Nach den Volksfrontwahlen 1936 in Spanien putschten sich die Militärs am 17. Juli 1936 an die Macht. Was
als gewaltsamer, schneller Regierungswechsel gedacht war, bedeutete den Anfang eines dreijährigen grausamen
Krieges. An seinem Ende stand die faschistische Machtübernahme und das praktische Aus der zweiten spanischen
Republik.
Es handelte sich um den ersten „modernen“ Krieg, dessen Brutalität und Grausamkeit maßgeblich vom massiven
Einsatz ausländischen Kriegsmaterials bestimmt war. Dabei tat sich in erster Linie die deutsch-italienische
Luftwaffe unrühmlich hervor, die das franquistische Lager unterstützte. Das offizielle Ende des Krieges
bedeutete für viele die Fortsetzung des Terrors, der erst mit dem Tode Francos im Jahre 1975 der Vergangenheit
angehörte.
Auf etwa 230 Seiten gelingt es Walther L. Bernecker das äußerst komplexe Ereignis übersichtlich
und interessant darzustellen.
Ausgehend von den Hintergründen und Anlässen durchleuchtet er den Krieg auf seine militärische,
internationale, politische, sozioökonomische und ideologische Dimension. Durch das Gewirr von Kriegsgründen
führt Bernecker indem er das Bild von konzentrischen Kreisen verwendet. Dabei symbolisiert der äußere
Ring langanhaltende Strukturprobleme Spaniens, der mittlere den konjunkturellen Hintergrund und schließlich
der innere unmittelbare Anlässe. Wem der spanische Bürgerkrieg noch Neuland bedeutet, wird sich in dem
klaren Aufbau und mit Hilfe derartiger Darstellungsweisen einfach zurechtfinden.
Doch geht die Arbeit weit über eine Einführung hinaus. Jedes Kapitel stellt immer auch eine Bewertung
schon vorhandener Literatur dar. Bernecker überzeugt mit seiner weitreichenden Kenntnis über die Literaturlage
zum Thema. Ihm scheinen die Primärquellen ebenso vertraut wie die Sekundärliteratur. Mehrfach verweist
er auf Archive und Stellen, die noch aufschlußreiches, unausgewertetes Material beherbergen.
Häufig spricht er anderen Wissenschaftlern die Richtigkeit ihrer Forschungsergebnisse ab und stellt auf eine
glaubhafte Art und Weise die Sachlage richtig. Trotz zahlreicher Studien zum Thema gelingt es ihm neue Akzente
zu setzen.
Die geringe Beschäftigung mit der Rolle Portugals scheint ihm ebenso ungerechtfertigt wie die Darstellung
der faschistischen Partei Falange. Obwohl die Historiographie der Rolle Portugals nur wenig Aufmerksamkeit widmete,
ist die Hilfe des Estado Novo insbesondere in der Anfangsphase des Bürgerkrieges von schwerwiegender Bedeutung.
So fungierte Salazar quasi als Außenminister Francos und warnte vor der roten Gefahr, welche angeblich von
dem Sieg einer spanischen Republik ausginge. Gleichermaßen ist die Falange nicht wie üblicherweise behauptet
der einzige originär spanische Ausdruck des Faschismus in Spanien. Sie war im Gegensatz zur NSDAP keine faschistische
Massenorganisation, der allein Franco seinen Sieg zu verdanken hat. Ohne ihren Einfluß auf Aufbau und Ideologie
des „Neuen Staates“ zu bagatellisieren, wurde die Partei von Franco innenpolitisch instrumentalisiert und dem Militär
untergeordnet.
Keinen Hehl daraus macht Bernecker, daß die Forschung in vielen Bereichen noch im Dunkeln tappt. Gleichzeitig
gesteht er sich eine Auswahl bestimmter Themen zu und vermeidet Aussagen, die lediglich auf schwachen Beinen stehen.
Bernecker gibt sich mit der Abbildung des Kriegsverlaufes nicht zufrieden. Seine Arbeit ist viel eher eine Verdeutlichung
verschiedenster Interessen am Krieg, sei es auf innerspanischer oder internationaler Ebene. Vielleicht ungewollt
stellt er den Leser ständig vor die Frage der Schuld und Mitschuld. Die Frage danach schiebt sich um so mehr
in den Vordergrund als Bernecker auch Kriegsbeteiligte untersucht, die durch Nichteinmischung den Grausamkeiten
Vorschub leisteten. Er selbst vermeidet Bewertungen und Anschuldigungen. Sein Sinn für Gerechtigkeit drückt
sich vielmehr in der Präzision seiner Analysen aus.
Erfreulich ist die spanische Rechtschreibung, nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit betrachtet man kürzlich
erschienene historische Werke. Kleinere Fehler, die sich hier und da einschlichen, sind in Anbetracht des sonst
rundum gelungenen Buches zu verzeihen. Erfreulich ebenfalls die lesefreundliche Gestaltung. Fußnoten werden
ihrem Namen gerecht und befinden sich tatsächlich auf der kleinen Fußleiste. Mitunter ein Ausdruck dafür,
daß sich Bernecker mit dieser Arbeit auf das Wesentliche konzentriert und sich exakt auszudrücken versteht.
Das kurze, aber dennoch umfangreiche Werk ist von einem wirklichen Spanien-Experten geschrieben worden. Wie die
Historische Zeitschrift treffend bemerkte, handelt es sich um ein Standardwerk zum spanischen Bürgerkrieg
auf deutscher Sprache.
Jutta Wasserrab
Walther L. Bernecker, Krieg in Spanien 1936-1939, Primus Verlag, Darmstadt 1997, ISBN 3-89678-047-6, 261 Seiten,
49,80 DM.