Ich habe lange mit mir gerungen, ob der Artikel eine Antwort verdient oder besser nicht. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um einige Gedanken zu Papier zu bringen, ob die Veröffentlichung eines Artikels zu der Problematik irgendeinen Nutzen hat oder nicht. Nachrichten in der deutschen Öffentlichkeit zu Sextourismus sind weder selten noch neu. Ein Blick in kommerzielles Fernsehen und Printmedien macht deutlich, daß es sogar ein beliebtes Thema zur Auflagensteigerung ist. Die Veröffentlichung eines Artikels in einer Fachschaftszeitung fernab von allen kommerziellen Interessen verspricht in der Beziehung unter Umständen neues. Der moralische Appell, sich nicht an Sextourismus zu beteiligen ist mit Sicherheit nicht neu. Die angesprochenen Zustände sind genausowenig anders, als in bekannteren Zielen des Sextourismus wie z.B. Recife. Neu an dem Artikel ist einzig und allein das Beispiel Fortaleza. Dies ist in der deutschen Presse bisher eher vernachlässigt worden. Es ist äußerst zweifelhaft, daß das einzig neue an dem Artikel, nämlich das Beispiel, irgendwie dazu beitragen könnte, den Sextourismus zu verringern.
Da die Prostitution nicht illegal ist, beschränkt sich der Kampf gegen den Sextourismus in Deutschland im wesentlichen auf moralische Appelle. Die Bekämpfung muß vor allem vor Ort geschehen. Wie ist der Umgang mit der Problematik in Fortaleza? Für die letzten zehn Jahre ist eine deutliche Zunahme des Phänomens zu konstatieren. Die Verantwortlichen stehen vor dem Dilemma, einerseits den Tourismus als Wirtschaftszweig zum Wachstum des Staates einzusetzen, andererseits mit zunehmenden Problemen zu kämpfen. Schon 1993/94 setzte der Rat der Stadt Fortaleza eine Untersuchungskommission ein, die den Sextourismus aufarbeitete und die Größe der Probleme aufzeigte. Folge waren Maßnahmen gegen Hotels und Bars, die die Kinderprostitution zuließen. Auf der anderen Seite versucht die Landesregierung in der Werbung für Touristen, bewußt die kulturelle und topographische Vielfalt Cearás in den Vordergrund zu stellen. Ziel der Kampagne ist es, den Ökotouristen und Familien für Ceará zu interessieren. Dies geschieht vor allem über eine Betonung der Reiseziele des Inlands. Es ist unsicher, wie ernst die Politiker ihren Kampf gegen den Sextourismus nehmen, und ob die Situation sich nicht noch weiter verschlechtert. Opposition und Menschenrechtsgruppen prangern die Mißstände immer wieder an.
Aber in dem Artikel von Johannes Beck geht es nicht um diese Fragen. Es geht um eine nüchterne Darstellung des Phänomens “Sextourismus” am Beispiel von Fortaleza. Neu an diesem Artikel ist jedoch einzig und allein das Beispiel und so bleibt als Essenz des Artikels nur eins: Die Werbung für ein neues Reiseziel für den Sextouristen. Und diese Essenz macht den Artikel mehr als überflüssig.
Sérgio Barreira