allerdings eher auf das Handeln von Unternehmerverbänden und weniger – wie der Buchtitel etwas vermuten läßt – auf die Aktionen einzelner Unternehmerpersönlichkeiten.

Ärgerlich beim Lesen sind die vielen langen, fremdsprachigen Zitate, welche auch in den Fußnoten nicht übersetzt werden. Viele der Zitate sind zudem keine Originalaussagen, sondern stammen aus Sekundärwerken, die gut in eigene Worte gefaßt werden könnten. Gelegentlich werden auch spanische Begriffe wie cronograma, statt Zeitplan benutzt. Dies alles dient nicht gerade der besseren Verständlichkeit bei LeserInnen, welche das Spanische nicht beherrschen.

Umständlich zu benutzen ist das nach Autor und Titeln geordnete Literaturverzeichnis, da die benutzten Werke im Text amerikanisch mit Autor und Jahreszahl zitiert werden.

Im Fazit kommt Christoph Wagner zur Schlußfolgerung, daß die Unternehmer keine zentralen Akteure bei den beiden Systemwechseln waren, das diese aber auch nicht gegen den Willen der überwiegenden Unternehmermehrheit vollzogen wurden. Die Unternehmer hätten sich auf ihre gewohnte politische Rolle der Mitläufer beschränkt.

Aufgrund des für knapp 350 Seiten sehr hohen Preises von 68,– DM und der mangelnden Aktualität kann das Buch nicht überzeugen. Zugute halten muß man dem Autor allerdings, daß er sich mit den Unternehmern einem eher unbeliebten Thema gewidmet und sich mit zahlreichen Tabellen und Grafiken viel Mühe gemacht hat.
Johannes Beck

Christoph Wagner, Uruguay: Unternehmer zwischen Diktatur und Demokratie. Eine Studie zu Politik, Wirtschaft und der politischen Rolle der Unternehmerverbände, Vervuert, Frankfurt/Main 1997, ISBN 3-89354-482-8, 348 Seiten, 68,– DM.

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Diese Seite wurde erstellt von Jutta Wasserrab und Johannes Beck am 13.03.98