Seit der Sitzung der Prüfungsordnungskommission vom Montag, den 16. Juni, ist endgültig: Der Studiengang
Regionalwissenschaften Lateinamerika wird in die Studienrichtungen RWL-Politik und RWL-VWL geteilt. Zukünftige
Studierende werden sich bereits im Grundstudium zwischen den beiden Richtungen entscheiden müssen. Ein paralleles
Grundstudium von Politik und VWL ist damit nicht mehr möglich.
Mehrere Kompromisse waren zuvor in harten Verhandlungen zwischen den Vertretern der Volkswirte (die Professoren
Rettig und Feldsieper) geschlossen und jeweils wieder rückgängig gemacht worden. Am 16. Juni wurde schließlich
bekannt, daß die WiSo-Fakultät ein Veto gegen jede Lösung, die ein paralleles Studium von VWL und
Politik im Grundstudium vorsah, eingelegt hatte.
Als “Trostpflaster” wird uns in Zukunft die Möglichkeit eröffnet, ein Wahlpflichtfach zu belegen. Diese
bestehen aus 14 Semesterwochenstunden, einem Hauptseminar und einer Diplomprüfung.
. Anglo-Amerikanische Geschichte
. Energiewirtschaftslehre
. Genossenschaftswesen
. Literaturwissenschaft der zweiten Fremdsprache
. Mittlere und Neuere Europäische Geschichte
. Politikwissenschaft (nur ein Hauptseminar und Diplomprüfung)
. Sozialpolitik
. Soziologie
. Sprachwissenschaft der ersten Fremdsprache
. Verkehrswissenschaft
. Völkerkunde
. Wirtschaftsinformatik
. Wirtschafts- und Sozialgeographie
. Wirtschafts- und Sozialgeschichte
. Anglo-Amerikanische Geschichte
. Genossenschaftswesen
. Literaturwissenschaft der zweiten Fremdsprache
. Mittlere und Neuere Europäische Geschichte
. Sozialpolitik
. Soziologie
. Sprachwissenschaft der ersten Fremdsprache
. Völkerkunde
. Wirtschafts- und Sozialgeographie
. Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Ein Vorschlag der Studierenden, der versuchte, in letzter Minute sowohl die Wahlpflichtfächer als auch die
beiden Fächer VWL und Politik im Grundstudium in einem neuen Modell zu integrieren, wurde abgelehnt. Begründung
war u.a. die Überlastung der WiSo-Fakultät und daß man es Studierenden nicht zumuten könne,
an einem Fach zu scheitern, das im Hauptstudium eventuell nicht fortgesetzt würde.
Zu allem Überfluß hatte sich im Juni der Vorstand des Romanischen Seminars auch noch dafür ausgesprochen,
Sprachwissenschaften wieder einzuführen, was in den weiteren Verhandlungen zu Lasten der Geschichte realisiert
wurde. Dies geschah, obwohl die Sprachwissenschaft einhellig als am wenigsten berufsqualifizierend und für
unseren Studiengang als überflüssig angesehen wird. Ein Treppenwitz ist es, daß die Sprachwissenschaft
beibehalten wurde, obwohl sie bereits jetzt nach dem Grundstudium endet, und mit genau dem gleichen Argument, es
ende ja mit dem Grundstudium, ein paralleles Studium der Kernfächer VWL und Politik abgelehnt wurde!
In den verbleibenden Sitzungen im Wintersemester ging es dann nur noch um Detailfragen und Übergangsregelungen.
Ein Vorstoß der Studierenden, das kleine Latinum abzuschaffen, lehnte die professorale Mehrheit u.a. mit
folgender Begründung abgelehnt: “Wie wollen sie Regionalwissenschaften Lateinamerika studieren, wenn sie kein
Latein können.”
Die neue Prüfungsordnung bedeutet nach unserer Auffassung – so äußerten sich auch einige Professoren
– praktisch einen neuen Studiengang (oder besser zwei neue Studiengänge). Dementsprechend lehnen wir, die
Fachschaft, nach ausgiebiger Rücksprache mit der Studierendenschaft RWL, diesen Beschluß ab. Es ist
unserer Ansicht nach das Kernelement dieses Studienganges, alle vier Fächer parallel und interdisziplinär
zu studieren. Wir sind eben keine Spezialisten, sondern Generalisten. Wer dies nicht will, der sei auf die einschlägigen
Studiengänge in den einzelnen Fächern verwiesen, so z.B. Magister Romanistik/Politik/Geschichte.
In der Sitzung der Engeren Fakultät der Philosophischen Fakultät (oberstes beschlußfassendes Gremium
auf Fakultätsebene) vom 17. 12. 1997, auf der unsere neue Prüfungsordnung mit 8 Ja- zu 4 Nein-Stimmen
bei 3 Enthaltungen angenommen wurde, legten die studentischen VertreterInnen dann auch ein Sondervotum ein (siehe
nächster Artikel). Diese Prüfungsordnung muß nun noch im Senat der Universität verabschiedet
(die Sitzung wird Ende Januar/Anfang Februar stattfinden und ist öffentlich – beachtet unsere Hinweise im
Internet und am Schwarzen Brett) und dann vom Ministerium genehmigt werden.
Man kann nur hoffen, daß der Senat oder das Ministerium diesem Vorschlag ein würdiges Grab im Papierkorb
der verunglückten Studienreformen bescheren.
Johannes Beck