Neues aus der ESG:

Multikulti lebt!

MULTIKULTURELL - ein reichlich abgedroschener Begriff??

Das mag vielleicht sein, und deshalb wäre es einmal wieder an der Zeit, sich zu überlegen, was sich hinter diesem Begriff denn eigentlich verbirgt. Das Zusammenleben von Menschen verschiedener Nationalitäten gestaltet sich nunmal schwierig, und häufig sind Mißverständnisse und mangelnde Kenntnis des Anderen schuld an gegenseitigem Mißtrauen oder sogar Haß.

Eigentlich kennt jeder diese Zusammenhänge und ebenso die Folgen daraus: Amnesty International prangerte jüngst auf der jährlichen Mitgliederversammlung an, daß zunehmend wirtschaftliche Interessen die Einhaltung und Überwachung von Menschenrechten blockierten. Angesichts drückender wirtschaftlicher Probleme gewinnt egoistische Kalkulation schnell die Überhand, und um so einfacher geht das Gewissen darüber hinweg, je weniger freundschaftliche oder solidarische Verbindung man mit den Opfern verspürt. Auch die Betroffenheit über die regelmäßigen Berichte von "Übergriffen auf Ausländer in Deutschland" hält sich angesichts der Flut schlechter Nachrichten meist in Grenzen. Es wäre sicherlich auch die falsche Lösung, sich tagtäglich von solchen für den Einzelnen unlösbaren Problemen entmutigen zu lassen, denn oft verstellt dies auch den Blick auf die eigene Umgebung.

Doch braucht mensch gar nicht so weit zu schauen. Wahrscheinlich hat jeder Student und jede Studentin schon einmal eine von diesen Parties erlebt, auf denen "die Marokkaner" anfangen, sich zu beschweren, "die Deutschen" würden ja gar nicht tanzen. Oder aber die Deutschen beklagen sich ihrerseits, wenn es die Gäste wagen, ihre für das deutsche Ohr zugegebenermaßen ungewöhnlichen Klänge aufzulegen. Außerdem gilt auf der einen Seite als unhöflich, was auf der anderen als selbstverständlich empfunden wird, undsoweiterundsofort. Schon bleibt die Stimmung auf der multikulturellen Strecke, und fertig ist das Vorurteil.

Vielleicht sollte sich jeder und jede vielmehr die Frage stellen: Warum fühlen sich eigentlich viele AusländerInnen so unwillkommen in Deutschland? Gehen Deutsche zuwenig auf Ausländer zu? Sondern sich Ausländerinnen zu sehr ab? Betrifft mich das überhaupt persönlich?

Für Leute (deutsche und ausländische selbstverständlich), die Lust haben, diesen Fragen gemeinsam auf den Grund zu gehen, die eigene Sensibilität dafür zu wecken und Verständnis füreinander zu entwickeln, veranstaltet die Evangelische Studierendengemeinde (ESG) im nächsten Semester ein "Interkulturelles Seminar". Am 7. Juni findet dafür ein Planungstag von 10 bis 17 Uhr statt, wozu alle herzlich eingeladen sind, die Ideen und Anregungen beitragen oder einfach nur dabeisein möchten. Wer teilnehmen möchte, sollte sich bei Julia Strecker (Tel.: 9405220) anmelden.

Übrigens, wer bei "Evangelische Studierendengemeinde" an verkrustete Kirchenstrukturen oder diskussionswütige Friedensbewegte denkt, der kennt die ESG noch nicht! Die ESG-Uni lebt von der aktiven Mitgestaltung der Studierenden und erst dadurch erhalten die Veranstaltungen ihr Gesicht. Und gerade für diejenigen, die neben dem Studium gelegentlich auch einmal nach links und rechts schauen und sich mit anderen über die verschiedensten Themen austauschen wollen, bietet die ESG ein vielfältiges Angebot, das von "Aktionen gegen Atomtransporte" über "Sekten in Deutschland" bis "Feministische Theologie" reicht. Einige der Veranstaltungen finden alle zwei Wochen statt, aber ebenso organisieren einige Gruppen regelmäßige Vorträge, zum Teil auch mit fachkundigen Referenten, zu denen jede interessierte Person eingeladen ist. In diesem Rahmen möchte ich zum Beispiel auf Vorträge wie "Weltwirtschaft und Entschuldung der Länder des Südens" am 1.Juli um 19.30 Uhr oder auf den Länderabend Panama am 10. Juni um 20.00 Uhr, den übrigens ein RWLer leiten wird, hinweisen. Auch für Gemütlichkeit ist gesorgt: Nachdem der internationale Sonntagmorgen-Brunch sich schon dieses Semester als sehr beliebt erwiesen hat, soll auch weiterhin jeden ersten Sonntag im Monat um 11 Uhr gegessen, geklönt und gedöst werden.

Die Veranstaltungen finden in den Gemeinschaftsräumen des Wohnheims der Evangelischen Studentengemeinde statt, das sich in der Bachemer Straße 27 neben dem Hildegardis Krankenhaus befindet, also nicht weit von der Uni. Wäre das nicht eine wundervolle Gelegenheit, die allseits gelobten regionalwissenschaftlichen Eigenschaften, wie Flexibilität und breitgefächerte Interessen unter Beweis zu stellen? Arsch huh und viel Spaß!

Inga Seifert

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Diese Seite wurde erstellt von Johannes Beck am 05.06.97