Editorial

Über Sinnfreies und Wertloses

Sie wissen nicht, was sich hinter dem Wort interdisziplinär verbirgt? Mit diesem Wort verbinden Sie etwas Sinnfreies und Wertloses? Dann sind Sie hier genau richtig, Sie empfinden ebenso wie die Mehrzahl der Professoren, die über den Fortbestand unseres Studienganges zu entscheiden haben.

Weil unser Studiengang nämlich interdisziplinär ist, geht uns eine wirkliche vertiefte Ausbildung verloren. Wohl wahr. Als Spezialisten werden wir aus keinem unserer vier Fächer hervorgehen. Davon ist auch nie die Rede gewesen. Was uns nämlich auszeichnet ist die Bandbreite, eben die Inter-disziplinarität. Die aber soll mit der neuen Studienordnung nun verstümmelt werden. Ich pfeife auf ein paar zusätzliche Stunden VWL, wenn Politik dafür sterben muß. Um als RWLerIn zu arbeiten, ist der politisch-kulturelle Hintergrund eines jeden Landes unabdingbar. Schon allein, um nach dem Studium mit dem Fachwissen nicht einfach über Fremdes und Unbekanntes hinwegzutrampeln. Anstatt dem Studiengang die Inter-disziplinarität zu nehmen, sollten sich alle Zuständigen doch bemühen, sie aufrechtzuerhalten und in erster Linie mit Inhalt zu füllen. Daran hapert’s nämlich wirklich.

Das Absurdeste ist die Tatsache, daß ein anderer Entwurf für den Studiengang existiert, den die Fachschaft entworfen hat (siehe Portuñol Nr. 10). Dieser ist eindeutig besser als der nun erwählte (siehe Artikel „Und da waren`s nur noch drei...“ in diesem Heft) und wurde zunächst auch von der Mehrzahl aller Professoren der Reformkommission begrüßt. Gescheitert ist er an einem harten Schädel eines inflexiblen Volkswirtes und am Unvermögen und mangelnder Durchsetzungskraft der anderen. Anders läßt sich diese Entscheidung nicht erklären.

Jutta Wasserrab

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Diese Seite wurde erstellt von Johannes Beck am 05.06.97