|portuñol 12 - übersicht|
-Portugiesische Politik seit der Nelkenrevolution-
Kurz nach Mitternacht des 25. Aprils 1974 ertönt im katholischen Rundfunksender Rádio
Renascença das Lied “Grândola, Vila Morena”. Damit ist das vereinbarte Startzeichen gegeben worden.
Überall im Lande setzen sich Truppen in Richtung Lissabon in Bewegung. Zufahrtsstraßen, Regierungsgebäude,
Rundfunkanstalten, öffentliche Plätze werden besetzt, und nach ein paar Stunden ist alles gelaufen: Die
faschistische Diktatur unter Caetano Marcelo, dem Nachfolger António de Oliveira Salazars ist zu Ende.
Da die Bevölkerung den Soldaten an diesem Tag rote Nelken in die Gewehrläufe steckte, ging der 25. April
1974 auch als “Nelkenrevolution” (Revolução dos Cravos) in die Geschichte ein. Gänzlich unblutig,
wie oft zu lesen ist, war dieser Putsch nicht: Beim Erstürmen des PIDE-Gebäudes (port. Stasi) hatte es
drei Tote gegeben.
Eine der ersten Aufgaben der Regierung der Bewegung der Streitkräfte (Movimento das Forças Armadas/MFA)
waren Verhandlungen über die Unabhängigkeit der afrikanischen Kolonien und das Ende des portugiesischen
Kolonialkrieges.
Ein weiterer Schwerpunkt der neuen Regierungspolitik war die Agrarreform, die im Sommer 1975 eingeleitet wurde.
In mehreren Gesetzen versuchte man von März 1975 bis Januar 1976, die ungenutzten Ländereien der Großgrundbesitzer
für die Bebauung zugänglich zu machen.
Doch genau ein Jahr nach der Nelkenrevolution, am 25. April 1975, zeigte sich die Unzufriedenheit der Bevölkerung
mit der kommunistischen Politik des MFA in den Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung. Die meisten Portugiesen
entschieden sich gegen die dem MFA nahestehenden Kommunisten des PCP unter Álvaro Cunhal, die nur 12,5 %
der Stimmen erhielten. Die Parteien der Mitte und Befürworter einer parlamentarischen Demokratie westlicher
Prägung, die Sozialisten/PS (37,8 %) und die Demokratische Volkspartei/PPD (26,3 %), gewannen die Wahlen.
Trotzdem blieb der MFA-Oberst Vasco Gonçalves als Ministerpräsident im Amt. Als er ersetzt und eine
Regierung unter Beteiligung aller Parteien gebildet wurde, kam es im November 1975 zu einem Gegenputsch von links.
General Ramalho Eanes (PRD), er sollte im folgenden Jahr die Präsidentschaftswahlen gewinnen, gelang es allerdings
die Rebellion niederzuschlagen.
Die Verfassung von 1976 setzte dem Land das Ziel einer sozialistischen Gesellschaft. Die Macht sollte in demokratischer
Form von den arbeitenden Klassen ausgeübt werden, Produktionsmittel verstaatlicht und Großgrundbesitzer
entschädigungslos enteignet werden können. Neben dem Parlament und dem Präsidenten kam dem militärische
Revolutionsrat die Rolle eines Wächters über die Errungenschaften der Revolution zu.
Bei den ersten Parlamentswahlen, genau zwei Jahre nach der Nelkenrevolution am 25. April 1976, siegten erneut die
Sozialisten/PS mit 34,8 %; die Demokratische Volkspartei (PPD) erreichte 24,3 %, gefolgt vom konservativen Sozialdemokratischen
Zentrum (CDS) mit 15,9 % und der Kommunistischen Partei (PCP) mit 14,4 %. Zwischen den Jahren 1976 und 1987 waren
insgesamt elf Regierungen an der Macht. In diesem Zeitraum wurden unter Ausschluß der Kommunistischen Partei
alle möglichen Konstellationen von Mehr- und Minderheitsregierungen ausprobiert. 1980 kam der damalige Ministerpräsident
Francisco Sá Carneiro (PPD/PSD) bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Bis heute konnte nicht geklärt
werden, ob es sich um einen Unfall oder ein Bombenattentat handelte.
Eine erste Verfassungsrevision beendete 1982 schließlich die Existenz des Revolutionsrates und ersetzte ihn
durch den zivilen Staatsrat (Conselho de Estado), dessen Funktion sich auf die Beratung des Präsidenten beschränkt.
Daneben wurde noch ein Verfassungsgericht (Tribunal Constitucional) eingerichtet. Die nach dem 25. April 1975 durchgeführten
Verstaatlichungen durften jedoch weiterhin nicht mehr rückgängig gemacht werden.
Nach dem Sieg bei den Parlamentswahlen 1983 wurde der Sozialistenführer und spätere Staatspräsident
Mário Soares zum zweiten Mal Ministerpräsident. Eine der Hauptaufgaben der neuen Regierung war es,
über einen Beitritt Portugals zur EG zu verhandeln. Am 12. Juni 1985 wurden die Verträge zur Aufnahme
Portugals und Spaniens unterzeichnet, seit 1. Januar 1986 sind beide Länder Mitglied der EU. Soares und die
Sozialisten konnten jedoch die Früchte ihres Erfolges nicht mehr ernten: Am 25. Juni 1985 zerbrach die Koalition
von Sozialisten (PS) und Sozialdemokraten (PSD); am 6. Oktober erlitten die Sozialisten eine verheerende Niederlage
bei den Parlamentswahlen. Von ihren 101 Parlamentssitzen blieben ihnen lediglich 54. Sie waren für die schlechte
Wirtschaftslage, die durch die Vorbereitung auf den EG-Beitritt entstanden war, verantwortlich gemacht worden.
Wahlsieger waren die Sozialdemokraten (PSD) unter dem neuen Ministerpräsidenten Professor Aníbal Cavaco
Silva, die mit 88 Sitzen fortan regierten.
Die Präsidentschaftswahlen im Jahr 1986 gewannen jedoch die Sozialisten: Mário Soares wurde Nachfolger
des linkspopulistischen Generals Ramalho Eanes (PRD) und blieb bis 1996 Präsident, da er 1991 mit der Unterstützung
von PS und PSD wiedergewählt wurde.
Der Sozialdemokratischen Partei gelang es bei den Parlamentswahlen von 1987 und 1991 zweimal hintereinander, eine
absolute Mehrheit zu erringen und ohne Koalitionspartner zu regieren. Die Zeit von 1985 bis 1995 wird nach dem
portugiesischen Ministerpräsidenten Aníbal Cavaco Silva (PSD) auch als Ära des Cavaquismo bezeichnet.
Ihm gelang es, Portugal in eine moderne Industriegesellschaft zu überführen. Zusammen mit den Sozialisten
brachte der PSD 1989 die für eine Verfassungsreform notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit zusammen. Die sozialistischen
Überreste der Nelkenrevolution sowie die Agrarreform wurden aus der Verfassung entfernt.
Eine Folge der Amtszeit Cavaco Silvas war die Verschärfung der sozialen Gegensätze. Der wirtschaftliche
Aufstieg Portugals und die Verbesserung der Infrastruktur, finanziert durch Milliardenhilfen aus EU-Strukturfonds,
kamen vor allem der Mittel- und der Oberschicht zugute. Die Armen sind arm geblieben und Portugal kann sich der
traurigen Tatsache rühmen, eine der größten Einkommensunterschiede Europas zu haben. Zwar war es
den Laranjas (Orangen), wie die PSD-Mitglieder auf Grund der Parteifarbe Orange genannt werden, gelungen, hunderte
Kilometer Autobahnen zu bauen, doch konnten sie den Bewohnern der Slumsiedlungen keine menschenwürdige Wohnungen
anbieten. In den letzten Jahren des Cavaquismo erlebte Portugal zudem eine extreme Steigerung der Kriminalitätsrate,
deren Ursache neben der sozialen Diskrepanz der steigende Drogenkonsum war.
Nach zehn Jahren als Regierungspartei, davon acht mit absoluter Mehrheit, hatte der PSD in den Augen der Portugiesen
abgewirtschaftet. Ministerpräsident Cavaco Silva ahnte wohl die kommende Niederlage: Zum Entsetzen seiner
Partei kündigte er Anfang 1995 an, daß er nicht mehr kandidieren werde. Sein Nachfolger als Parteivorsitzender,
der wenig charismatische Fernando Nogueira, bekam bei den Parlamentswahlen am 1. Oktober 1995 die Quittung: ein
Verlust von 16 % der Stimmen. Deutlicher Gewinner dieser Wahlen waren die Sozialisten unter dem Parteiführer
António Guterres, die mit 43,9 % die absolute Mehrheit der Sitze nur knapp verfehlten. Da die Oppositionsparteien
nicht in der Lage sind, sich auf eine gemeinsame Gegenpolitik zu verständigen, können die Sozialisten
derzeit mit ihrer knappen Mehrheit von 112 von 230 Sitzen regieren.
Bei den Präsidentschaftswahlen am 14. Januar 1996 wurde der langjährige Bürgermeister von Lissabon,
der Sozialist Jorge Sampaio, zum Präsidenten gewählt. Er konnte sich klar mit 53,8 % der Stimmen gegen
seinen Gegner Aníbal Cavaco Silva (PSD) durchsetzen, der nur 46,2 % der Stimmen erhielt. Cavaco Silva verschwand
danach praktisch völlig von der politischen Bildfläche, man munkelt, daß er sich auf eine Kandidatur
bei den nächsten Präsidentschaftswahlen vorbereite. Zum ersten Mal in der Geschichte Portugals sind damit
gleichzeitig Regierungs- und Präsidialmacht in sozialistische Hände gelegt. Dazu kommt noch, daß
auch die drei wichtigsten Städte Lissabon, Porto und Coimbra von Sozialisten regiert werden.
Als Konsequenz der schlechten Wahlergebnisse trat der PSD-Parteichef Fernando Nogueira im Anfang 1996 zurück,
sein Nachfolger wurde der Jura-Professor Marcelo Rebelo de Sousa. So war endgültig der Wechsel zu einer neuen
Politikergeneration vollzogen, welche die Generation der Politiker des 25. April 1974 abgelöst hat. Der reibunglose
Übergang läßt kein Zweifel daran, daß sich die Demokratie in Portugal endgültig etabliert
hat und von der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung unterstützt wird.
Die seit einigen Jahren bei Wahlen deutlich zu erkennende Tendenz zu den beiden großen Parteien, PS und PSD,
und weg von den beiden kleinen Parteien, PP und besonders PCP, hat sich auch bei den Kommunalwahlen am 14. Dezember
1997 bestätigt. Während sich die Sozialisten behaupten konnten und erneut die meisten Rathäuser
eroberten, die Sozialdemokraten nur knapp hinter dem PS auf der zweiten Stelle landeten, verloren die Kommunisten
drastisch an kommunalem Einfluß. Selbst in ihren Hochburgen im Industriegürtel um Lissabon und im Alentejo
gingen ihnen Rathäuser verloren, die sie lange Jahre gehalten hatten.
Das politische System
Die aktuelle portugiesische Verfassung von 1992 garantiert einen außergewöhnlich großen Katalog
an individuellen Rechten, darunter z.B. das Recht auf Daten- und Verbraucherschutz, Arbeit, Kultur, Erziehung,
soziale Sicherheit, Gesundheitsfürsorge und angemessenen Wohnraum. Weiterhin sind die Vollbeschäftigung
der Bevölkerung als Staatsziel und der Umweltschutz als Staatsaufgabe definiert. Die praktische Umsetzung
dieser Ziele läßt aber besonders im Bereich des Umweltschutzes sehr zu wünschen übrig.
In Portugal gilt ein weitgehendes Asylrecht für politisch Verfolgte und für in ihrem Heimatland von der
Todesstrafe bedrohte Flüchtlinge.
Regierungsform ist eine parlamentarische Demokratie mit präsidialen Elementen. Die Gesetzgebung obliegt dem
Parlament (Assembleia Nacional), welches aus einer einzigen Kammer besteht. Ihr gehören 230-235 Abgeordnete
an, die für vier Jahre nach dem Verhältniswahlrecht mit d’Hondtschen Höchstzahlverfahren ohne Sperrklausel
gewählt werden. Die Sitze werden von 21 Distriktwahlkreisen vergeben, die je nach Bevölkerungsgröße
zwischen 3 (Évora) und 50 (Lissabon) Parlamentarier entsenden. Durch dieses Wahlverfahren ergeben sich gewisse
Verzerrungen zugunsten der großen Parteien: So reichen bereits ca. 45 % der Stimmen für eine absolute
Mehrheit der Sitze im Parlament aus.
Das Staatsoberhaupt ist der Präsident, der für eine Amtszeit von fünf Jahren direkt vom Volk gewählt
wird (nur eine Wiederwahl ist erlaubt). Er hat das Recht, das Parlament aufzulösen und Gesetze zur Überprüfung
auf ihre Verfassungsmäßigkeit an das Verfassungsgericht (Tribunal Constitucional) zu verweisen. Belegt
er ein Gesetz mit seinem Veto, kann dieses nur mit einer absoluten Mehrheit des Parlaments überstimmt werden.
Der Präsident ist außerdem Oberbefehlshaber der Streitkräfte.
Die Regierung besteht aus dem Ministerpräsidenten, der vom Präsidenten nach Anhörung der im Parlament
vertretenen Parteien ernannt wird, sowie dessen Ministern. Diese werden vom Ministerpräsidenten vorgeschlagen
und dann durch den Präsidenten ernannt. Das Parlament kann die Regierung durch ein Mißtrauensvotum oder
durch Ablehnung des Regierungsprogrammes stürzen.
Die Regierungspraxis der letzten Jahre zeigt, daß der Präsident sich meist auf eine korrektive Haltung
beschränkt. Er mischt sich normalerweise nicht in das politische Tagesgeschehen ein und handelt nur bei besonderen
Anlässen. So konnte auch dann die Regierungsfähigkeit des Landes erhalten werden, als Präsident
und Premierminister nicht von der gleichen Partei stammten.
Partido Socialista (PS)
Gegründet wurde die Sozialistische Partei Anfang der 70er Jahre auf Initiative der SPD und der Friedrich-Ebert-Stiftung
im deutschen Bad Münstereifel. Nach der Revolution von 1975 sah sich die Partei vor allem als Gegengewicht
zu den kommunistischen Militärs. Der PS steht in der Tradition der reformierten Sozialdemokratie, ist marktwirtschaftlich
und pro-europäisch orientiert. Historisch bedingt sind die Bindungen zur Freimauererei sehr eng, doch auch
bekennende Katholiken, wie z.B. der aktuelle Ministerpräsident António Guterres, finden in der Partei
eine politische Heimat. Der PS erzielt als einzige portugiesische Partei überall im Land gute Wahlergebnisse.
Am stärksten ist er in den großen Städten (Lissabon, Porto und Coimbra), in Mittelportugal an der
Grenze zu Spanien und an der Algarve vertreten.
Partido Socialdemocrata (PSD)
Der PSD wurde erst nach dem 25. April 1975 gegründet; nach einiger Zeit vereinigte er sich mit dem Partido
Popular Democrático/PPD des ehemaligen Ministerpräsidenten Francisco Sá Carneiro. Der PSD sieht
sich in der Tradition dreier weltanschaulicher Traditionen: der reformierten Sozialdemokratie, des Liberalismus
und der Christdemokratie. Auf europäischer Ebene arbeitete der PSD lange mit den liberalen Parteien zusammen,
mittlerweile ist er aber zur Fraktion der Europäischen Volkspartei gewechselt. Die sozialdemokratischen Hochburgen
liegen in Mittelportugal um Leiria und in den ländlichen Regionen nördlich des Tejo.
Partido Popular (PP)
Die Volkspartei wurde ebenfalls erst nach der Nelkenrevolution gegründet. Damals nannte sich die Partei
noch Centro Democrático Social/CDS, sozialdemokratisches Zentrum, und stand der politischen Mitte sehr nahe.
Zusammen mit dem PSD kandidierte der CDS Anfang der 80er Jahre im Wahlbündnis Aliança Democrática/AD,
um sozialistisch-kommunistische Wahlsiege zu verhindern. In den 90ern entwickelte er sich jedoch unter seinem neuen
Vorsitzenden Manuel Monteiro zu einer rechtspopulistischen Partei vom Schlage der österreichischen FPÖ.
Ausdruck der neuen Politik war auch die Umbenennung in Partido Popular, “Volkspartei”. Viele Parteigrößen,
darunter der ehemalige Präsidentschaftskandidat Freitas do Amaral, verließen die Partei, die sich mittlerweile
auf einen Anti-EU-Kurs begeben hat. Ihr Wahlmotto lautete 1995 “Portugal den Portugiesen”. Die besten Ergebnisse
erzielt die Volkspartei traditionell im Norden Portugals.
Partido Comunista Português (PCP)
Der PCP wurde als einzige heute existierende Partei schon lange vor der Nelkenrevolution gegründet. Die
Kommunisten waren unter ihrem langjährigen Vorsitzenden Álvaro Cunhal auch eine der wichtigsten oppositionellen
Kräfte gegen das Salazar-Regime. Bis zu Beginn von Perestroika und Glasnost extrem moskauhörig, blieb
der PCP auch nach 1989 seinen Ideologien unbeirrt treu. Die alte sowjetische Fahne mit Hammer und Sichel ist weiterhin
Parteisymbol und Gorbatschow wird als Verräter des Sozialismus beschimpft. Auf lokaler Ebene machen die Kommunisten
jedoch, oft in Koalition mit den Sozialisten (so z.B. in Lissabon), recht vernünftige Politik. Hochburgen
der Kommunisten sind der Alentejo und der Industriegürtel um Lissabon, wo sie teilweise absolute Mehrheiten
erzielen. Im Rest des Landes ist dagegen für den PCP nichts zu holen.
Der PCP tritt bei Wahlen traditionell in Bündnissen mit anderen kommunistischen Parteien sowie den Grünen
(Partido Ecologista Os Verdes/PEV) an. In den 80ern nannte sich das Wahlbündnis Aliança do Povo Unido/APU,
“Allianz des Geeinten Volkes”. Derzeit führt es die für deutsche Augen irritierende Abkürzung CDU
- Coligação Democrática Unitária, “Demokratische Einheitskoalition”. Die Grünen
sind allerdings als eigenständige Partei kaum wahrzunehmen; sie werden im allgemeinen als Anhängsel des
PCP betrachtet. Nicht einmal innerhalb des Wahlbündnisses CDU schaffen sie es, wirksam ökologische Akzente
zu setzen, sondern dienen eher als Mehrheitsbeschaffer.
Die regionale Gliederung
Portugal hat ca. 10 Mio. Einwohner (1995), eine Bevölkerungsdichte von 112 Menschen pro km2 und eine Fläche
von 91.700 km2; damit ist es um ca. 10 % größer als Österreich. Die República Portuguesa
(Portugiesische Republik), so der offizielle Staatsname, ist ein Zentralstaat mit 19 Distrikten auf dem Festland,
die von der Zentralregierung ernannte Zivilgouverneure verwalten.
Die Distrikte setzen sich aus Kreisen (Concelhos oder Municípios) zusammen. Die Kreisverwaltungen (Câmaras
Municipais) sind die wichtigsten Verwaltungsorgane unterhalb der nationalen Ebene. Sie werden von einem direkt
gewählten Bürgermeister (Presidente da Câmara Municipal) und dem Stadtrat (Assembleia Municipal)
geleitet. Die Kreise teilen sich wiederum in Pfarrsprengel (Freguesias) auf, die jedoch nicht annähernd die
Kompetenzen der deutschen Gemeideverwaltungen besitzen. Die überseeische Besitzung Macau wird von einem Gouverneur
verwaltet; ein nur teilweise gewähltes Parlament besitzt dort eingeschränkte Mitbestimmungsrechte. 1999
soll die portugiesische Verwaltung von Macau beendet und von der Volksrepublik China übernommen werden.
Eine Sonderstellung im portugiesischen Staat nehmen die zwei Autonomen Regionen der Inselgruppen Azoren und Madeira
ein. Sie verfügen über eigene Regionalparlamente und Regionalregierungen. Alle anderen historischen Regionen
existieren nicht mehr und wurden jeweils durch mehrere Distrikte ersetzt. Obwohl schon in der Verfassung von 1976
vorgesehen, kam es bis heute nicht zur Neubildung von Regionen. Seit 1995 hat das Thema aber wieder an Aktualität
gewonnen, da sich die Sozialisten in ihrem Wahlprogramm dazu verpflichtet hatten, die Regionen wieder einzurichten.
Heftiger Widerstand aus den Reihen der Volkspartei und der Sozialdemokraten, die sich erfolgreich für ein
Referendum über die Einführung von Regionen ausgesprochen haben, sowie ungeklärte Fragen über
den Zuschnitt der neuen Regionen, haben ein Umsetzen der Pläne bisher verhindert.
Aktuelle politische Themen
In der politischen Diskussion der letzten Monate spielt natürlich auch in Portugal die Diskussion um den
EURO eine große Rolle.
Sozialisten und Sozialdemokraten sowie die Mehrheit der Bevölkerung sind für eine Teilnahme Portugals
an der gemeinsamen europäischen Währung, während Kommunisten und Volkspartei den EURO strikt ablehnen.
So wurde unter der Androhung von Neuwahlen ein Gesetzesvorschlag der Sozialdemokraten zur Reform der Gemeindefinanzierung
abgelehnt, der die Staatsausgaben erhöht und somit verhindert hätte, daß Portugal das Maastricht-Kriterium
von 3,0 % Bruttoinlandsprodukt Neuverschuldung erreicht.
Die portugiesische Regierung hat es sich als absolutes Ziel gesetzt, bei der ersten Gruppe der europäischen
Währungsunion dabeizusein. Nicht noch einmal will man abseits stehen, wenn Europa weiter zusammenwächst.
Johannes Beck

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Diese Seite wurde erstellt von Jutta Wasserrab und Johannes
Beck am 13.03.98