Wahlen und Antiregimekriege in Zentralamerika

Eine vergleichende Studie

Wie Wahlen zum Entstehen und zur Beilegung von Bürgerkriegen in Zentralamerika beigetragen haben, untersucht Michael Krennerich in seiner unter dem Titel “Wahlen und Antiregimekriege in Zentralamerika” veröffentlichten Dissertation. Er betrachtet dabei die Wahlen im Zeitraum von 1945-1995 sowie folgende Kriege: Revolutionskrieg und Contra-Kriege in Nicaragua, Bürgerkrieg der FMLN in El Salvador und der Antiregimekrieg in Guatemala. Beim letzten Krieg hat die Aktualität die Studie bereits eingeholt, der Friedensschluß zwischen den Konfliktparteien fand nach Redaktionsschluß statt.

Neben den Schilderungen der drei Länder, in denen Kriege stattfanden, geht Krennerich immer wieder kurz auf die beiden abweichenden Fälle Honduras und Costa Rica ein.

Im ersten Teil des Buches schildert er die Entwicklung der Wahlen in Zentralamerika und legt dabei ein besonderes Gewicht auf die Frage, inwieweit ein wirklicher Wahlwettbewerb geherrscht hat. Er nennt dies Kompetitivität der Wahlen. Hier erfahren wir viele interessante Details zum Wahlablauf. Leider wird die Teilnahme von Frauen an den Wahlen nur am Rande gestreift. In den beiden folgenden Kapiteln wird die Entstehung der Kriege und ihre Beilegung geschildert.

Das letzte Kapitel ist auch das beste, da hier die Beschreibungen der einzelnen Länder gut von einander getrennt sind. In den anderen Teilen vergleicht der Autor die Länder permanent miteinander, und dies oft ohne Unterüberschriften zu setzen. Die häufigen Sprünge zwischen den Ländern sind unheimlich verwirrend, wichtige Unterschiede und Gemeinsamkeiten treten aufgrund der Fülle an Vergleichen nicht mehr klar heraus.

Noch kritisierbar ist, daß Krennerich sehr viele Fremdwörter einfach übernimmt, ohne sie richtig zu erklären, so z.B. gatekeeper und broker aus der Klientilismusforschung. Trotz der amerikanischen Zitierweise finden sich viele Fußnoten im Buch, die den Lesefluß teilweise erheblich stören. Richtig ärgerlich wird dies, wenn eine ¾-Seite nur aus kleingeschriebenen Fußnoten besteht oder sich eine Fußnote gar über eine halbe Seite hinzieht. Die Lesbarkeit einiger Tabellen hätte durch Grafiken erhöht werden können. Gerade bei Wahlergebnissen oder Sektoraufteilungen des Bruttoinlandsproduktes bietet sich dies besonders an.

Leider präsentiert uns der Autor seine gut und ausführlich recherchierten Inhalte in schlechter Form, so daß das Fazit lautet muß: Inhalt “gut”, Präsentation “mangelhaft”. Die Gesamtnote ist bei diesem Preis leider nur “nicht ausreichend”.

Johannes Beck

Michael Krennerich, Wahlen und Antiregimekriege in Zentralamerika, Politische Organisation und Repräsentation in Amerika Band 6, Leske + Budrich, Opladen 1996, ISBN 3-8100-1706-X, 422 Seiten, 72,- DM

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Diese Seite wurde erstellt von Johannes Beck am 05.06.97