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-Die Eroberung der Hoffnung-

Tagebücher aus der kubanischen Guerilla

Ein 82 Mann starker Trupp startet von Mexiko aus die bewaffnete Invasion Kubas. Es sind Kubaner und Internationalisten, die wild entschlossen sind, die Insel vom Terror des Putschistenregimes Fulgencio Batista y Zaldivar zu befreien. Nach Abschaffung der Verfassung von 1940 regierte Batista als Diktator und Tyrann. Die Insel stürzte in eine immer tiefere Krise. Sie war gekennzeichnet von hoher Arbeitslosigkeit, industrieller Fehlentwicklung, extremer Abhängigkeit vom US-Kapital sowie katastrophalen Besitzverhältnissen. Die Bereitschaft zum Widerstand wuchs.

Am 2. Dezember 1956 landen die Revolutionäre des Movimiento 26 de Julio (M-26-7) mit der kleinen Jacht Granma auf Kuba. Truppen Batistas entdecken die Gruppe. Sie wird zersprengt und auf 18 Personen dezimiert. Die Überlebenden, darunter die Brüder Castro und Che Guevara, beginnen trotz allem einen mühevollen Guerillakrieg, der zwei Jahre später erfolgreich sein sollte.

Die Tagebücher Raúl Castros und Che Guevaras setzen ein mit der Ankunft auf Kuba und enden zum einen mit dem Bericht der Weltpresse über die Guerilla, zum anderen mit dem ersten Kontakt mit der kubanischen Leitung der Bewegung. Damit umfassen die Bücher die ersten elf Wochen einer Expedition, die insgesamt etwa zwei Jahre dauerte.

Mit den Worten Die Tagebücher von Che und Raúl zeigen viel über das Wesen der kubanischen Revolution und den Charakter ihrer Kämpfer und bieten damit nicht wenige Antworten für all jene, die sich heute noch fragen, wie die Revolution so viele Schwierigkeiten und Hindernisse überwinden konnte, die sich ihr in diesen 38 Jahren seit dem 1. Januar 1959 entgegenstellten wird der ahnungslose Leser in die revolutionäre Welt entlassen. Während der nächsten Stunden der Lektüre befinden sich Raúls und Ches Offenbarungen für die Nachwelt irgendwo zwischen Kondensmilch, Zuckerrohrgemümmel und Verdauungsstörungen. Dabei handelt es sich um die Highlights der wertvollen Niederschriften, die nicht komplett, sondern lediglich in Auszügen veröffentlicht wurden.

Che spricht maximal in einer Länge von etwa 30 Seiten von insgesamt 290 zu uns. Raúl darf etwa doppel bis dreimal soviel. Der Rest ist historische Rekonstruktion mit dem eben schon genannten brisanten Informationsgehalt, verpackt in pathetische Sprache, wie man sie sich von wahren Revolutionären gerne erträumt. Castros und Guevaras bodenständige Ausdrucksweise bieten einige erholsame Momente. Die Brisanz und Aktualität der Bücher wird schamlos übertrieben und man kann sich des Gedankens nicht erwehren, daß zum 30. Todestag Che Guevaras der einstige Revolutionär die Kassen noch einmal klingeln lassen soll. Zwischen Durchfall und gegrilltem Maiskolben finden sich beim besten Willen keine Themen wie das Problem der Legitimität des bewaffneten revolutionären Kampfes, die delikate Anthropologie des heroischen Befreiungskampfes und die Gültigkeit des revolutionären Weges als Mittel tiefgreifender gesellschaftlicher Umwälzungen.

Auch Dieterich stellt mit seinem einleitenden Beitrag keine rühmliche Ausnahme dar. Er liebt die eindeutige Abgrenzung von Gut und Böse auf James-Bond-Niveau und bombardiert den Leser mit schwülstigen Ausdrücken und Fremdwörtern. Fidels Regierung wird gleichgesetzt mit der wiedergewonnenen Souveränität des Volkes. Mit Kuba begann die Schlacht gegen die weltweite Tyrannei des Kapitals. Die Misere der Staaten, die sich dem Neoliberalismus angeschlossen haben, ist für Dieterich die Bestätigung der kubanischen Revolution. Dieser Schluß ist ebenso billig wie die Behauptung, der Niedergang des Sozialismus sei die Bestätigung für den Neoliberalismus. Auch wenn die US-amerikanische Politik gegenüber Kuba nicht zu rechtfertigen ist, so ist das Regime Fidel Castros noch längst nicht von seinen Fehlern freigesprochen. Die Machtkonzentration auf nationaler Ebene und gelenkte Wahlen begrenzen die basisdemokratischen Ansätze im System des poder popular. Während Dieterich Castro bestätigt sieht, demonstriert und protestiert das kubanische Volk gegen seine starre Politik. Gerade um soziale Errungenschaften der Revolution zu wahren, sind Demokratisierung und Dezentralisierung notwendig. Ansonsten läuft das kubanische Regime Gefahr auseinanderzubrechen.

Dieses Buch eignet sich ausschließlich für Revolutionsfanatiker und eingefleischte Che-Freunde, möglicherweise noch für WissenschaftlerInnen, die sich mit der Speisekarte eines Revolutionärs befassen und dessen Magenschmerzgrenze errechnen wollen. Alle anderen sollten die Finger von dem Buch lassen und auch in Zukunft bei Tagebuchveröffentlichungen auf der Hut sein. Mit dem Verlegen von bisher unbekannten Büchern wird den Lesern ausdrücklich gedroht. Bitte verschont uns mit weiterer Revolutionsromantik und laßt die Tagebücher im Kreis der Chronisten. Die werden für deren Lektüre wenigstens bezahlt!
Jutta Wasserrab

Ernesto Che Guevara/Raúl Castro, Die Eroberung der Hoffnung. Tagebücher aus der kubanischen Guerilla Dezember 1956 bis Februar 1957, Horlemann Verlag, Bad Honnef 1997, ISBN 3-89502-064-8, ca. 290 Seiten, 34 DM.

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Diese Seite wurde erstellt von Jutta Wasserrab und Johannes Beck am 13.03.98