So, und jetzt den schnellen Dreierschritt. O, assim. E agora, é o samba, samba do Rio.” Übersetzt bedeutet das, völlig locker zu bleiben, die Beine in absurdem Tempo zu bewegen und dabei völlig entspannt zu wirken. “Ihr müßt dabei lachen, sonst sieht das nicht schön aus!” Kurzes Innehalten. “Ihr könnt auch weinen, wenn Euch danach ist, ihr müßt nicht immer lachen.” Für beides haben wir jedoch keine Zeit, schließlich müssen die Beine auf dem Laufenden gehalten werden.
Freitag nachmittag 17.00 Uhr. Zum erstenmal wird im Unisport ein Samba-Tanzkurs, Samba do Rio, é claro, angeboten. Eigentlich handelt es sich nicht wahrlich um ein Angebot, mehr um freiwillige Knochenarbeit. Die Beine wären soweit in Fahrt, jetzt aber bitte nur auf den Fußballen, gleich auf den Fersen, zuuur Seite, nach hinten, zurück und alles wieder von vorn. Äh wohin? Das schöne an diesem Tanz sind insbesondere seine Variationsmöglichkeiten, zum Verzweifeln.
Da gibt es unendlich viele, sie sehen immer völlig anders aus, basieren angeblich auf dem gleichen Schritt und sind mit dem Kopf partout nicht zu fassen. Das Geheimnis liegt darin, den Kopf auszuschalten und die Beine sprechen zu lassen. Was aber, wenn sie sich ausschweigen? Doch richtige SambatänzerInnen benötigen ebenfalls ein Quentchen Zeit bis zur Perfektion. Haben sie die erreicht, wird der Tanz zu einer Komposition aus wirbelnden Beinen und Armen und einer aufreizenden Beckenbewegung. Die sexuelle Klangfärbung schwingt dabei ununterbrochen mit.
Vielleicht nicht verwunderlich, bedenkt man den Ursprung des Tanzes. Unter Semba wurde in Angola die Partnerwahl verstanden, die Bauchnabel an Bauchnabel tanzend getroffen wurde. Mit der Versklavung von Afrikanern und Afrikanerinnen drang der Semba nach Brasilien, praktiziert freilich nur unter den Sklaven, denen aus wirtschaftlichen Reproduktionsüberlegungen dieser “Freiraum” zugestanden wurde. Erst mit der Sklavenbefreiung und mit der Ansiedlung auf den Hügeln der Städte kam der uns vertraute Samba auf. Bis heute entstehen immer wieder neue Formen dieses Tanzes und zuweilen beeinflußt er andere Musikrichtungen.
Der Samba ist weit davon entfernt, reine kommerzielle Karnevalsklamotte zu sein, auch wenn er dazu gerne ausgenutzt wird. Samba begegnet uns in Brasilien überall.
Indes ist von dieser tänzerischen Harmonie bei uns weniger zu verspüren. Spätestens bei der Aufforderung, die Bein- mit der Beckenarbeit zu kombinieren, kommen wir ins Stolpern.
Von Sinnlichkeit und provokantem Körper kann ebenso wenig die Rede sein, alles wirkt etwas mechanisch und schematisch. Erste Erfolge konnten aber schon erzielt werden, mittlerweile werden wir beim Sambahören schon empfindlich nervös und es juckt in den Beinen...
Jutta Wasserrab