Diese Frage sollte am 29.4. im Rahmen eines Vortrags in der Evangelischen Studentengemeinde geklärt werden. Als Referent eingeladen war der Diplomagraringenieur Jürgen Heinkele, Mitarbeiter einer vorwiegend auf landwirtschaftliche Entwicklung spezialisierten Consulting-Firma.
Consulting - diese Bezeichnung hatte ich bisher eher mit Unternehmensberatung verbunden. Um so überraschter hörte ich, daß immerhin 15% der deutschen Consulting-Firmen ihr Geld im Bereich der Entwicklungshilfe verdienen. Dies geschieht hauptsächlich im Bereich der Projektdurchführung. Auftraggeber dieser Firmen sind meist die Institutionen der staatlichen Entwicklungshilfe wie GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit), BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) , zu einem geringen Teil aber auch Nichtregierungsorganisationen.
Insgesamt muß man drei Stufen einer Projektidee unterscheiden: Projektvorbereitung, Durchführung und Evaluierung, die alle auch von Consultings bearbeitet werden. Projektvorbereitungen bestehen im Wesentlichen aus Studien, die für den Auftraggeber angefertigt werden. Diese werden nach gewissen standardisierten Methoden erarbeitet, die versuchen, möglichst alle Auswirkungen eines Projektes (ökologisch, ökonomisch, sozial) herauszufinden und eine genaue Bestimmung der Projektziele möglich machen. Auch die Miteinbeziehung der jeweils betroffenen Gruppen an der Planung und Durchführung des Projekts wird immer mehr in den Vordergrund gestellt.
Die konkrete Durchführung des Projekts ist die nächste Stufe und stellt das Hauptaufgabenfeld der Consulting-Firmen dar. Hier geht es vor allem um die Zusammenführung verschiedener Experten und des know hows. Consultings agieren von einem Heimatbüro aus, welches Experten sowohl im Auftrags- als auch im Projektland anspricht, Ausschreibungen organisiert und insgesamt alle Tätigkeiten koordiniert. Wichtig ist also vor allem, die richtigen Experten in den jeweiligen Ländern zu kennen und anzusprechen, denn auch wenn immer noch deutsche Experten für 2-3 Jahre in die Projektländer entsandt werden, so ist dieses doch im Wandel begriffen. Auch J. Heinkele machte deutlich, daß er die Rolle der "weißen Experten" kritisch sieht. Inzwischen ist der verstärkte Einsatz einheimischer Spezialisten nicht mehr nur eine idealistische Zielvorstellung, sondern auch gängige Praxis. Allerdings betonte der Referent auch die Schwierigkeiten, die sich aus dem großen Vorteil der einheimischen Spezialisten, der Kenntnis der kulturellen und gesellschaftlichen Bedingungen des Projektlandes, ergeben. So meinte er, es müsse immer eine Zusammenarbeit einheimischer und in das Land entsandter Experten geben, um die jeweiligen Umstände unvoreingenommen und objektiv zu beurteilen.
Ein anderer wesentlicher Punkt der Projektdurchführung ist ein hoher Grad an Flexibilität, um auf mögliche Änderungen und Undurchführbarkeiten des ursprünglichen Konzepts reagieren zu können. Auch wenn in der Planung die tatsächliche Machbarkeit im Vordergrund stehen sollte, werden wichtige Faktoren hierfür oft erst in der konkreten Umsetzung erkannt.
Die letzte Stufe eines Projekts ist dessen Evaluierung. Um eine größtmögliche Neutralität und Objektivität der Betrachtung zu erreichen, ist es hierbei natürlich wichtig, daß die Evaluierung eines Projektes nicht von der das Projekt durchführenden Firma geleistet wird.
Eines der größten und- laut Aussagen der Fachleute- oft wesentlicher Grund beim Scheitern von Projekten ist die Zusammenarbeit mit Behörden des Empfängerlandes. Dies ist auch der Hauptunterschied zu der Vorgehensweise deutscher Nichtregierungsorganisationen. Während diese eben mit Initiativen im Projektland selbst zusammenarbeiten, läuft die staatliche Entwicklungshilfe wegen der offiziellen Komponente nur über staatliche Stellen und Behörden des Projektlandes.
Insgesamt kann man die Arbeit einer Consulting-Firma als den ausführenden Arm staatlicher Entwicklungshilfe beurteilen. In diesem Zusammenhang sind denn auch die Kritikpunkte an der Rolle einer Consulting-Firma überhaupt zu sehen. Was z.B.die Projektplanung angeht, so übernehmen Consulting-Firmen die ethischen Kriterien der Bundesregierung- und gerade in dem Bereich der Menschenrechte wird hier ja oft mit zweierlei Maß gemessen. Daneben sind manche Auftraggeber wie die Weltbank sehr auf die finanzielle Rentabilität der Projekte bedacht oder schränken Ausschreibungen auf deutsche Firmen ein- bedienen also die klassischen Vorwürfe an die staatliche Entwicklungshilfe, finanziellen Nutzen für das eigene Land zu ziehen. Dieser Kritik müssen natürlich auch die Consulting-Firmen begegnen: nicht nur, daß sie derartige Projekte durchführen, sondern, daß sie selbst auf Gewinnmaximierung bedacht sind.
Ulrike Bock